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Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen Friedensnobelpreis an Ican übergeben

"Jede Sekunde an jedem Tag bedrohen Atomwaffen jeden": Die Anti-Atomwaffen-Kampagne Ican hat in Oslo den Friedensnobelpreis entgegengenommen. Zur Preisverleihung gab es mahnende Worte einer Hiroshima-Überlebenden.

Die Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (Ican) hat den Friedensnobelpreis verliehen bekommen. Ican-Direktorin Beatrice Fihn nahm den Preis bei der feierlichen Zeremonie im Rathaus von Oslo gemeinsam mit einer Überlebenden des Atombombenabwurfs auf Hiroshima, der 85-jährigen Japanerin Setsuko Thurlow, entgegen. Thurlow hielt eine bewegende Ansprache, in der sie an den US-Atombombenangriff auf Hiroshima im August 1945 erinnerte.

"Mit einer Bombe wurde meine geliebte Stadt ausgelöscht. Die meisten ihrer Einwohner waren Zivilisten, die verbrannten, verdampften, verkohlten - unter ihnen Mitglieder meiner eigenen Familie und 351 meiner Schulfreunde", sagte Thurlow. In den folgenden Monaten und Jahren seien Tausende weitere Menschen durch die Strahlungen getötet worden. Thurlow sagte: "Jede Sekunde an jedem Tag bedrohen Atomwaffen jeden, den wir lieben, und alles, was wir wertschätzen. Wir dürfen diesen Irrsinn nicht länger tolerieren."

Die Anti-Atomwaffen-Kämpfer werden ausgezeichnet, weil sie sich bahnbrechend für ein weltweites vertragliches Verbot solcher Waffen einsetzen. Ican wirkte maßgeblich am Uno-Vertrag zum Verbot von Atomwaffen mit, der im Juli unterzeichnet wurde und von 122 Staaten unterstützt wird. Die neun Atommächte und fast alle Nato-Staaten - auch Deutschland - tragen diesen Vertrag allerdings nicht mit.

Thurlow sagte ihnen ganz deutlich: "Alle verantwortungsvollen Anführer werden diesen Vertrag unterzeichnen. Und die Geschichte wird diejenigen hart richten, die ihn ablehnen." Die Entwicklung von Atomwaffen sei kein Zeichen für den Aufstieg eines Landes, sondern für seinen Abstieg "in die dunkelsten Tiefen der Verdorbenheit". Entgegen der Tradition fehlten die drei Atommächte Großbritannien, Frankreich und die USA bei der Preisverleihung in Oslo.

Vor der Zeremonie hatte Ican-Direktorin Fihn vor einer "extrem gefährlichen Situation" in Nordkorea gewarnt. "Wenn Sie besorgt sind, dass Donald Trump Atomwaffen hat oder Kim Jong Un, dann sind Sie vermutlich über Atomwaffen besorgt, weil Sie erkennen, dass Abschreckung nicht immer funktioniert", sagte sie. Trump und Kim seien Menschen, die über "das Ende der Welt" entscheiden könnten.

asc/dpa/AFP
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