Nach Übergriffen Frankreich verbietet weitere rechtsextreme Gruppen

Nach dem Tod eines linken Aktivisten und dem Anstieg islamfeindlicher Taten in Frankreich handelt das Innenministerium: Es lässt das "Französische Werk" und die "Nationalistische Jugend" auflösen. Bereits Anfang des Monats verbot es zwei Gruppen.

JN-Chef Gabriac mit Bodyguards in Toulouse: Seine Gruppe wurde aufgelöst
AFP

JN-Chef Gabriac mit Bodyguards in Toulouse: Seine Gruppe wurde aufgelöst


Paris - In Frankreich sind erneut zwei rechtsextreme Organisationen verboten worden. Innenminister Manuel Valls gab am Mittwoch in Paris die Auflösung der Gruppierung Französisches Werk und ihrer Jugendorganisation Nationalistische Jugend (JN) bekannt. Bereits am 10. Juli waren als Konsequenz aus dem gewaltsamen Tod eines linken Aktivisten in Paris zwei rechtsextreme Gruppen aufgelöst worden: die Organisation Dritter Weg und ihr Ordnungsdienst Nationalistische Revolutionäre Jugend (JNR).

Valls sagte zur Begründung, das Französische Werk sei eine Vereinigung, die "eine ausländerfeindliche und antisemitische Ideologie" sowie "rassistische Thesen" vertrete. Es verherrliche die Nazi-Kollaboration und das Vichy-Regime in Frankreich unter der Besatzung der Nazis. Auch die Nationalistische Jugend propagiere "Hass und Gewalt".

Die Nationalistische Jugend (JN) war im Herbst 2011 von dem Regionalrat für das südostfranzösischen Département Rhône-Alpes, Alexandre Gabriac, in Lyon gegründet worden. Der heute 22-Jährige war im April desselben Jahres aus der rechtsextremen Partei Front National (FN) ausgeschlossen worden, nachdem er den Hitler-Gruß gezeigt hatte. Die JN ist eine Unterorganisation des Französischen Werkes, das schon seit 1968 besteht.

JN-Gründer Gabriac reagierte auf das Verbot umgehend per Twitter. Er schrieb, es sei eine "Wahnvorstellung", zu glauben, dass durch eine Auflösung der Organisationen deren "Entschlossenheit" und "Vorankommen" gestoppt werden könne. Kein Dekret werde den "Nationalismus" stoppen.

Islamfeindliche Taten steigen um mehr als 40 Prozent

Gleichzeitig wurde bekannt, dass in Frankreich islamfeindliche Taten und Drohungen deutlich zunehmen: Wie die Beobachtungsstelle gegen Islamfeindlichkeit am Dienstagabend in Paris mitteilte, gab es im ersten Halbjahr dieses Jahres einen Anstieg um 35 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Der Präsident der Organisation, Abdallah Zekri, sprach von 108 Taten, darunter Gewalttaten, Brandstiftungen und Sachbeschädigungen. Bei den Taten habe es damit einen Anstieg um 41,2 Prozent gegeben, bei den Drohungen um 33,3 Prozent. Das neue Phänomen "Angriffe auf verschleierte Frauen", die seit Anfang Juli verstärkt auftreten, ist laut Zekri noch nicht mit eingerechnet.

mia/AFP



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