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Besuch in Amerika: Monsieur Hollande bei Freunden

Foto: NICHOLAS KAMM/ AFP

Hollande in Washington Neue beste Freunde

Washington feiert die neue Nähe zu Paris. US-Präsident Obama bereitet seinem Amtskollegen Hollande einen rauschenden Empfang, mit Staatsdinner, Pomp und Böllerei. Frankreich gilt mittlerweile als verlässlicher Partner, anders als Deutschland.

Rund ums Weiße Haus herrscht Blau-Weiß-Rot. Die französischen Nationalfarben schmücken die Laternenpfähle im Zentrum der US-Hauptstadt, und am mächtigen Eisenhower-Regierungsgebäude hat man eine riesige Trikolore neben Amerikas Stars and Stripes über die Fassade gezogen. Soll keiner sagen, Frankreichs Staatspräsident François Hollande sei den Amerikanern nicht willkommen.

Mit allem Pomp und Glanz empfängt US-Präsident Barack Obama in diesen Tagen seinen Amtskollegen: Am Montag ein Besuch auf Monticello, dem Landgut von US-Gründervater und Frankreich-Liebhaber Thomas Jefferson; an diesem Dienstag der Empfang im Weißen Haus; abends ein üppiges Staatsdinner mit 300 Gästen; am Mittwoch eine Reise ins Silicon Valley nach Kalifornien. Böllerei und patriotisches Liedgut natürlich inklusive.

"State Visit" heißt diese Show politischer Zuneigung protokollarisch korrekt - und Monsieur Hollande ist erst der siebte Staatsgast, dem Obama diese Ehre erweist. Das hat Gründe. Frankreich gilt Obama mittlerweile als verlässlichster außen- und sicherheitspolitischer Partner in Europa:

Fazit eines engen Obama-Beraters: "Die Zeit der Freedom Fries liegt schon lange zurück." Gemeint sind die Jahre nach Beginn des Irak-Kriegs, dem sich die Franzosen wohlweislich verweigerten und während derer einige Amerikaner keine French Fries mehr servieren wollten. Jetzt ist alles anders: Frankreich sei der "ideale Partner" für Obamas außenpolitische Vorhaben, schlussfolgert der Vertraute.

So schreiben denn auch die beiden Präsidenten in einem gemeinsamen Gastbeitrag für "Washington Post" und "Le Monde" : "Vor einem Jahrzehnt hätten sich nur wenige vorstellen können, dass unsere Länder auf so vielen Gebieten eng zusammenarbeiten." Kein Land könne die Lasten der Führungsrolle allein tragen, mehr Staaten müssten sich engagieren. Afrika sei das "sichtbare Zeichen" der neuen Partnerschaft.

Präsidenten Hollande, Obama vor Jeffersons Anwesen in Virginia

Präsidenten Hollande, Obama vor Jeffersons Anwesen in Virginia

Foto: AP/dpa

Sichtbar ist der französisch-amerikanische Honeymoon allerdings auch jenseits von Afrika, in Virginia: Auf dem Landgut Monticello preist Obama am Montag Vorgänger Jefferson (1801-1809) als "frankophil durch und durch". Das Haus repräsentiere den Bund, der die amerikanische Revolution mit ermöglicht und später die französische beeinflusst habe. Hollande fügt an: "Wir bleiben Freunde für immer." Dann geben sie sich die Hand.

Man hat in Amerika zudem sehr wohl registriert, dass Hollande die NSA-Spähaffäre nicht allzu scharf thematisiert. Frankreich, so lautet dieser Tage der Standardsatz im politischen Washington, sei "unser ältester Alliierter und Freund". Stimmt schon, ohne Frankreich hätten die Amerikaner ihren Unabhängigkeitskrieg gegen die Briten nie und nimmer gewinnen können. Doch die "special relationship" entwickelte sich eben nicht mit Frankreich, sondern mit Großbritannien. Jeffersons pro-französischer Einfluss war schnell verblasst.

Nun könnten sich die Gewichte verschieben. Belege? Im vergangenen Jahr verweigerte das britische Parlament Premier David Cameron die Zustimmung zum Militärschlag gegen Assad, in der EU sind die Briten auf dem Rückzug, und in der Euro-Zone spielen sie ohnehin keine Rolle. Deutschland wiederum wird in den USA als wirtschaftlicher Riese wahrgenommen, der sich seiner politischen Verantwortung nicht recht stellen mag - auch wenn die jüngste Rede des Bundespräsidenten Gauck positiv gedeutet wird.

Bleibt Frankreich.

Für den frisch gebackenen Single François Hollande ist der amerikanische Honeymoon Balsam. Denn angeschlagen ist sein Ruf daheim nicht nur wegen seiner Steuer- und Wirtschaftspolitik, sondern auch durch seine persönlichen Amouren und die rüde Entsorgung von Lebensgefährtin Valérie Trierweiler. In Washington mussten sie die Einladungskarten zum Staatsdinner neu drucken, ohne den Namen der Ex. Die Eskapaden haben Hollande jenseits des Atlantiks den Ruf als "French Lover" eingebracht, derweil die Popularitätskurve zu Hause einen historischen Tiefstand erreicht - gelitten ist der Sozialist nur noch bei 19 Prozent seiner Landsleute. Da kommt der schulterklopfende Schmusekurs Obamas gerade recht.

Auch wirtschaftlich soll die transatlantische Kooperation wieder gedeihen, das geplante Freihandelsabkommen zwischen Europa und den USA Wachstum schaffen. Frankreichs Ruf als ökonomischer Standort hat zuletzt mächtig gelitten, die Arbeitslosigkeit liegt bei rund elf Prozent. Zwar steht Amerika mit 23 Prozent noch immer an der Spitze der ausländischen Investoren, aber nur 13 Prozent haben eine "positiven Eindruck" von ihrem Gastland. Vielleicht vermag Hollande dieses Image in den USA aufzupolieren. Andere Klischees dagegen haben sich als äußerst langlebig erwiesen.

Thomas Jefferson zum Beispiel notierte schon während seiner Zeit als US-Botschafter in Paris die Warnung: Als männliches Wesen betrachte man in Frankreich leider "die Treue im Eheleben als das Gegenteil von Freude und eine dem Gentleman nicht zuträgliche Praxis".

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