Friedensnobelpreis an Kofi Annan "Ein Vorbild für die Menschheit"

Weltweit wurde die Verleihung des diesjährigen Friedensnobelpreises an Generalsekretär Kofi Annan und seine Organisation gelobt. Er selbst spricht von einer großen Ermutigung für die Arbeit der gesamten Vereinten Nationen.


New York/ Berlin - Staats- und Regierungschefs aus aller Welt beglückwünschten Annan zu dem Preis. Bundespräsident Johannes Rau und Bundeskanzler Gerhard Schröder lobten in Gratulationsschreiben seinen unermüdlichen Einsatz und das beispielhafte Wirken. Annan habe "den Vereinten Nationen zu der Rolle verholfen, die sie heute in der Weltpolitik spielen," schrieb Rau. Der Bundespräsident würdigte den Generalsekretär als "Mann der leisen, aber kraftvollen Zwischentöne". Annan sei ein Vorbild für viele Menschen, "die ihre Hoffnungen auf eine friedlichere und gerechtere Welt nicht aufgeben wollen".

Die Uno und der Terrorismus

"Ich habe mich unglaublich gefreut, dass Kofi Annan der Friedenspreis verliehen wurde", sagte Bundeskanzler Gerhard Schröder am Freitag in Berlin. "Wenn jemand auf Grund seiner unglaublichen Leistungen die Auszeichnung verdient hat, dann ist es Annan." Schröder erklärte, der Generalsekretär habe "entscheidende Impulse für die Reform und Stärkung der Vereinten Nationen gegeben".

Der Uno komme gerade in der aktuellen Auseinandersetzung der Staatengemeinschaft mit dem internationalen Terrorismus herausragende Bedeutung zu. Außenminister Joschka Fischer schrieb in einem Telegramm, Annan habe die Uno auf die Herausforderungen des neuen Millenniums vorbereitet und die internationale Staatengemeinschaft in die Pflicht genommen.

Der britische Premierminister Tony Blair schrieb, niemand habe den Preis mehr verdient als die Vereinten Nationen. Mit dem Friedensnobelpreis waren bereits mehrfach Organe und Mitarbeiter der Vereinten Nationen ausgezeichnet worden, nie aber die Organisation als Ganzes.

Auszeichnung für die gesamte Organisation

Lob und Anerkennung kam auch von der Union: Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel schrieb: "Sie (die Vereinten Nationen) sind ein unverzichtbarer Bestandteil unserer Weltordnung und werden dies auch im 21. Jahrhundert bleiben." Für die Grünen meinten die Fraktionsvorsitzenden Kerstin Müller und Rezzo Schlauch, gerade in der jetzigen Situation würden die Vereinten Nationen zu einem noch wichtigeren politischen Akteur. FDP-Chef Guido Westerwelle schrieb, Annan stehe für Menschlichkeit und Friedensbereitschaft.

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat die Verleihung des Friedensnobelpreises an die Vereinten Nationen und ihren Generalsekretär Kofi Annan begrüßt. "Gerade die augenblickliche Weltlage macht deutlich, wie wichtig eine Organisation ist, die sich um das friedliche und solidarische Zusammenleben der Völker bemüht", teilte die EKD mit. Mit der Vergabe des Preises verbinde die EKD die Hoffnung, dass die Völker der Welt die Uno und ihre Organisationen in Zukunft noch mehr unterstützen.

"Für eine friedlichere Welt"

100 Jahre nach der ersten Nobelpreisvergabe 1901 hatte das norwegische Nobelkomitee die Entscheidung mit dem Einsatz der Weltorganisation und ihres Generalsekretärs "für eine friedlichere und besser organisierte Welt" begründet. Seit Ende des Kalten Krieges seien die 1945 gegründeten Uno in der Lage gewesen, ihre Möglichkeiten bei der Förderung von Frieden und Sicherheit weiter zu entfalten."

Komiteechef Gunnar Berge nannte den Preis "auch ein Signal gegen den internationalen Terrorismus" und meinte zur Begründung: "Wir zeichnen die Uno als wirkungsvollstes Instrument zur Bekämpfung von Konflikten überhaupt aus." Er wolle aber nicht zu den aktuellen Ereignissen in Afghanistan und den Terrorangriffen in den USA Stellung beziehen.



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