Frankreich Schülerproteste gegen Abschiebungen weiten sich aus

In Frankreich nimmt der Protest von Schülern gegen die Abschiebung von Klassenkameraden immer größere Ausmaße an. In Paris legten die Jugendlichen teilweise den Verkehr lahm. Jetzt will sich die Regierung äußern.

Polizisten stoppen Schülerdemo: Tausende protestieren gegen Abschiebung
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Polizisten stoppen Schülerdemo: Tausende protestieren gegen Abschiebung


Paris - Tausende französische Schüler haben den zweiten Tag in Folge gegen die Zwangsabschiebung ausländischer Klassenkameraden demonstriert. In Paris legte am Freitag ein Protestmarsch zeitweise den Verkehr im Osten der Stadt lahm. Bereits am Morgen hatten Schüler den Zugang zu etlichen Schulen blockiert.

Auslöser der Proteste war die Abschiebung der 15-jährigen Leonarda in das Kosovo. Polizisten hatten die Jugendliche während eines Schulausflugs abgeholt, um sie mit ihrer Familie außer Landes zu bringen. Kurz darauf wurde die Ausweisung einer weiteren Schülerin bekannt.

Als Verantwortlicher für den Fall gilt Innenminister Manuel Valls. Er ist wegen seines harten Kurses gegen illegal im Land lebende Ausländer innerparteilich stark umstritten. Einige Sozialisten fordern mittlerweile sogar Valls Ablösung durch Präsident François Hollande. Valls verteidigt die Abschiebung der 15-Jährigen. Er kündigte am Freitag an, einen Besuch auf den französischen Karibikinseln vorzeitig abzubrechen.

Ein Untersuchungsbericht zu dem Fall sollte am Freitagabend an die Regierung übergeben werden. Sie will sich am Wochenende dazu äußern. Hollande erwägt nach Angaben des Elysée-Palasts strengere Regeln bei der Abschiebung von Schülern.

Von Polizisten in Empfang genommen

Leonarda wurde bereits am 9. Oktober gemeinsam mit ihrer Familie abgeschoben. Ihre Asylanträge waren abgelehnt worden. Als Beamte die kosovarische Familie in Levier abholen wollten, befand sich das Mädchen auf einem Schulausflug. Deshalb wurde der Bus angehalten und das Mädchen von den Polizisten "in Empfang genommen". So schildert es das französische Innenministerium. Es wurde kein "Zwang" ausgeübt, ergänzte die zuständige Präfektur. Es handele sich auch nicht um "die Festnahme eines jungen Mädchens im Klassenzimmer".

Laut Innenministerium weigerte sich die Familie wiederholt, das Land zu verlassen. Also wurde der Vater am 8. Oktober festgenommen und ausgewiesen. Die Mutter, Leonarda und deren Geschwister folgten am Tag darauf.

ler/dpa



insgesamt 19 Beiträge
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intifada 18.10.2013
1. Gesetz ist Gesetz
daran muss man sich halten. das gilt auch für Linksextremisten. also demokratisch sein und solche dinge bei der nächsten wahl an der urne entscheiden. was im Moment gewollt ist sieht man ja seit letzten Umfragen.
rwk 18.10.2013
2. Nur die Hälfte...
..steht im Artikel. Diese Familie ist unter falschen und erfundenen Angaben nach F gekommen. Die Ausweisung ist rechtlich in Ordnung. Entweder die Gesetze gelten für alle oder nicht! Richtig ist auch, dass die PS keine klare Linien hat. Jeder Minister werkelt ein bisschen auch in anderen Ministerien und Hollande verwaltet u. verwaltet und verschaltet sich wie er es als PS-Chef zur Genüge getan hat. Die Linken werden ein böse Überraschung bein den Wahlen 2014 erleben, da nützt auch die Homoheirat nichts.
bekkawei 18.10.2013
3.
Zitat von sysopDPAIn Frankreich nimmt der Protest von Schülern gegen die Abschiebung von Klassenkameraden immer größere Ausmaße an. In Paris legten die Jugendlichen teilweise den Verkehr lahm. Jetzt will sich die Regierung äußern. http://www.spiegel.de/politik/ausland/frankreich-schuelerproteste-gegen-abschiebepraxis-weiten-sich-aus-a-928677.html
Wenn ich mir das Foto so anschaue, dann ist das doch genau die "Jugend" aus den Banlieus, die immer auf eine Gelegenheit wartet, Autos anzuzuenden. Na, und das hier ist doch wieder eine gute Gelegenheit dafuer. Mal abwarten.
David67 18.10.2013
4. Bitte den Ball flachhalten:
Der Innenminster setzt die Rechtslage um:Die familie ist illegal eingereist, hatte Asyl beantragt, die ablehnung ist durch alle Instanzen durch und die Abschiebung rechtsgültig. Wogegen also Proteste? Nächstens gibt es Proteste wenn jemand verurteilt wird- Recht ist Recht und Gesetze sind dazu da, eingehalten zu werden. Es gibt auch große Zustmmungen im Lande zum Vorgehen des Innenministers.
teenriot81 18.10.2013
5.
Zitat von intifadadaran muss man sich halten. das gilt auch für Linksextremisten. also demokratisch sein und solche dinge bei der nächsten wahl an der urne entscheiden. was im Moment gewollt ist sieht man ja seit letzten Umfragen.
Genau. So haben Frauen und Homosexuellen auch ihr Recht gekriegt. Wie viele der Schüler, die demonstrieren, kennen Sie? Kann es sein das die Bezeichnung "Linksextremisten" eine üble Nachrede von Ihnen ist? Warum genau ist es besser das Leben eines 15-jährigen Mädchen zu zerstören, anstatt der Familie ein Aufenthaltsrecht zu geben bis Sie volljährig ist und die Schule abgeschlossen hat? Recht ist nicht einfach Recht. Es bedarf Verhältnismässigkeit. Gesetz ist was Recht ist und nicht umgekehrt.
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