Täter auf der Flucht Messerattacke auf französischen Soldaten in Paris

Die Tat ähnelt dem Beilangriff von London: In Paris ist ein Militärangehöriger mit einem Cutter am Hals verletzt worden. Der Angreifer ist flüchtig. Laut Frankreichs Verteidigungsminister Le Drian wollte er den 23-Jährigen töten - "weil der ein Soldat ist".


Hamburg/Paris - Die Attacke traf das Opfer unerwartet: Ein Unbekannter hat am Samstag in Paris einen französischen Soldaten von hinten mit einem Messer im Nacken verletzt. Der Soldat patroullierte in Uniform im Viertel La Défense im Westen der französischen Hauptstadt, verlautete aus Polizeikreisen. Einsatzkräfte riegelten den Tatort ab, er befindet sich in einem Zugangsbereich zu unterschiedlichen öffentlichen Verkehrsmitteln wie etwa der Regionalbahn RER.

"Man hat einen Soldaten töten wollen, weil er ein Soldat ist", sagte der französische Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian am Samstag nach einem Besuch bei dem Verletzten in Paris. Der 23-Jährige schwebe nicht in Lebensgefahr, gab das Innenministerium in einer Mitteilung bekannt. Der Angreifer war nach der Tat am frühen Abend geflohen. Le Drian versicherte zugleich, er und Innenminister Manuel Valls würden den "unerbittlichen Kampf gegen den Terrorismus" fortsetzen.

Frankreichs Staatschef François Hollande sagte, derzeit gebe es keinen Hinweis auf einen Zusammenhang mit der Ermordung eines britischen Soldaten in London am Mittwoch durch zwei mutmaßliche Islamisten. Er warnte davor, übereilte Schlüsse zu ziehen. Man müsse allen Hypothesen nachgehen. Die genauen Umstände der Messerattacke seien noch nicht bekannt, sagte Hollande in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba, wo er sich anlässlich des 50. Jahrestags der Gründung der Afrikanischen Union aufhielt. Auch die Identität des Angreifers sei noch unbekannt.

Wie die Tageszeitung "Le Figaro" berichtet, war der angegriffene Soldat Teil einer Patrouille im Rahmen des sogenannten Plan Vigipirate, einer Reihe von Sicherheitsmaßnahmen der französischen Regierung zum Schutz der Bevölkerung - auch gegen mögliche terroristische Bedrohungen. Eine erste Version des Plans stammt bereits aus dem Jahr 1978, seither wurde er mehrfach geändert, insbesondere seit den Anschlägen vom 11. September 2001 in New York. Die aktuelle Fassung ist aus dem Jahr 2006.

Der Angreifer kam offenbar von hinten. Die Kollegen des Soldaten, die vor ihm gingen, hätten nicht ausreichend Zeit gehabt, zu reagieren, heißt es in dem Bericht. Laut der Zeitung "Le Parisien" handele es sich nach Polizeiangaben bei dem Täter möglicherweise um einen etwa 30-jährigen Mann nordafrikanischer Herkunft. Der bärtige Mann habe eine schwarze Jacke und eine helle Dschellaba getragen. Nach Angaben einer Sprecherin der Verkehrsbetriebe RATP ereignete sich die Tat in dem belebten Geschäftsviertel La Défense am frühen Abend. Der verletzte Soldat wurde laut Angaben aus Polizeikreisen zunächst vor Ort von der Feuerwehr versorgt, bevor er ins Krankenhaus gebracht wurde.

In London war am Mittwochnachmittag der 25-jährige Soldat Lee Rigby im Stadtteil Woolwich vor einer Kaserne auf offener Straße brutal ermordet worden. Der mutmaßliche Täter Michael Adebolajo sagte anschließend Passanten, er habe den Soldaten als Vergeltung für die Tötung von Muslimen ermordet. Adebolajo und der ebenfalls nigerianischstämmige Michael Adebowale wurden von der Polizei angeschossen und festgenommen. Der britische Premierminister David Cameron sprach von einer terroristischen Handlung.

bos/AFP

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chris_st 25.05.2013
1. Wie lange noch?
Was müssen wir noch alles ertragen? Inzwischen praktisch wöchentlich Mord und Totschlag. Hört das nochmal auf?
humbert82 25.05.2013
2. Einzelfall™
Wie immer...
kdshp 25.05.2013
3. Der Angreifer
Zitat von sysopAP/dpaDie Tat ähnelt dem Messerangriff von London: In Paris ist ein Militärangehöriger mit einem Cutter am Hals verletzt worden. Der Angreifer ist flüchtig. Laut Frankreichs Verteidigungsminister Le Drian wollte er den 23-Jährigen töten - "weil der ein Soldat ist". http://www.spiegel.de/politik/ausland/franzoesischer-soldat-in-paris-mit-messer-verletzt-a-901910.html
ES scheint als wenn die terroristen hier eine neue und wohl leider auch erfolgreiche terror strategie gefunden haben. Jeder soldat der am kampf gegen den terror teilnimmt (oder auch nicht) muss jetzt damit rechnen getötet zu werden. Hier bei uns laufen einige soldaten in uniform rum wenn sie einkaufen gehen und sind also als solche auch driekt erkennbar. Bin mal gespannt ob das jetzt weniger werden.
c.heinemann 25.05.2013
4. ...Hollande spinnt...
er weiss genau dass keine zusammenhaenge gesucht werden,solche attacken werden immer einzelne Agressionen, extremisten brauchen keine Zusammenhaenge,diese agression heute in Paris steht sehr wohl in zusammenhang mit dem feigen Mord in London und wenn es nur den Nachahmungseffect hatte.Wir werden niemals mehr sicher sein von solchen Angriffen,es wird endlich Zeit dass die muslimische Kirche auch dazu Stellung bezieht,denn ihr bisheriges Schweigen koennte man vielfaeltig deuten.
Kurt2.1 25.05.2013
5. #3
Zitat von kdshpES scheint als wenn die terroristen hier eine neue und wohl leider auch erfolgreiche terror strategie gefunden haben. Jeder soldat der am kampf gegen den terror teilnimmt (oder auch nicht) muss jetzt damit rechnen getötet zu werden. Hier bei uns laufen einige soldaten in uniform rum wenn sie einkaufen gehen und sind also als solche auch driekt erkennbar. Bin mal gespannt ob das jetzt weniger werden.
Eher sollten wir alle Uniformen anziehen.
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