Frankreich-Wahl Riesenvorsprung von Chirac gegen Le Pen

Amtsinhaber Jacques Chirac darf der zweiten Runde bei der französischen Präsidentschaftswahl anscheinend gelassen entgegensehen. Sein Herausforderer Jean-Marie Le Pen liegt in Umfragen weit zurück.


Darf mit der Wiederwahl rechnen: Chirac
AP

Darf mit der Wiederwahl rechnen: Chirac

Paris - Chirac kann am kommenden Sonntag mit einem Ergebnis von 74 bis 81 Prozent der Stimmen rechnen. Das ergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Ipsos. Nach einer Umfrage vom Vortag liegt Chirac bei 81 Prozent. Für Le Pen wurde ein Ergebnis von 19 bis 26 Prozent erwartet.

Der überraschende Erfolg des rechtsradikalen Chefs der Nationalen Front, der im ersten Wahlgang mit 17 Prozent der Stimmen den sozialistischen Ministerpräsidenten Lionel Jospin aus dem Rennen warf, sorgt weiterhin für Massenproteste in ganz Frankreich. Um die Unterstützung für Chirac zu verstärken, sind für diese Woche weitere Demonstrationen angekündigt. Am Montag wollen Studenten gegen Le Pen, dem Rassismus und Antisemitismus vorgeworfen werden, auf die Straße gehen. "Wir müssen dem französischem Volk klar machen, das die Nationale Front eine Bedrohung für die Zukunft Frankreichs ist", sagte eine Studentenvertreterin. Für Mittwoch, den 1. Mai, haben Gewerkschaften Demonstrationen angekündigt.

Am selben Tag wollen auch Anhänger der Nationalen Front auf die Straße gehen. Die Le-Pen-Partei rechnet mit 100.000 Anhängern. Sie wollen der Schutzpatronin Frankreichs, Johanna von Orleans, gedenken. "Ich fürchte Chaos und Gewalt. Ich glaube, es besteht eine wirkliche Gefahr", sagte der französische Philosoph Andre Glucksmann dem Rundfunksender Europe 1 Radio. Bei konkurrierenden Versammlungen von Gewerkschaften und Nationaler Front war es in der Vergangenheit zu Unruhen gekommen. 1995 ertrank ein 29-jähriger Marokkaner, der von einer Gruppe kahlrasierter Männer nach einem Marsch der Nationalen Front in die Seine gestoßen worden war.



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