Französischer Nationalfeiertag Europäische Truppen marschieren für die Grande Nation
Paris - Für Nicolas Sarkozy war es der erste Nationalfeiertag, den er als Präsident beging. Entsprechend prominent waren die Gäste, die sich heute in Paris einfanden. Gemeinsam mit den Franzosen feierten der aus Portugal stammende EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Durao Barroso, der EU-Außenbeauftragte Javier Solana - ein Spanier - und der deutsche Präsident des EU-Parlaments, Hans-Gert Pöttering.
Frankreich erinnert am 14. Juli an den Sturm auf die Bastille im Jahr 1789. Im ganzen Land finden dafür Paraden und Straßenfeste statt. Der Fall des Gefängnisses symbolisiert den Beginn der Französischen Revolution mit dem Sturz der alten Adelsherrschaft - was für ganz Europa einen Umbruch bedeutete.
Heute haben nun erstmals Truppen aus der ganzen EU an der Militärparade auf den Champs-Elysées in Paris teilgenommen. Etwa 800 Soldaten der 27 EU-Länder führten die Parade auf dem Pariser Prachtboulevard an, gefolgt von etwa 4000 französischen Soldaten. EU-Kommissionspräsident Barroso sprach von einer "großartigen Geste für Europa".
Die diesjährige Feier des 14. Juli solle Ausdruck eines "neuen Stils" sein, betonte Sarkozys Sprecher. In der Vergangenheit hatten bereits mehrfach Einheiten der Bundeswehr an der Militärparade teilgenommen. Es ist jedoch das erste Mal, dass alle 27 EU-Nationen vertreten sind. Dies sei ein Zeichen für den Wunsch Frankreichs, eine europäische Verteidigung aufzubauen, sagte Verteidigungsminister Herve Morin.
Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte sich im März für den Aufbau einer gemeinsamen europäischen Armee ausgesprochen. Die Europäische Union hat als Wirtschaftsgemeinschaft bisher keine eigene Armee. Der Versuch, eine europäische Verteidigungsgemeinschaft zu gründen, scheiterte 1954 an der französischen Nationalversammlung.
Zu der traditionellen Gartenparty im Präsidentenpalast lud Sarkozy etwa 7000 Gäste ein, unter ihnen zahlreiche "Helden des Alltags" und "Opfer, denen der Staat zur Seite stehen muss". Die bislang übliche Begnadigung von Häftlingen fällt hingegen aus. Sarkozy verzichtet auch auf das große Fernseh-Interview, das seine Vorgänger am Nationalfeiertag stets gegeben hatten.
Europäisch ausgerichtet war auch das Unterhaltungsprogramm für den Nationalfeiertag: Das Staatsoberhaupt buchte die deutsche Band Tokio Hotel für ein Sonderkonzert. Außer dem französischen Kultpopper Michel Polnareff und Nelly Furtado sollten die vier Jungs aus Magdeburg heute vor einer halben Million Menschen unter dem Eiffelturm auftreten. Das Konzert sei eine Botschaft für das neue Frankreich, erklärt der Elysée-Palast.
Getrübt wurden die Feierlichkeiten allerdings von Krawallen in zahlreichen Vorstädten. In der Nacht seien landesweit 266 Autos zerstört worden, teilte die Polizei in Paris mit. Dies waren etwas mehr als im Vorjahr, als in der Nacht zum 14. Juli 254 Fahrzeuge in Flammen aufgingen. Vier Polizisten wurden bei Auseinandersetzungen leicht verletzt. Ein sechsjähriges Mädchen erlitt Verletzungen, als Unbekannte in der Pariser Vorstadt Romainville Feuerwehrskörper in Richtung einer Gruppe von Kommunalpolitikern warfen. Insgesamt wurden laut Polizei rund 100 Menschen festgenommen.
wal/AP/dpa/AFP