Frankreichs Spendenaffäre Polizei nimmt Vertraute der L'Oréal-Erbin fest

In der Spendenaffäre um Liliane Bettencourt hat die französische Polizei mehrere Menschen festgenommen - darunter den Vermögensverwalter der Milliardärin. Sie selbst dementiert den Vorwurf der illegalen Parteienfinanzierung: "Umschläge am Tisch zu verteilen, wäre ein Verstoß gegen die gute Erziehung."

Liliane Bettencourt: Die Polizei nahm zwei Vertraute der 87-Jährigen in Gewahrsam
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Liliane Bettencourt: Die Polizei nahm zwei Vertraute der 87-Jährigen in Gewahrsam


Paris - Die Affäre um L'Oréal-Milliardärin Liliane Bettencourt wird immer brisanter. Am Donnerstag nahmen die Ermittler zwei Vertraute der 87-Jährigen in Polizeigewahrsam: Einen engen Freund der reichsten Frau Frankreichs und ihren Vermögensverwalter. Der Fotograf François-Marie Banier und Bettencourts Vermögensverwalter, Patrice de Maistre, befanden sich Ermittlern zufolge seit dem Morgen in Räumlichkeiten der Finanzpolizei. Der Hauptaktionärin des Kosmetikimperiums L'Oréal werden Steuerhinterziehung in Millionenhöhe sowie illegale Parteienfinanzierung für die konservative Regierungspartei UMP vorgeworfen.

Der Künstler Banier soll Bettencourt im Laufe der Jahre Bargeld, Gemälde und Lebensversicherungen im Wert von fast einer Milliarde Euro aus der Tasche gezogen haben. Der gute Freund der Milliardärin ist deshalb von ihrer Tochter angezeigt worden. Darüber hinaus wurde eine Schlüsselfigur der Affäre Bettencourt, die seit Wochen ganz Frankreich in Atem hält, in Polizeigewahrsam genommen: der Vermögensverwalter de Maistre, dem vorgeworfen wird, die Steuerhinterziehung organisiert zu haben. Er soll auch für die Übergabe von illegalen Spenden an die UMP verantwortlich gewesen sein. Nach Angaben aus den Ermittlerkreisen wurden insgesamt vier Personen in Polizeigewahrsam genommen.

Bettencourt selber dementierte die Vorwürfe der illegalen Parteienfinanzierung. "Es ist absurd, dass Politiker an unserem Tisch Umschläge in Empfang genommen haben sollten", sagte sie nach Angaben ihres Anwalts, den die Zeitung "Le Figaro" am Donnerstag zitiert. "Umschläge am Tisch zu verteilen wäre ein Verstoß gegen die gute Erziehung", fügte die reichste Frau Frankreichs hinzu.

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Sarkozy im TV: Spiel, Satz, Sieg
Bettencourt steht im Mittelpunkt einer politischen Affäre, in der Hinweise auf Steuerbetrug und illegale Parteienfinanzierung aufgekommen sind. Der heutige Arbeitsminister Eric Woerth steht im Verdacht, zur Finanzierung des Präsidentschaftswahlkampfs von Nicolas Sarkozy illegale Geldgeschenke der Familie Bettencourt in Höhe von 150.000 Euro in Empfang genommen zu haben. Woerth weist dies zurück. Seinen Posten als Schatzmeister hat er jedoch aufgegeben. Sarkozy hatte Anfang der Woche in einem TV-Interview zu den Vorwürfen Stellung genommen.

ler/AFP/dpa



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