Freitagsproteste in Syrien Sicherheitskräfte töten mehrere Demonstranten

Die Opposition ruft zum "Tag der Märtyrer" auf - und muss erneut Tote beklagen: In Syrien haben Sicherheitskräfte laut Augenzeugen mehrere Demonstranten erschossen. In verschiedenen Städten schlossen sich Tausende den Protesten gegen das Regime an.

Demonstration nach Freitagsgebet in Kamischli im Nordwesten Syriens: "Tag der Märtyrer"
AFP

Demonstration nach Freitagsgebet in Kamischli im Nordwesten Syriens: "Tag der Märtyrer"


Damaskus - Die Protestkundgebungen in Syrien verlaufen blutig: Sicherheitskräfte eröffneten am Freitag das Feuer auf Demonstranten, mehrere Menschen wurden getötet. Im ganzen Land fanden Kundgebungen gegen die regierende Baath-Partei und Präsident Baschar al-Assad statt, an denen sich Tausende beteiligten. Aktivisten hatten landesweit zu einem "Tag der Märtyrer" aufgerufen, um den mindestens 70 Menschen zu gedenken, die seit Beginn der Proteste vor zwei Wochen von den Sicherheitskräften getötet wurden.

Augenzeugen berichten von mindestens drei Toten in einem Vorort der Hauptstadt Damaskus. Die Opfer hätten mit mindestens 2000 weiteren Demonstranten auf einem Platz in Duma protestiert und "Freiheit, Freiheit, das syrische Volk ist eins" gerufen. Daraufhin eröffnete die Polizei das Feuer, um die Menge auseinanderzutreiben. Dem Sender al-Arabija sagte ein Augenzeuge, es seien vier Menschen ums Leben gekommen, zudem gebe es zahlreiche Verletzte. Nach Angaben von Oppositionellen sollen auch in Al-Sanamien südlich von Damaskus fünf Menschen erschossen worden sein.

In der Stadt Daraa im Süden Syriens sollen 5000 Menschen gegen das Regime auf die Straße gegangen sein. Der Demonstrationszug wurde von der Polizei streng überwacht. Die staatliche syrische Nachrichtenagentur bestätigte Versammlungen in Daraa und Latakia - dort hätten Demonstranten raschere Reformen verlangt. Ansonsten herrsche in Syrien jedoch Ruhe.

Präsident Baschar al-Assad hatte am Mittwoch die Massenproteste gegen ihn als Verschwörung des Auslands bezeichnet. Den Ausnahmezustand, der seit beinahe 50 Jahren herrscht, hob er entgegen der Erwartungen nicht auf.

fdi/Reuters/dpa/dapd

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CAJ, 01.04.2011
1. Freitagsgebet
Zitat von sysopDie Opposition ruft zum "Tag der Märtyrer" auf - und muss erneut Tote beklagen: In Syrien haben Sicherheitskräfte laut Augenzeugen mehrere Demonstranten erschossen. In verschiedenen Städten schlossen sich Tausende den Protesten gegen das Regime an. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,754584,00.html
Gilt eigentlich die Tatsache das die "Proteste" in Arabien immer nach dem Freitagsgebet losgehen, als Beweis dafür das niemals nicht die Islamisten hinter den Forderungen nach Freiheit usw. stehen ? Kann sich eigentlich keiner unserer Medienmacher vorstellen/informieren wie die "Freiheit" aussieht die Islamisten (für sich) fordern ? Und wie es dann dem Rest ergeht ? Hat keiner bisher mal nachgesehen was aus der Freiheitsbewegung im Iran nach dem Sturz des Schahs geworden ist ?
Centurio X 01.04.2011
2. Sowohl in Tunesien als auch in Ägypten hat sich gleiches abgespielt.
Zitat von CAJGilt eigentlich die Tatsache das die "Proteste" in Arabien immer nach dem Freitagsgebet losgehen, als Beweis dafür das niemals nicht die Islamisten hinter den Forderungen nach Freiheit usw. stehen ? Kann sich eigentlich keiner unserer Medienmacher vorstellen/informieren wie die "Freiheit" aussieht die Islamisten (für sich) fordern ? Und wie es dann dem Rest ergeht ? Hat keiner bisher mal nachgesehen was aus der Freiheitsbewegung im Iran nach dem Sturz des Schahs geworden ist ?
Immer nach den Freitagsgebeten kamen die machtvollen Demonstrationen zustande. Und so wie es aussieht, spielen die Islamisten dort wenn überhaupt doch dann nur eine Statistenrolle. Das Beispiel Iran 1979 gab mir, als die Demonstationen in Tunesien begannen auch zu denken und ich war auch skeptisch. Mittlerweile gehe ich davon aus, daß der religiöse Extremismus bei den jungen Arabern keine treibende Kraft mehr ist.
BKS 01.04.2011
3. Syrien
Wir waren zu einer Rundreise in Syrien vom 20.3. bis zum 30.3. und haben nur Jubelperser gesehen und allein über die Fernsehnachrichten von den Protestierern und Ausschreitungen gehört. Diese wurden wie wir selbst auf dem Weg nach Palmyra gesehen haben teilweise auf Militärlastern aus den Kasernen in der syrischen Wüste in die Städte gebracht um Assad zu huldigen. Allerdings haben wir z. B. vor der Omayadenmoschee Aleppo am letzten Freitag nach dem Mittagsgebet scheinbar durch solche Beamte verhaftete Passanten gesehen. Die Moschee wurde nach dem Gebet mittags um 13.00h aus Sicherheitsgründen geschlossen und wir standen mit unserem Guide vor verschlossenen Türen. Bei 20 Millionen Einwohnern Syriens gibt es rund 200.000 Geheimdienstmitarbeiter. Tausende sitzen in deren Gefängnissen ohne Anklage oder Verteidigungsmöglichkeiten. Der jüngere Bruder des Präsidenten ist als Kommandeur einer Armeedivision wohl der Scharfmacher und dürfte nicht mehr von seinem älteren Bruder zu kontrollieren sein. Es fehlen Hintergrundberichte und eingehendere Analysen in der deutschen Presse. Frankreich hat eine Sicherheitswarnung für einige Städte herausgegeben! Was tut das AA? Es sollte z.B. dringend ein Waffenembargo beschlossen werden und Rüstungsexporte eingestellt werden.
CAJ, 01.04.2011
4. ?????
Zitat von BKSWir waren zu einer Rundreise in Syrien vom 20.3. bis zum 30.3. und haben nur Jubelperser gesehen und allein über die Fernsehnachrichten von den Protestierern und Ausschreitungen gehört. Diese wurden wie wir selbst auf dem Weg nach Palmyra gesehen haben teilweise auf Militärlastern aus den Kasernen in der syrischen Wüste in die Städte gebracht um Assad zu huldigen. Allerdings haben wir z. B. vor der Omayadenmoschee Aleppo am letzten Freitag nach dem Mittagsgebet scheinbar durch solche Beamte verhaftete Passanten gesehen. Die Moschee wurde nach dem Gebet mittags um 13.00h aus Sicherheitsgründen geschlossen und wir standen mit unserem Guide vor verschlossenen Türen. Bei 20 Millionen Einwohnern Syriens gibt es rund 200.000 Geheimdienstmitarbeiter. Tausende sitzen in deren Gefängnissen ohne Anklage oder Verteidigungsmöglichkeiten. Der jüngere Bruder des Präsidenten ist als Kommandeur einer Armeedivision wohl der Scharfmacher und dürfte nicht mehr von seinem älteren Bruder zu kontrollieren sein. Es fehlen Hintergrundberichte und eingehendere Analysen in der deutschen Presse. Frankreich hat eine Sicherheitswarnung für einige Städte herausgegeben! Was tut das AA? Es sollte z.B. dringend ein Waffenembargo beschlossen werden und Rüstungsexporte eingestellt werden.
Welche Rüstungsexporte einstellen ? Hoffe doch, das wir Syrien auch bisher keine Waffen geliefert haben. Und ein Embargo ? Wer soll das durchsetzen/überwachen ? Die gleichen die so toll das Waffenembargo gegen die Hisbolah überwacht haben ? Die Hisbolah hat jetzt 4mal soviel Raketen als vor dem Krieg gegen Israel (Und die libanesische Armee wird jetzt auch genau von der Hisbolah kontroliert, die eigentlich genau von dieser Armee entwaffnet hätte werden müssen.) Kurzum: Sie überschätzen die deutschen Möglichkeiten, genauso wie unsere Politiker, die haben Israel ja auch versprochen die Wiederbewaffnung der Hisbolah zu verhindern.
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