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Einsätze in Afrika Ein schwarzer Tag für Frankreich

Die Regierung in Paris muss gleich mehrere düstere Nachrichten verkraften: Bei dem gerade begonnenen Einsatz in Mali starb ein französischer Soldat und in Somalia entwickelte sich die misslungene Befreiung einer Geisel zu einem Blutbad. Präsident Hollande berief den nationalen Verteidigungsrat ein.

Paris - In François Hollandes Terminkalender stand für diesen Samstag ein Termin der eher leichteren Art. Der französische Präsident wollte in Marseille den Auftakt zum Jahr als Europas Kulturhauptstadt 2013 feiern. Doch daraus wird nichts. Stattdessen muss sich Hollande mit Krieg, Tod, Entführung befassen.

Angesichts der Lage in Mali und Somalia berief der französische Präsident für Samstagnachmittag den nationalen Verteidigungsrat ein. In beiden Ländern gab es französische Opfer bei Militäroperationen.

  • In Mali musste die französische Armee bereits den ersten Toten hinnehmen. Bei den Kämpfen gegen die Islamisten in Mali wurde laut Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian ein Pilot getötet. Mehrere Kampfhubschrauber hätten eine "terroristische Kolonne" im Süden des Landes attackiert und gestoppt, berichtete Le Drian am Samstag. Es habe "intensive Kämpfe" gegeben.
  • In Somalia ging die Befreiung einer französischen Geisel vollkommen daneben. Der seit mehr als drei Jahren von Islamisten festgehaltene französische Agent Denis Allex wurde dabei wahrscheinlich getötet, wie die Regierung in Paris bekannt gab. Zudem sei ein Soldat ums Leben gekommen, einer weiterer wird vermisst, auch 17 somalische Kämpfer starben. Die somalischen Islamisten behaupten nun ihrerseits, Allex sei noch am Leben und zudem hätten sie noch einen weiteren Franzosen in ihre Gewalt gebracht.

Beide Ereignisse hätten nichts miteinander zu tun, betonte die französische Regierung. Zwischen der Mali-Intervention und der versuchten Geiselbefreiung gebe es keinerlei Verbindungen. Dennoch dürften die Ereignisse dieses Tages Präsident Hollande in Bedrängnis bringen. In Frankreich war befürchtet worden, dass ein Vorgehen gegen al-Qaida-Gruppen in Mali französische Geiseln in mehreren Ländern in Afrika in Gefahr bringen könnte.

Hunderte Franzosen im Einsatz

Mit wachsender Unterstützung aus dem Ausland treibt Mali seinen Kampf gegen islamistische Rebellen nun voran. Frankreich setzte nach eigenen Angaben seine Luftangriffe in dem westafrikanischen Land auch am Samstag fort und schickte Soldaten in die Hauptstadt Bamako. Inzwischen schickten auch Nigeria und der Senegal Unterstützung.

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Mali: Der Kampf gegen die Islamisten

Foto: LIONEL BONAVENTURE/ AFP

Frankreich hatte den Einsatz am Freitag begonnen, um den Vorstoß der mit al-Qaida verbundenen Aufständischen in Richtung Hauptstadt zu stoppen. Insgesamt seien Hunderte französische Soldaten an dem Einsatz beteiligt, sagte der französische Verteidigungsminister. Zunächst war von Dutzenden die Rede gewesen.

Mit französischer Unterstützung eroberten die Streitkräfte Malis bereits die strategisch wichtige Stadt Konna im Norden des Landes zurück.

Am Samstag habe die Luftwaffe eine Gruppe Aufständischer ins Visier genommen, die auf dem Vormarsch auf die Stadt Mopti waren. Mit der Militärunterstützung Frankreichs rückten die Regierungstruppen wieder in Konna ein, sagte ein Armeesprecher. Die Stadt war erst am Vortag von Aufständischen besetzt worden. Die US-Regierung erwägt inzwischen, das französische Militär mit Logistik und Drohnen zu unterstützen.

Ecowas greift ein

Zum Beginn der Woche bekommen die Streitkräfte Malis mehr Hilfe aus der Region: Ecowas-Truppen würden spätestens von Montag an in Mali eintreffen, teilte die Organisation mit. Das Mandat zur Stationierung sei am Freitag unterzeichnet worden, erklärte die Regierung der Elfenbeinküste. Sie hält derzeit turnusgemäß den Ecowas-Vorsitz.

Das Bündnis hat sich seit Monaten um internationale Unterstützung für einen Einsatz in Mali bemüht, um die seit April andauernde Herrschaft der Islamisten im Norden des Landes zu brechen. Die Region wird von mehreren verbündeten Gruppen kontrolliert.

Die Franzosen entschlossen sich zu ihrem Einsatz, als die Aufständischen zuletzt die Stadt Sevare einzunehmen drohten - ein Militärstützpunkt, von dem aus die 500 Kilometer südlich gelegene Hauptstadt Bamako erreichbar ist.

Derzeit leben rund 6000 Franzosen in der früheren Kolonie in Westafrika, sieben von ihnen befinden sich in der Gewalt von Entführern. Jeder wisse um die "Brutalität und den Fanatismus" der Islamisten im Norden des Landes, sagte Hollande. Der Einsatz finde im "internationalen rechtlichen Rahmen" statt, also gemäß der Uno-Resolutionen.

ler/Reuters/dpa/dapd
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