Menschenrechte in der Ukraine Frankreichs Regierung boykottiert Fußball-EM

Wird es eine EM ohne europäische Spitzenpolitiker? Die französische Regierung hat angekündigt, die Fußball-Europameisterschaft zu boykottieren - aus Protest gegen die Situation der Oppositionspolitikerin Timoschenko. Diese sitzt im Gastgeberland Ukraine in Haft.

In der Ukraine nicht auf der Tribüne: Frankreichs Sportministerin Valérie Fourneyron in Reims
AFP

In der Ukraine nicht auf der Tribüne: Frankreichs Sportministerin Valérie Fourneyron in Reims


Paris - Die Mitglieder der französischen Regierung werden nicht zu den Spielen der Fußball-Europameisterschaft reisen - aus Protest gegen Menschenrechtsverletzungen im Gastgeberland Ukraine. "Das ist eine Positionierung mit Blick auf die Wahrung der europäischen Werte und vor allem im Lichte der Situation von Frau Timoschenko", sagte Sportministerin Valérie Fourneyron am Donnerstagabend im Rahmen des Testspiel der Équipe Tricolore gegen Serbien in Reims. Das Außenministerium habe die ukrainische Führung informiert.

Timoschenko selbst hatte sich gegen einen Boykott der Europameisterschaft ausgesprochen. Die ehemalige ukrainische Regierungschefin Julija Timoschenko ist seit Oktober in Haft. Sie wird derzeit wegen mehrerer Bandscheibenvorfälle in einer Klinik behandelt. Der Westen sieht die Strafe als politisch motiviert an und kritisierte die Haftbedingungen. Jüngst wurde bekannt, dass die ukrainische Justiz Timoschenko demnächst womöglich wegen Mordes anklagen will.

Frankreichs Präsident François Hollande hatte schon vor einer Woche angekündigt, dass er nicht in die Ukraine fahren wolle. "Ich liebe Fußball, aber was in der Ukraine passiert, ist ein Problem", sagte der sozialistische Staatschef am Rande des EU-Gipfels in Brüssel. Auch andere westliche Spitzenpolitiker sowie die EU-Kommission hatten bereits beschlossen, wegen des Falls Timoschenko nicht in die Ukraine zu reisen. Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte zuletzt, dass sie kurzfristig über eine Reise zur EM entscheiden werde.

usp/dpa



insgesamt 15 Beiträge
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Milkywayne 01.06.2012
1. Bitte!
Um so weniger Politiker bei der EM umso besser! Der Fußball kann davon nur profitieren. Außerdem gehen mir diese Kameraschwenks in Richtung unserer "Spitzenpolitiker" eh immer auf den geist.
whitewolfe 01.06.2012
2. Ich finde das auch nicht gut ....
aber hört aus den Sport zu politisieren,das hat uns schon mal zwei Olypiaboykotts eingebracht.Die Sportler können nichts dafür.Wenn das so problematisch ist dann sollte man bei der Vergabe der Veranstaltung überlegen wem man die Veranstaltung ausrichten lässt.Hoffentlich gibt es nicht bei der WM in Russland das gleiche Theater.Schliesslich sitzt der Lukaschenko als persönlicher Gegner Putins schon jahrelang im Knast.
matthias_b. 01.06.2012
3. Was denn jetzt?
Fahren sie nicht zur EM oder nicht in die Ukraine? Ein großer Unterschied auf dem Rücken Polens, also bitte mal eine klare Aussage.
BSC 01.06.2012
4. Boykott
Völlig daneben, diese Boykott-Drohungen, würden wir uns trauen, die USA so zu behandeln wegen Guantanamo, diverser illegaler Kriege, Morde, die auch noch gefilmt werden (auch wenn es ein Terrorist wie bin Laden war)? War irgendwer nicht in China? Aber Aserbaidschan und Ukraine, da haben wir und andere Europäer wie die Franzosen mal so richtig Mumm und sagen denen die Meinung.....ganz stark und mutig!
Sackaboner 01.06.2012
5.
Warum müssen auch diese Meisterschaften in wer weiß was für Ländern abgehalten werden? Die Olympiade in China, die Fussball-WM in weiß nicht wo? Aber eher findet eine Olympiade in Nordkorea statt, als dass Deutschland noch mal den Zuschlag erhält, nach all den abgelehnten Bewerbungen der letzten Jahrzehnte. Wenn da kein Schmiergeld im Spiel ist, heiße ich Yogi.
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