Frankreich-Wahl Randale am Gare du Nord bringt Sarkozy in Bedrängnis

Die Ausschreitungen am Pariser Bahnhof Gare du Nord haben den Kampf um die Chirac-Nachfolge angeheizt. Das Thema Sicherheit lockt die Kandidaten in Frankreich aus der Reserve. Der konservativen Sarkozy fürchtet um sein Hardliner-Image.

Von Kim Rahir, Paris


Paris - Monatelang hatten die Sozialistin Ségolène Royal und der konservative Nicolas Sarkozy Frontalattacken weitgehend gemieden. Doch jetzt geht es zur Sache: Das Thema Sicherheit, das schon den Wahlkampf im Jahr 2002 dominiert hatte, steht nach den Ausschreitungen am Gare du Nord plötzlich wieder im Vordergrund - und damit die Frage, ob sich seit den Unruhen in Frankreichs Vorstädten im Herbst 2005 eigentlich etwas geändert hat.

Ausschreitungen am Gare du Nord: Randale nach Festnahme eines Schwarzfahrers
AFP

Ausschreitungen am Gare du Nord: Randale nach Festnahme eines Schwarzfahrers

Mit einer Fahrscheinkontrolle in dem Nordbahnhof von Paris fing alles an: Ein 32-Jähriger Schwarzer widersetzte sich einem Angestellten der Verkehrsbetriebe und wurde daraufhin von den zu Hilfe gerufenen Gendarmen am Boden in Handschellen gelegt. Wie ein Lauffeuer breitete sich die Nachricht aus, die Polizei habe mit unverhältnismäßiger Brutalität einem 13-Jährigen ohne Fahrschein den Arm gebrochen. Hunderte Jugendliche begannen, die Polizei mit Flaschen und Obst zu bewerfen, Verkaufsstände zu plündern und Scheiben einzuschlagen. Bis ein Uhr morgens dauerten die Zusammenstöße am Gare du Nord, die sich vor den Augen Tausender dort festsitzender Fahrgäste abspielten. Augenzeugen fühlten sich an die Unruhen vom November 2005 in den Banlieues erinnert.

"Völliges Versagen" nach fünf Jahren an der Regierung warf darauf Royal ihrem aussichtsreichsten Gegenspieler, Sarkozy vor. Dieser hatte erst einen Tag zuvor sein Amt als Innenminister niedergelegt. Im Wahlkampf weist er stets auf seine ausgezeichneten Ergebnisse bei der Kriminalitätsbekämpfung hin. Auch der Zentrumsliberale François Bayrou, der bei den Präsidentschaftswahlen neben den beiden Kandidaten der Rechten und Linken die meisten Aussichten auf einen Vorstoß in den zweiten Wahlgang hat, warf dem einstigen Innenminister vor, er habe "die Polizei in eine einzige Repressionstruppe" umgewandelt. Sarkozy konterte, er werde sich nicht auf die Seite von Betrügern stellen. Frankreich sei das einzige Land, "im dem es als nicht normal gilt, wenn ein Schwarzfahrer festgenommen wird". Er jedenfalls halte zu den Opfern, nicht zu den Straftätern.



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