Freigelassener Kreml-Gegner Chodorkowski in Berlin gelandet
- • Putins Gnadenerlass: Kreml-Gegner Chodorkowski ist frei
- • Erklärung von Chodorkowski: "Mein besonderer Dank gilt Hans-Dietrich Genscher"
Moskau/Hamburg - Der Kreml-Gegner Michail Chodorkowski ist in Berlin auf dem Flughafen Schönefeld gelandet. Nach seiner Entlassung aus dem Straflager Segescha kam er am Freitagnachmittag um 15.08 Uhr mit einem Cessna-Privatjet aus St. Petersburg an.
Auf dem Flughafen wurde der 50-Jährige von Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) abgeholt. Er hatte sich bei der Organisation des Flugzeugs engagiert. Chodorkowski geht es laut Genscher den Umständen entsprechend gut. "Er ist erschöpft, aber sehr glücklich, endlich in Freiheit zu sein", sagte der ehemalige Außenminister SPIEGEL ONLINE.
Aus dem Hintergrund war Chodorkowskis Stimme zu hören, der am Telefon mit Verwandten und Freunden telefonierte. Genscher bat um Verständnis, dass sich der gerade erst freigelassene Chodorkowski nun erst mal ausruhen müsse. Deswegen wolle er sich zunächst zurückziehen. Offenbar ist er im Berliner Hotel Adlon abgestiegen.
Mutter kommt nach Deutschland
Schon morgen werde die Mutter des Kreml-Kritikers nach Berlin kommen, um ihren Sohn nach zehn Haftjahren wiederzusehen. In der Hektik der Freilassung sei Chodorkowski erst gar nicht klar gewesen, dass sie nicht mehr in Berlin ist, sondern schon nach Moskau zurückgekehrt war, sagte Genscher.
Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE hatte sich seine Mutter Marina mehrere Monate in einer Berliner Klinik wegen eines Krebsleidens betreuen lassen. Sie wurde allerdings am 11. Dezember entlassen. Danach kehrte sie nach Moskau zurück, was ihr Sohn nicht wusste.
Der frühere Ölmilliardär habe darum gebeten, nach Berlin zu reisen, weil in Deutschland seine an Krebs erkrankte Mutter behandelt werde. "Seiner Bitte wurde entsprochen", hieß es in Moskau.
Auch Chodorkowskis Mutter wurde von den Ereignissen überrascht. "Wir wissen gar nichts, wir wissen nicht ob und wohin wir fliegen sollten", sagte sie der Nachrichtenagentur Reuters am Telefon in einer ersten Stellungnahme.
"Ich denke ständig an die, die noch im Gefängnis sitzen"
In einer schriftlichen Stellungnahme betonte Chodorkowski, dass er im Gegenzug für die Amnestie keine Schuld eingestanden habe: "Die Frage eines Schuldeingeständnisses wurde nicht aufgeworfen." Zuvor hatte es darüber Spekulationen gegeben. Um seine Begnadigung habe er aufgrund seiner familiären Situation bereits in einem Brief am 12. November gebeten, so Chodorkowski in der Erklärung. "In Gedanken bin ich ständig bei denen, die weiterhin in Haft leben", schreibt der 50-Jährige. Damit meint er seinen ehemaligen Geschäftspartner Platon Lebedew.
Chodorkowski bedankte sich bei seinen Unterstützern, die ihm und seiner Familie in den vergangenen Jahren während seiner Haftzeit zur Seite gestanden hätten. Ausdrücklich erwähnte er Ex-Außenminister Genscher, dem er "für seine persönliche Anteilnahme" an seinem Schicksal dankte.
Dieser ließ ebenfalls eine Mitteilung verbreiten. In dieser bezeichnet er die Entscheidung des russischen Präsidenten Wladimir Putin, Chodorkowski freizulassen, als "bedeutsam und ermutigend auch für andere Fälle". Genscher dankte dem Staatschef, dass er ihn zweimal empfange habe, um über Chodorkowskis Schicksal zu sprechen. Er habe das aus humanitären Gründen geholfen, so Genscher.
Erst einmal eine Nacht ausschlafen
Bei der Ankunft des Kreml-Kritikers auf dem Flughafen war auch die Bundespolizei vor Ort. Chodorkowski erhielt von den Beamten eine vom Land Berlin ausgestellte Einreisegenehmigung. Mit dieser kann Chodorkowski ein Jahr lang im Schengen-Raum reisen.
Das Auswärtige Amt hatte ebenfalls einen Diplomaten zum Flughafen geschickt, der dem Kreml-Gegner bei der Einreise half und ihn weiter betreut. Nun werde man abwarten, was er selber wolle, hieß es von den deutschen Behörden. Chodorkowski könne sowohl zunächst in Berlin bleiben oder auch weiterreisen. Nach den Jahren im Straflager, so ein Beamter in Berlin, wolle er sich aber vielleicht erst einmal eine Nacht ausschlafen. Die deutsche Botschaft in Moskau hatte dem begnadigten Kreml-Gegner unbürokratisch geholfen.
Am Freitagmorgen hatte Russlands Präsident die Begnadigungsurkunde für Chodorkowski unterschrieben. Auf Grundlage der Prinzipien der Humanität befreie er ihn von seiner weiteren Haftstrafe, hieß es in dem veröffentlichten Erlass Putins. Kurz darauf hatte Chodorkowski nach mehr als zehn Jahren Haft das Straflager verlassen. Eigentlich hätte er das Gefangenenlager in Karelien erst im August 2014 verlassen dürfen.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) begrüßte die Freilassung von Chodorkowski.
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Der von Wladimir Putin begnadigte und freigelassene Kreml-Gegner Michail Chodorkowski ist auf dem Flughafen Berlin-Schönefeld von Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) in Empfang genommen worden.
Ein Mercedes-Transporter brachte die beiden in die Innenstadt.
Chodorkowski stieg offenbar im Berliner Hotel Adlon am Brandenburger Tor ab. Genscher verließ das Hotel am frühen Abend.
Genscher vor dem Adlon: In einer Mitteilung bezeichnete der Ex-Außenminister die Entscheidung des russischen Präsidenten Wladimir Putin, Chodorkowski freizulassen, als "bedeutsam und ermutigend auch für andere Fälle". Der Liberale dankte dem Staatschef, dass er ihn zweimal empfangen habe, um über Chodorkowskis Schicksal zu sprechen.
Der Kreml-Gegner landete am Freitagnachmittag in einem Cessna-Privatjet aus St. Petersburg kommend. Bundespolizisten und ein Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes nahmen den einstigen Ölmagnaten in Empfang.
Ein Hubschrauber hebt in der Nähe der russischen Strafkolonie Segescha ab. Chodorkowski reiste nach Berlin.
Russlands prominentester Gefangener ist frei: Kreml-Kritiker Chodorkowski ist am Freitag aus dem Gefangenenlager Segescha entlassen worden.
Die Freilassung folgt direkt auf die Begnadigung durch Wladimir Putin. Das meldete die russische Nachrichtenagentur Interfax unter Berufung auf Sicherheitskreise.
Der russische Präsident hatte am Donnerstag überraschend von einem Gnadengesuch Chodorkowskis gesprochen. Geheimdienstmitarbeiter hätten sich mit Chodorkowski im Straflager getroffen, berichtete die Zeitung "Kommersant". So wurde der Gnadenakt auf den Weg gebracht.
Am Freitagmorgen hatte Putin die Begnadigungsurkunde für Chodorkowski unterschrieben. Auf Grundlage der Prinzipien der Humanität befreie er den 50-Jährigen von seiner weiteren Haftstrafe, hieß es in dem veröffentlichten Erlass Putins.
Der frühere Chef des inzwischen zerschlagenen Ölkonzerns Jukos war 2003 festgenommen worden. Das Bild zeigt Chodorkowski 2003 bei seiner Rückkehr von einer USA-Reise.
2005 wurde Chodorkowski zusammen mit seinem Geschäftspartner Platon Lebedew wegen Betrugs und Steuerhinterziehung verurteilt. Auf dem Foto: Chodorkowski und Lebedew im August 2004 hinter Gittern.
In einem weiteren Prozess wegen Betrugs wurden Chodorkowski und Lebedew Ende 2010 noch einmal zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt. Seitdem wurde das Strafmaß um mehrere Jahre verringert.
Die Anschuldigungen gegen Chodorkowski wurden international als politisch motiviert kritisiert. Immer wieder wurde gegen seine Haft protestiert. Auch 2010 versammelten sich Demonstranten vor dem Gerichtsgebäude.
Putin schildert, Chodorkowski habe ein Gnadengesuch gestellt, da seine Mutter erkrankt sei. Chodorkowskis Anwälte gaben hingegen an, keine Kenntnis von dem Gnadengesuch zu haben. Die Mutter des Häftlings sagte der Nachrichtenagentur Interfax, auch sie wisse nichts davon. Chodorkowski hatte es bisher immer abgelehnt, um Begnadigung zu bitten, weil er ein Schuldeingeständnis vermeiden wollte. Am Abend dann erklärte das Büro Chodorkowskis, er habe am 12. November den Präsidenten der Russischen Föderation "aufgrund meiner familiären Situation gebeten, mich zu begnadigen, und ich bin froh, dass seine Entscheidung positiv ausgefallen ist. Die Frage eines Schuldeingeständnisses wurde nicht aufgeworfen." Das Bild zeigt Chodorkowskis Eltern Boris und Marina beim Obersten Gerichtshof.
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