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Französische Riviera: Diktatoren-Villen im Angebot

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Französische Riviera Die Villen der Despoten

Nach dem Sturz von Tunesiens Ben Ali und Ägypten Husni Mubarak hat die französische Riviera ein Problem: Wohin mit den Villen und Wohnungen der milliardenschweren Ex-Regenten? Inzwischen fahndet die Pariser Staatsanwaltschaft nach dem in Frankreich verborgenen Vermögen.
Von Annika Joeres

Ben Ali

Monaco - Vorne links im Café de Paris hat Leila Trabelsi besonders gerne ihren Cappuccino getrunken, am frühen Abend auch einmal ein Gläschen Champagner. An dem prestigeträchtigen Kasino-Platz in Monaco sei immer ein Tisch für die Frau des tunesisches Ex-Herrschers reserviert gewesen, sagt ein befrackter Kellner. Wenige Meter weiter habe der Clan von Ex-Diktator Ben Ali eine Suite im luxuriösen Hotel "Métropole" ganzjährig gemietet.

Frankreich

Ben Ali ist nach Saudi-Arabien geflohen und lässt in Monaco und in zahlreiche Immobilien zurück. Der haitische Despot Baby Doc verbrachte viele Jahre seines Exils an der Côte d'Azur, Saddam Husseins Yacht lag im Hafen von Nizza.

Transparency International

"So lange Diktatoren an der Macht sind, können sie ungehindert ihr schmutziges Geld in Europa ausgeben", sagt Maud Perdriel-Vaissière von der französischen Organisation Sherpa. Bei Sherpa kämpfen Juristen dafür, illegal von Herrschern entwendetes öffentliches Geld dem Volk zurück zu geben. "Der Untergang des tunesischen und ägyptischen Regimes lässt nun hoffen, die verbrecherischen Reichtümer an das Volk zurück zu geben." Nach dem Sturz von Ben Ali hat Sherpa zusammen mit einen ersten juristischen Sieg errungen: Die Pariser Staatsanwaltschaft hat Ende Januar Ermittlungen aufgenommen, um die zahlreichen Güter vom fünffachen Milliardär Ben Ali in Frankreich zu bestimmen und möglicherweise dem tunesischen Staat zurückzugeben. Durch Aussagen von Immobilienmaklern ist inzwischen öffentlich, dass Ben Ali, seine Kinder, Geschwister und die Familie Trabelsi seiner Frau zahlreiche Appartements und Häuser in der Pariser Innenstadt besitzt.

Monaco

An der französischen Riviera aber haben viele umstrittene Herrscher und auch Ben Ali ihre zweite Heimat gefunden. Die Halbinsel Cap Ferrat zwischen Nizza und gehört so zu den teuersten Flecken der Welt. Die Immobilienagenturen an der Côte-d'Azur und in Monaco sind sehr viel weniger auskunftsfreudig als ihre Pariser Kollegen.

Immobilienpreise von bis zu 50.000 Euro pro Quadratmeter können sich meist nur fragwürdige Milliardäre aus der ganzen Welt leisten, Diskretion ist daher Ehrensache.

Laut einer Aussage eines früheren Taxifahrers von Ben Ali in der Lokalzeitung "Nice Matin" besitzt Ben Ali allerdings eine Villa direkt gegenüber dem Grimaldi-Forum in Monaco. In dem nur zwei Quadratkilometer großen Land wurden nahezu alle Villen abgerissen und durch Hochhäuser ersetzt, aber gegenüber des Forums steht noch immer eine gelb getünchte Villa mit Meerblick. Die Jalousien sind herunter gelassen und an der Tür fehlt ein Name - wie an so vielen Eingängen im Fürstenstaat.

"Deutschland ist alles andere als vorbildlich"

Möglicherweise werden es Despoten künftig schwerer haben, in Monaco ihr Geld anzulegen. Am 4. Februar hat die Europäische Union beschlossen, das Vermögen von Ben Ali und 46 weiteren Familienmitgliedern einzufrieren. Ein bislang einzigartiger Akt der Brüsseler Behörde. "Vor einem Jahr wäre unsere Klage erfolglos geblieben", sagt Myriam Savy von der französischen Sektion von Transparency International.

Korruption

Die Organisation kämpft weltweit gegen . "Solange die verbrecherischen Herrscher an der Macht sind, traut sich kein westlicher Staat an das verbrecherische Geld heran", sagt sie. Transparency hat schon 2009 in Paris geklagt, um die Reichtümer der Diktatoren aus Gabun, Äquatorial-Guinea und dem Kongo einzufrieren. Die Aktivisten hatten Beweise für illegal erworbene Villen und Millionen auf französischen Bankkonten gesammelt, inzwischen ist ihre Klage angenommen, aber noch nicht erfolgreich ermittelt worden. "Europa muss zeigen, dass es kein Schlupfloch für verbrecherisches Eigentum sein will", so Savy.

Auch Deutschland bekämpft das korrupte Geld der Despoten nur verhalten. "Die Bundesregierung muss endlich bekannt geben, bei welchen Banken und welche Vermögen in Deutschland eingefroren wurden," sagt der Geschäftsführer von Transparency International Deutschland, Christian Humborg. Das tunesische Volk habe ein Anrecht auf diese Information. Deutschland gebe international ein sehr peinliches Bild ab, wenn es um die Bekämpfung von Korruption gehe: "Deutschland hat die Uno-Konvention gegen Korruption (UNCAC) immer noch nicht ratifiziert", so Humborg. Denn die UNCAC würde deutlich schärfere Gesetze auch für die Bestechung von Abgeordneten in Deutschland nach sich ziehen - und davor scheut die Regierung offenbar zurück. "Deutschland ist alles andere als vorbildlich", so Humborg.

An letzter Stelle der Aufklärung dürften allerdings weiterhin Monaco und die Côte-d'Azur stehen. Im Hafen von Cannes konnte der saudi-arabische Prinz Walid Ibn Talal einen Pier für seine 86 Meter lange Yacht bauen und ganzjährig reservieren. Schon 2007 wussten die ausnahmslos konservativen Bürgermeister der Côte d'Azur nichts mit der plötzlich herrenlosen Yacht "Ocean Breeze" von Iraks Ex-Diktator Saddam Hussein anzufangen. Nach monatelangem herrenlosen Ankern wurde das Luxusschiff zurück in den Irak überführt, wo es an Privatleute verkauft worden sein soll. "Wir haben jetzt keine Zeit zu verlieren", sagt Maud Perdriel-Vaissière von Sherpa. Auch abgesetzte Despoten hätten weltweit noch genügend Unterstützer, um ihr Vermögen zu verdunkeln und auf schwarze Konten zu schaffen.

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