SPIEGEL ONLINE

Stichwahl zwischen Macron und Le Pen Frankreichs Wunsch nach Erneuerung

Emmanuel Macron liegt nach dem ersten Wahlgang vorn - Marine Le Pen erreicht Platz zwei. Der Kampf um den Élysée entscheidet sich am 7. Mai. Schafft Macron es, die Gegner des Front National zu einen? Die Blitzanalyse.

Es ist eine historische Entscheidung: Zum ersten Mal in der Geschichte der V. Republik liegt mit Emmanuel Macron ein Kandidat der Mitte an der Spitze. Abgewählt sind die Vertreter der Volksparteien - eine Wende in der Geschichte von Frankreichs Parteiengefüge.

Was bedeutet das Ergebnis?

Frankreichs Wähler entschieden sich mit ihrem Votum vor allem gegen den politischen Status Quo. Das zeigt nicht nur das Ergebnis der rechtspopulistischen Front-National-Kandidatin Marine Le Pen (21,7 Prozent), sondern vor allem auch das starke Abschneiden des radikal-linken Kandidaten Jean-Luc Mélenchon (19,5 Prozent).

Für Marine Le Pen ist das Ergebnis Erfolg und Scheitern zugleich: Einerseits überflügelte sie die Werte ihres Vaters bei der Wahl von 2002 deutlich. Gleichzeitig verfehlte die Front-National-Chefin aber ihr Ziel, als stärkste Kandidatin in die Stichwahl am 7.Mai zu gehen.

Wer ist der (vorläufige) Sieger?

Der klare Sieger ist Emmanuel Macron. Er liegt mit 23,7 Prozent deutlich vorn. Der jugendliche Politiker führte seine erst 2016 gegründete Partei "En Marche!" im wahrsten Sinne des Wortes zum Durchbruch: Der Erfolg des Mitte-links-Politikers ist eine schallende Ohrfeige für das politische Establishment.

Durch seinen Einzug in die Stichwahlen wurden langjährige Instanzen französischer Politik, die konservativ-gaullistischen Republikaner ebenso wie die regierenden Sozialisten von François Hollande in einem Urnengang - zumindest vorübergehend - entsorgt. Macron deutete seinen Erfolg denn auch als Wende in der französischen Politik: "Die Franzosen haben ihren Wunsch nach einer Erneuerung ausgesprochen."

Macron etabliert sich damit als politische Alternative jenseits der typischen Rechts-Links-Parteien, die jahrzehntelang im Wechsel die Geschichte Frankreichs bestimmten.


Wer sind die Verlierer?

Abgeblitzt ist François Fillon (19,5 Prozent): Der Kandidat der Republikaner, bloßgestellt durch seine Finanzaffären, versuchte sich - gerade nach dem Pariser Attentat - als erfahrener Staatsmann zu empfehlen. Er überzeugte nur noch den harten bürgerlichen Kern der Konservativen.

Deklassiert wurde auch der Sozialist Benoît Hamon: Der Vertreter des linken Flügels schaffte es nicht, die reformerisch-sozialdemokratischen Genossen hinter sich zu bringen. Sie liefen scharenweise zu Macrons Bewegung über.

Fotostrecke

Frankreichwahl: Die gegensätzlichen Sieger

Foto: Getty Images

Macron als nächster Präsident?

Die Chancen auf einen nächsten Präsident Frankreichs mit Namen Macron stehen gut. Beim zweiten Wahlgang tritt er gegen seine Wunschgegnerin Marine Le Pen an. Es gilt als ausgemacht, dass der En-Marche!-Kandidat eine deutliche Mehrheit mobilisieren wird - eine "republikanische Front" gegen die rechtspopulistische Kandidatin.

Die dürfte gerade mit dem von ihr geschürten Szenario eines Austritts aus dem Euro und der Nato die Wähler hinter dem Newcomer vereinen. Dafür sprechen auch die Erfahrungen mit der bisherigen Wahltaktik der Franzosen - beim ersten Durchgang entscheiden oft Gefühl oder ideologische Überzeugung. Beim zweiten Wahlgang folgt die Mehrheit politischen Nützlichkeitserwägungen. Kurz: Erst auswählen, dann rauswählen.

Im Video: So wird in Frankreich gewählt

SPIEGEL ONLINE
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.