Friedensangebot Olmert geht auf Palästinenser zu

Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert hat den Palästinensern für wahren Frieden einen unabhängigen Staat in Aussicht gestellt. Er bot außerdem an, eine Großzahl von Häftlingen freizulassen - im Austausch gegen einen israelischen Soldaten.


Jerusalem - Israel sei zu diesem Schritt bereit, wenn palästinensische Extremisten ihre israelische Geisel, den Soldaten Gilad Schalit, freiließen, sagte Olmert am Grab des ehemaligen israelischen Ministerpräsidenten David Ben Gurion in der Negev-Wüste. "Mit Schalits Freilassung und seiner sicheren Heimkehr ist die israelische Regierung bereit, viele palästinensische Häftlinge freizulassen, auch solche, die zu langjährigen Haftstrafen verurteilt wurden", so der israelische Ministerpräsident.

Premierminister Olmert: Zugeständnisse für "wahren Frieden"
REUTERS

Premierminister Olmert: Zugeständnisse für "wahren Frieden"

Schalit wurde Ende Juni an der Grenze zum Gaza-Streifen entführt. Auf die Entführung antwortete Israel mit mehreren Großoffensiven im Gaza-Streifen. Zwei Wochen später nahm die südlibanesische Hisbollah zwei weitere israelische Soldaten als Geisel, was einen fünfwöchigen Krieg im Libanon zur Folge hatte.

Palästinenische Extremistengruppen haben einen Gefangenenaustausch zur Bedingung für die Freilassung des Soldaten gemacht.

Olmert sagte, die Palästinenser stünden an einer entscheidenden Wegkreuzung: Sie könnten den Weg in den Frieden oder den Weg in weitere Gewalt wählen. Für einen "wahren Frieden" sei Israel bereit, Siedlungen aufzugeben und den Palästinensern Gebiete zu überlassen. Ein unabhängiger Palästinenser-Staat in der Westbank und im Gaza-Streifen könne nach Friedensgesprächen Wirklichkeit werden.

Im Gaza-Streifen ist seit knapp 24 Stunden eine Waffenruhe in Kraft. Sie wurde weitgehend eingehalten. Kurz nach Inkrafttreten hatten militante Palästinenser im Gaza-Streifen noch weitere Raketen auf das israelische Grenzgebiet abgefeuert. Im Westjordanland töteten israelische Soldaten zwei Palästinenser. Nach palästinensischen Angaben handelte es sich um eine 56-jährige Frau sowie einen militanten jungen Mann. Ein Sprecher der israelischen Armee teilte mit, die Truppen hätten bei einem Einsatz in Kabatia einen bewaffneten Palästinenser erschossen.

Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hatten sich telefonisch auf die Waffenruhe verständigt, nachdem die militanten Palästinensergruppen die Einstellung des Raketenbeschusses zugesagt hatten.

jaf/AP/AFP/rtr/dpa

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.