Flüchtlingsdrama Frankreichs Innenminister will britische Polizisten nach Calais holen

Tausende Flüchtlinge leben in der französischen Hafenstadt Calais - sie warten darauf, nach Großbritannien zu gelangen. Die Regierung in Paris ist mit der Lage überfordert und verlangt mehr Hilfe von London.
Flüchtlinge in Calais: Frankreich fordert Hilfe von Großbritannien

Flüchtlinge in Calais: Frankreich fordert Hilfe von Großbritannien

Foto: PHILIPPE HUGUEN/ AFP

Paris/London - Die Lage in der französischen Hafenstadt Calais ist dramatisch: Rund 2500 illegale Einwanderer leben inzwischen in dem Ort und seiner Umgebung. Die meisten von ihnen sind Flüchtlinge aus Äthiopien, Eritrea, Syrien und dem Sudan. Viele hausen in unwürdigen Bedingungen in selbstgebauten Hütten und Zelten rund um den Hafen, mehrfach ist es in den vergangenen Wochen dort zu Straßenkämpfen gekommen.

Die Migranten warten auf die Gelegenheit, mit Booten über den Ärmelkanal nach Großbritannien zu gelangen. Deshalb fordert Frankreich nun Hilfe aus London. Die britische Regierung solle Polizisten nach Calais schicken, um das "ungeheure Problem" zu lösen, sagte der französische Innenminister Bernard Cazeneuve. Die Beamten sollten die Flüchtlinge davon überzeugen, dass es unmöglich sei, den Kanal zu überqueren.

Bereits im September hatte das Innenministerium in London etwa 15 Millionen Euro versprochen, um den französischen Behörden im Umgang mit der Krise zu helfen. Im Oktober hatte Paris die Zahl der Polizisten in Calais von 350 auf 450 aufgestockt. Doch auch das reicht offenbar nicht, daher nun der Appell an die Regierung von David Cameron.

Flüchtlinge springen auf Lastwagen auf

"Wir werden den humanitären Teil finanzieren und Großbritannien wird uns dabei helfen, den sicherheitspolitischen Teil des Problems zu lösen", sagte Cazeneuve der BBC. "Und wir versuchen ein gemeinsames Polizeisystem hier aufzubauen."

Die Flüchtlinge in Calais versuchen zumeist nachts auf Lastwagen aufzuspringen, die auf Fähren von Calais nach Dover fahren. Allein in der vergangenen Woche sollen rund um die Stadt drei Einwanderer bei Unfällen ums Leben gekommen sein.

Nun wollen die Sicherheitsbehörden rund um den Hafen modernere Zäune errichten. Außerdem sollen Detektoren angeschafft werden, die Menschen aufspüren sollen, die sich in Lkw verstecken.

syd