Friedensdiplomatie Fischer in Saudi-Arabien eingetroffen

Die Zukunft Afghanistans soll im Mittelpunkt von Gesprächen stehen, die Joschka Fischer in Saudi-Arabien und im Iran führen will. Beide Staaten spielen bei den Bemühungen um eine neue afghanische Regierung und die Stabilität der Allianz gegen den Terror Schlüsselrollen.


Reisender in Sachen Frieden: Außenminister Joschka Fischer
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Reisender in Sachen Frieden: Außenminister Joschka Fischer

Riad - Es ist der zweite Teil jener Friedensmission, die der deutsche Außenminister in der vergangenen Woche in den Nachbarländern Pakistan und Tadschikistan begonnen hatte.

"Die Situation im Nahen Osten ist sehr, sehr schwierig", sagte der Minister vor seiner Landung am Montagabend in Riad. Weitere Stationen bis Freitag sind Iran, Israel und die palästinensischen Autonomiegebiete. Bei einem Zwischenstopp am Mittwoch in Paris will Fischer dem deutsch-französischen Gipfel Bericht erstatten.

Ende der Woche hatte Fischer Pakistan und Tadschikistan besucht. Die beiden Nachbarländer Afghanistans sollen deutsche Hilfe erhalten. Bundeskanzler Gerhard Schröder wird kommende Woche mit Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul in Pakistan erwartet. Wie es heißt, sollen Pakistan Erleichterungen bei der Rückzahlung von Auslandsschulden gewährt werden. Tadschikistan wird laut Besuchsergebnis erstmals in die deutsche Entwicklungszusammenarbeit aufgenommen.

Die internationale Gemeinschaft sucht derzeit nach einer stabilen Lösung für Afghanistan für die Zeit nach dem Krieg zwischen den Taliban und den USA. Die Verbündeten werfen den radikalen Islamisten vor, den moslemischen Extremisten Osama Bin Laden zu unterstützen, den sie für die Anschläge vom 11. September in New York und Washington verantwortlich machen.



EU will innerafghanische Lösung

Die Europäische Union fordert für Afghanistan eine "innerafghanische Lösung", an der die verschiedenen Volksgruppen beteiligt sind und die die Interessen der Nachbarländer berücksichtigen soll. Dabei sollen der ehemalige König Zahir Schah und die Vereinten Nationen eine Rolle spielen.

Umstritten ist, ob moderate Vertreter der Taliban, wie von Pakistan gefordert, einbezogen werden. Bei ihnen handelt es sich um Paschtunen, die mit 40 Prozent die größte Volksgruppe stellen. Unklar ist auch die künftige Rolle der oppositionellen Nordallianz, die vor allem aus ethnischen Minderheiten besteht. Fischer reist zunächst in die saudiarabische Hauptstadt Riad. Die saudiarabische Führung steht wegen ihrer Unterstützung für die internationale Allianz und wegen der Präsenz von US-Truppen in ihrem Land unter innenpolitischem Druck. Die Stabilität des Landes und der gesamten ölreichen arabischen Halbinsel gilt als zentrales Ziel der amerikanischen und westlichen Politik in der Region.

Die iranische Führung, mit der Fischer am Dienstag und Mittwoch sprechen will, hat zwar die Anschläge in den USA verurteilt. Sie lehnt aber auch die amerikanischen Angriffe auf das Nachbarland Afghanistan ab. Die Zusage, notfalls US-Piloten zu helfen, die in Iran abstürzen oder landen müssen, gilt als versöhnliches Signal an die bislang als Erzfeind verteufelten USA.

Da beide Länder keine diplomatischen Beziehungen unterhalten, könnte der deutsche Außenminister wegen der traditionell guten Beziehungen zum Iran eine Brücke zwischen der Allianz und der Führung in Teheran bilden. Iran unterstützt im Afghanistan-Konflikt die Nordallianz und lehnt eine Einbeziehung der Taliban ab.



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