Frankreich Top-Terrorist Carlos kommt erneut vor Gericht

Neuer Prozess: Der Linksextremist Illich Ramirez Sanchez - alias Carlos - wird in Frankreich bald wieder vor Gericht stehen. Der bereits zu Lebenslänglich verurteilte Terrorist muss sich wegen Anschlägen auf Züge und eine Zeitung verantworten. Ein Attentat soll Präsident Chirac gegolten haben.


Paris - Der Venezolaner wird gemeinsam mit seinen mutmaßlichen Komplizen Margot Fröhlich, Johannes Weinrich und Ali Al Issawi angeklagt. Sie sollen sich wegen blutiger Anschläge in Frankreich in den achtziger Jahren vor dem Pariser Schwurgericht verantworten. Einer der Anschläge soll dem damaligen französischen Oppositionsführer und späteren Präsidenten Jacques Chirac gegolten haben. Der Prozess solle 2008 beginnen, hieß es heute aus Pariser Justizkreisen.

Top-Terrorist Carlos in den siebziger Jahren: Der heute 68-Jährige war 1994 im Sudan festgenommen worden
AP

Top-Terrorist Carlos in den siebziger Jahren: Der heute 68-Jährige war 1994 im Sudan festgenommen worden

Carlos sitzt bereits wegen der Ermordung zweier französischer Agenten und eines Informanten eine lebenslange Haftstrafe in Frankreich ab. Gegen Weinrich, Fröhlich und Issawi soll in Abwesenheit verhandelt werden. Weinrich war im Januar 2000 in Deutschland wegen eines Bombenanschlags in Berlin zu lebenslanger Haft verurteilt worden, Fröhlich und Issawi sind flüchtig. In dem neuen Prozess geht es um vier Anschläge mit insgesamt elf Toten und mehr als 100 Verletzten.

Carlos und Weinrich sollen sich wegen Beihilfe zum Bombenanschlag auf den Zug Toulouse-Paris am 29. März 1982 mit fünf Toten verantworten. Die Anklage stützt sich dabei auf Dokumente aus der DDR und Ungarn, denen zufolge das Attentat dem damaligen Pariser Bürgermeister Chirac galt. Chirac fuhr damals regelmäßig mit diesem Zug in seinen Wahlkreis im Corrèze.

Außerdem wird Carlos ein Anschlag am 31. Dezember 1983 auf einen Hochgeschwindigkeitszug mit fünf Toten vorgeworfen. Er soll zudem an Bombenanschlägen auf den Pariser Sitz des arabischen Magazins "Al Watan Al Arabi" am 22. April 1982 mit einem Toten und auf einen Bahnhof in Marseille mitgewirkt haben.

ler/dpa



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