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11. März 2006, 11:22 Uhr

Frankreich

Studentenunruhen bringen Regierung in Bedrängnis

Die Studentenunruhen in Frankreich weiten sich aus: Bei Protesten gegen die Arbeitsmarktreform hat die Polizei die besetzte Pariser Universität Sorbonne mit Gewalt geräumt. In Frankreich werden schon Parallelen zu den Unruhen von 1968 gezogen, die zum Sturz der Regierung führten.

Paris -  In der Nacht bahnte sich eine Sondereinheit der Polizei mit Tränengas und Knüppeln einen Weg zu der besetzten Lehranstalt. Rund 400 Studenten hatten sich am Freitag dort verschanzt. Sie bewarfen die vorrückenden Polizisten aus den Fenstern mit Tische, Feuerlöschern, Stühlen und Büchern. Gegen vier Uhr begann eine Sondereinheit der Polizei mit der Erstürmung, nach einer knappen halben Stunde war der Einsatz abgeschlossen. 

Räumung der Sorbonne: Spezialeinheiten der Polizei erstürmten die Pariser Universität
AP

Räumung der Sorbonne: Spezialeinheiten der Polizei erstürmten die Pariser Universität

Sicherheitskräfte riegelten den Platz um das Gebäude ab. Nach Angaben der Polizeiführung hatte Universitätskanzler Maurice Quenet um die Räumung gebeten. Ob es Verletzte gab, ist noch unklar. 

Seit Freitagnachmittag hatte sich die Stimmung auf dem Sorbonne-Gelände hochgeschaukelt. Aus Protest gegen die Entscheidung der Universitätsleitung, die Hochschule wegen der Proteste zu schließen, hatten sich mehrere hundert Studenten in dem Gebäude verbarrikadiert. 

Der Pariser Bürgermeister Bertrand Delanoë übte schon vor der Erstürmung Kritik am Vorgehen der Polizei. Er sei sehr besorgt über den rigiden Einsatz, erklärte er am Freitagnachmittag. Er betrachte die Studentenproteste als friedfertig. Einige Beobachter zogen Parallelen zu den Pariser Studentenunruhen von 1968, die zum Sturz der damaligen Regierung führten.       Die Proteste griffen auch auf andere Universitäten über. Nach Angaben des Bildungsministeriums waren 24 der 84 Universitäten in unterschiedlichem Umfang von den Protestaktionen betroffen. Acht der Hochschulen seien vorübergehend geschlossen worden.      

Gemeinsam mit Gewerkschaften machen Studenten derzeit Front gegen die konservative Regierung von Premierminister Dominique de Villepin. Sie wollen ihn mit ihren Protesten zur Rücknahme des umstrittenen Gesetzes zur Lockerung des Kündigungschutzes für Berufseinsteiger zwingen. Nach ihm können mittlere und Großunternehmen Arbeitnehmer unter 26 Jahren in den ersten beiden Jahren nach der Anstellung ohne Grund entlassen.      

Die Proteste werden voraussichtlich weitergehen. Gewerkschaften, Studenten- und Schülerorganisationen haben für den 18. März zu einem weiteren Protesttag gegen die Vorlage aufgerufen. Am Dienstag waren laut Polizei 400.000 Menschen gegen das Vorhaben auf die Straße gegangen; die Veranstalter sprachen sogar von einer Million Demonstranten. Am 16. März wollen Studenten und Schüler einen eigenen Protesttag abhalten. Für diesen Tag gibt es inzwischen auch mehrere Streikaufrufe von Gewerkschaften.     

ler/AFP/AP

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