Äthiopischer Premier Abiy Ahmed mit Friedensnobelpreis ausgezeichnet

Das Komitee in Oslo hat entschieden: Äthiopiens Regierungschef Abiy Ahmed wird für die Aussöhnung mit dem langjährigen Erzfeind Eritrea mit dem Friedensnobelpreis geehrt.
Äthiopiens Regierungschef Abiy Ahmed

Äthiopiens Regierungschef Abiy Ahmed

Foto: Francisco Seco/ AP

Er schloss Frieden mit dem langjährigen Erzrivalen Eritrea und trat in zahlreichen Konflikten in Ostafrika als Vermittler auf: Abiy Ahmed, seit 2018 Regierungschef in Äthiopien, erhält den Friedensnobelpreis.

In seiner Heimat gilt Abiy als Hoffnungsträger. Seit seinem Amtsantritt vor anderthalb Jahren hat der Regierungschef Tausende Dissidenten freigelassen und korrupte Beamte entlassen. Er steht für einen Neubeginn nach einer langen Phase staatlichen Terrors.

Die Regierung in der Hauptstadt Addis teilte mit, Abiy sei "sehr, sehr glücklich über diese globale Anerkennung. Es sei "ein Sieg für alle Äthiopier, und für unseren Weg zu mehr Wohlstand und eine Ehrung für die Bemühungen um Frieden in der Region", sagte Abiys Sprecherin dem SPIEGEL.

Im Nachbarland Sudan engagierte er sich als Vermittler zwischen dem regierenden Militärrat und Demokratieaktivisten nach dem Sturz des dortigen Machthabers Omar al-Bashir.

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) hat Abiy Ahmed als "herausragende Führungspersönlichkeit Afrikas" gewürdigt. Sein Mut und seine Weitsicht seien "Beispiel und Vorbild weit über Afrika hinaus", teilte Maas über Twitter mit. Unter Verweis auf den Friedensprozess mit dem Nachbarland Eritrea erklärte Maas weiter, Abiy habe in kürzester Zeit Entwicklungen auf den Weg gebracht, die niemand für möglich gehalten habe.

Damit stehen die Nobelpreisträger in den Kategorien Medizin, Physik, Chemie, Literatur und Frieden fest. Am Montag folgt abschließend die Bekanntgabe des Wirtschaftsnobelpreises, der als Einziger nicht auf das Testament des schwedischen Preisstifters und Dynamit-Erfinders Alfred Nobel zurückgeht.

Namen der Kandidaten 50 Jahre lang unter Verschluss

Alle Auszeichnungen sind mit jeweils neun Millionen schwedischen Kronen (rund 830.000 Euro) dotiert und werden an Nobels Todestag, dem 10. Dezember, überreicht. Während alle weiteren Preise in Stockholm verliehen werden, bekommt ihn der Friedensnobelpreisträger traditionell in Oslo. Dort sitzt auch das zuständige norwegische Nobelkomitee, das vom Parlament des Landes ernannt wird.

Die Jury hatte in diesem Jahr die Wahl zwischen 301 Nominierten, unter ihnen 223 Persönlichkeiten und 78 Organisationen. Da die Namen der Kandidaten 50 Jahre lang unter Verschluss gehalten werden, ließ sich über den Preisträger vorab nur spekulieren.

Im vergangenen Jahr erhielten der kongolesische Arzt Denis Mukwege und die irakische Menschenrechtsaktivistin Nadia Murad die Auszeichnung für ihren Kampf gegen sexuelle Gewalt als Kriegswaffe. Die diesjährige Vergabe ist die 100. in der Geschichte des Friedensnobelpreises. Seit der ersten Auszeichnung 1901 gab es in 19 Jahren, vor allem in Kriegs- und Krisenzeiten, keinen Preisträger.

cht/bam/dpa