Kampf gegen Terror Frankreich will mit neuen Gefängnissen Radikalisierung stoppen

Frankreichs Gefängnisse sind überbelegt. Die Regierung in Paris fürchtet eine islamistische Radikalisierung und plant 33 zusätzliche Haftanstalten.

Manuel Valls (M.)
AFP

Manuel Valls (M.)


Die französische Regierung hat angekündigt, 33 neue Gefängnisse zu bauen und weitere zu renovieren. "Vor allem in Gefängnissen, wo kürzere Haftstrafen von bis zu zwei Jahren verbüßt werden, liegt die Überbelegungsrate bei 140 Prozent", sagte Ministerpräsident Manuel Valls. In einer ersten Phase sollen im kommenden Jahr neun neue Haftanstalten mit einer Kapazität von mehr als 5000 Zellen entstehen.

In Frankreich haben Schätzungen zufolge offenbar 325 Gefangene Verbindungen zu terroristischen Gruppierungen. Weitere 1400 Insassen sollen als Kämpfer für islamistische Zwecke rekrutiert worden sein. Dem Internationalem Zentrum für Haftstudien zufolge rangiert Frankreich im europäischen Vergleich auf Platz drei, was die Überbelegung seiner fast 200 Gefängnisse angeht: Obwohl nur rund 58.500 Plätze zur Verfügung stehen, sind mehr als 68.000 Personen inhaftiert.

Eigentlich hatte ein Gesetz schon 1875 das Prinzip der Unterbringung in Einzelzellen festgeschrieben, es wurde aber nie eingehalten. Justizminister Jean-Jacques Urvoas hatte die Schaffung neuer Zellen vor wenigen Wochen auch mit dem Kampf gegen die islamistische Radikalisierung begründet. Die Unterbringung sei ein Mittel, um das Abgleiten von Gefangenen in den Fanatismus zu verhindern.

Das Land wurde wiederholt von Anschlägen erschüttert. Unter den Tätern befanden sich auch Ex-Insassen französischer Gefängnisse.

cte/Reuters/dpa

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