Vorwurf aus den USA Frankreich und Spanien haben NSA angeblich unterstützt

Die Geheimdienste von Frankreich und Spanien sollen Telefongespräche im Ausland abgehört und mit der NSA geteilt haben. Das berichtet das "Wall Street Journal". Unterdessen gibt es auch Spionagevorwürfe gegen Russland.

Washington - Auch in Frankreich und Spanien hat die NSA-Spähaffäre für einen großen Aufschrei gesorgt. Nun sagen anonyme US-Beamte, dass diese Datenspionage nicht von der NSA durchgeführt wurde - sondern von den Geheimdiensten der beiden Länder selbst. Das berichtet das "Wall Street Journal" auf seiner Website . Das betreffe allerdings nicht das Ausspähen von Kanzlerin Angela Merkel und anderen Regierungschefs.

Demnach hätten die Geheimdienste Frankreichs und Spaniens Telefongespräche in Kriegsgebieten und anderen Bereichen außerhalb der Staatsgrenzen gesammelt und sie mit der NSA geteilt. Dies sei geschehen, um amerikanische und verbündete Truppen und Zivilisten zu schützen.

Die Vorwürfe stehen im Widerspruch zu den bisherigen Erkenntnissen in der Affäre und werfen Fragen hinsichtlich der Rolle der europäischen Geheimdienste auf. Bislang hätten sich die USA nicht dazu geäußert, auch um die Beziehungen zu den Ländern zu schützen. Zunächst äußerten sich weder die NSA noch Frankreich oder Spanien zu den Vorwürfen. Am Dienstagabend berichtete allerdings auch NSA-Chef Keith Alexander im US-Kongress, dass die Alliierten selbst Daten gesammelt und mit der NSA geteilt hätten.

Medien sollen Snowden-Dokumente falsch interpretiert haben

In den vergangenen Tagen hatten große Zeitungen in Frankreich und Spanien Zahlen aus Dokumenten des Whistleblowers Edward Snowden veröffentlicht. Demnach sollen 70 Millionen Telefongespräche in Frankreich allein zwischen Dezember und Januar abgehört worden sein und60 Millionen im gleichen Zeitraum in Spanien. Der spanische Generalstaatsanwalt Eduardo Torres-Dulce ordnete deshalb am Dienstag Vorermittlungen an. Der spanische Außenminister Jose Manuel Garcia-Margallo warnte vor einem Bruch des transatlantischen Vertrauensverhältnisses, sollten sich die Vorwürfe als wahr herausstellen.

Laut "Wall Street Journal" sind die Zahlen angeblich falsch interpretiert worden. Sie zeigten vielmehr die abgehörten Telefongespräche der spanischen und französischen Geheimdienste im Ausland, die der NSA übergeben worden seien. Laut den US-Beamten gehören die europäischen Abhör-Programme zu lang bestehenden Abkommen zwischen den USA und ihren engsten Verbündeten. In der vergangenen Woche hatte US-Geheimdienstdirektor James Clapper die von der Zeitung "Le Monde" veröffentlichten Berichte über US-Spionageaktivitäten in Frankreich als fehlerhaft zurückgewiesen. Die Artikel enthielten "falsche und irreführende" Angaben, sagte er.

Russland weist Spionagevorwürfe zurück

Unterdessen gerät auch Russland in die Kritik. Die italienischen Zeitungen "Corriere della Sera" und "La Stampa" berichten unter Berufung auf einen EU-Diplomaten, dass die russischen Gastgeber am Ende des G-20-Gipfels in Sankt Petersburg im September den Staatsdelegationen USB-Computer-Sticks und Aufladegeräte für Handys mitgegeben hätten.

Daraufhin habe der überraschte EU-Präsident Herman Van Rompuy das Sicherheitspersonal angewiesen, die Geräte zu überprüfen. Vorläufige Test, mit Hilfe von deutschen Geheimdienstlern durchgeführt, hätten ein "positives" Ergebnis gezeigt, so der "Corriere della Sera". Demnach sollten die Geräte geeignet gewesen sein, um Computer- und Handydaten auszuspionieren.

Kremlsprecher Dmitri Peskow hat die Berichte dementiert. Sie seien "nichts weiter als ein Versuch, die Aufmerksamkeit von den wirklichen Problemen abzulenken, die jetzt die Beziehungen zwischen den europäischen Staaten und Washington dominieren."

max/Reuters/dpa