Jahrelanger Hausarrest Frau des Nobelpreisträgers Liu klagt Chinas Staatschef an

Ihr Mann sitzt seit Jahren im Gefängnis, sie selbst steht unter Hausarrest. In einem offenen Brief an Staatschef Xi Jinping hat sich die Frau von Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo jetzt beschwert: Sie habe ihre Freiheit "komplett verloren", beklagt sich Liu Xia.

AP

Peking - Der Brief ist handgeschrieben: Die Frau des inhaftierten Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo hat sich bei Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping beschwert und erhebt schwere Vorwürfe gegen die Regierung. "Ich habe seit Oktober 2010 meine Freiheit komplett verloren, und niemand hat mir die Gründe für meinen Hausarrest gesagt", klagt Liu in dem Schreiben. "Vielleicht ist es ein Verbrechen, die Frau von Liu Xiaobo zu sein."

Trotz weltweiter Proteste ist der Friedensnobelpreisträger in einem Gefängnis in Nordostchina inhaftiert. Er war 2009 zu elf Jahren Haft verurteilt worden. Ihm wurde damals "Untergrabung der Staatsgewalt" angelastet. 2010 verlieh das Nobelkomitee dem Mitverfasser der "Charta 08" für Demokratie und Menschenrechte in China dann den Friedensnobelpreis. Seit der Vergabe des Preises 2010 an ihren Mann wird Liu Xia in ihrer Pekinger Wohnung unter Hausarrest gehalten.

Sie wünsche sich von einem Rechtsstaat Gerechtigkeit und "nicht rücksichtslose Unterdrückung, die auf Gewalt basiert", heißt es in dem Schreiben weiter. Als neuer Staats- und Parteichef hatte Xi euphorisch zu einem "chinesischen Traum" zur Verwirklichung einer starken und wohlhabenden Nation aufgerufen. Aufgrund ihrer Erfahrungen sei der von Xi angekündigte chinesische Traum zu einem "Alptraum" geworden, schreibt Liu Xia an Xi Jinping.

Liu Xias Anwalt Shang Baojun stellte den Beschwerdebrief zunächst ins Internet. "Ich habe ihn noch nicht an Behörden weitergeleitet, sondern direkt hochgeladen", sagte er der Nachrichtenagentur dpa. Das Schreiben ist auf Mittwoch datiert.

Am Sonntag hatte ein Gericht in Peking Liu Xias Bruder zu elf Jahren Haft verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte ihm Betrug vorgeworfen. Freunde sprechen jedoch von einer Vergeltungsaktion gegen die Familie. "Ich bin der Meinung, dass das Urteil gegen meinen Bruder unfair war", schreibt Liu Xia.

als/dpa/Reuters

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vantast64 14.06.2013
1. Xi Jinping hat Angst vor einem Künstler und seiner Frau
Da fragt man sich doch, ist das überhaupt ein richtiger Mann? Oder bloß ein Angsthase, der die Hosen voll hat vor Menschen mit anderer Meinung?
laolu 15.06.2013
2. Ja, vantast, da haben Sie die Dissidenten
Zitat von vantast64Da fragt man sich doch, ist das überhaupt ein richtiger Mann? Oder bloß ein Angsthase, der die Hosen voll hat vor Menschen mit anderer Meinung?
jetzt aber gründlich durcheinandergekriegt. Der Künstler war Ai Weiwei (wenigstens betrachtet er sich als ein solcher) und Liu Xia ist die Frau von Liu Xiaobo, aber der ist kein Künstler. Und ob Xi Jinping Angst vor einem der Aufgeführten hat, glaube ich eigentlich eher nicht.
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