Friedensnobelpreis Belohnung für den Banker der Armen

Es war eine riesige Überraschung: Der Wirtschaftsfachmann Muhammad Yunus und seine Grameen Bank erhalten den Friedensnobelpreis. Das Komitee begründete seine Entscheidung damit, dass Armutsbekämpfung eine der wichtigsten Aufgaben überhaupt sei.


Oslo - Das Nobelpreiskomitee begründete die Vergabe an Yunus und die Grameen Bank mit deren "Verdienst um die ökonomische und soziale Entwicklung" armer Menschen in Bangladesch und vielen anderen Ländern. Dauerhafter Friede könne nicht erreicht werden, ohne dass große Teile der Bevölkerung Wege aus der Armut fänden. Die Vergabe von Mikrokrediten sei ein Mittel dazu und helfe auch, "Demokratie und Menschenrechte" voranzubringen.

Jubelnder Yunus: Kleinstkredite an die hungernde Bevölkerung
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Jubelnder Yunus: Kleinstkredite an die hungernde Bevölkerung

Der 66-jährige ehemalige Ökonomieprofessor der Universität von Chittagong gründete 1976 die in Bangladeschs Hauptstadt Dhaka ansässige Bank. Diese vergibt Kleinstkredite an die hungerleidende Bevölkerung, ohne Sicherheiten zu fordern.

Nach der Vergabe des Friedensnobelpreises kamen rund um die Bankzentrale in Bangladeschs Dhaka etliche Menschen zu einem spontanen Fest zusammengekommen.

Augenzeugen sagten, es habe rund 30 Minuten gedauert, Yunus durch die Menge hindurch in die Bank zu bringen. "Der ganze Platz ist voll mit Menschen." Yunus sagte, der Anruf, dass er der Preisträger sei, habe ihn zu Hause erreicht. Er sei völlig überrascht über die Entscheidung gewesen. "Der Preis wird mir dabei helfen, meinen Kampf gegen die Armut fortzusetzen." Auf die Frage eines Reporters, ob er nicht eher den Wirtschaftsnobelpreis hätte bekommen müssen, sagte der Ex- Professor: "Frieden und Wirtschaft hängen zusammen. Wenn es Armut gibt, gibt es keinen Frieden."

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigte sich "besonders erfreut" und sprach laut Vize-Regierungssprecher Thomas Steg von einer guten und bemerkenswerten Entscheidung des Komitees in Oslo. Die Vergabe von Kleinstkrediten durch die Grameen Bank bezeichnete Merkel laut Steg als "revolutionäre Idee aus den siebziger Jahren" und "Beispiel für soziales Unternehmertum". Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) reagierte laut einem Sprecher "mit sehr großer Freude". Durch die Arbeit von Yunus und der Grameen Bank werde die Eigenverantwortung der Menschen in der Dritten Welt gestärkt.

Der Fraktionschef der Linkspartei im Bundestag, Gregor Gysi, sagte, Yunus habe bewiesen, dass Geld in der Entwicklungspolitik vor allem sinnvoll sei, "wenn es nicht in Großprojekte fließt, sondern direkt und unbürokratisch den Betroffenen zur Verfügung gestellt wird". Yunus habe mit seiner Bank ein Pilotprojekt entwickelt, das weltweit Nachahmung gefunden habe, "allerdings noch zu begrenzt".

Die Grünen-Vorsitzenden Claudia Roth und Reinhard Bütikofer sprachen von einer "starken Entscheidung" und einem "Signal für die Bekämpfung von Hunger und Armut in der Welt". Die Vergabe sei zudem eine Aufforderung an die internationale Staatengemeinschaft, die Uno-Millenniumsziele zu erfüllen. Diese sehen vor, die Zahl der Hungernden weltweit bis 2015 zu halbieren. Der Leiter des Kinderhilfswerks Unicef in Bangladesch, Louis-Georges Arsenault, würdigte Yunus' Arbeit als Beitrag dazu, "den Status der ärmsten Frauen nachhaltig zu verbessern".

Nominiert für die mit umgerechnet 1,1 Millionen Euro dotierte Auszeichnung waren in diesem Jahr 191 Menschen und Organisationen. Zu den Favoriten zählten der ehemalige finnische Präsident Martti Ahtisaari, die regierungsunabhängige Organisation "International Crisis Group" und die chinesische Bürgerrechtlerin Rebiya Kadeer.

Im vergangenen Jahr war der Friedensnobelpreis zu gleichen Teilen an die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) und ihren Generaldirektor Mohamed ElBaradei gegangen.

als/ddp/dpa



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