Nobelpreis für Aktivisten Gut gewählt

Mit Denis Mukwege und Nadia Murad haben endlich mal die Richtigen den Friedensnobelpreis bekommen. Er ehrt zwei Menschen, die ganz konkret das Leben Zehntausender Menschen gerettet oder verbessert haben.

Denis Mukwege und Nadia Murad
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Denis Mukwege und Nadia Murad

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Das Nobelpreiskomitee in Oslo hat eine sehr gute Wahl getroffen. Nadia Murad und Denis Mukwege haben den Friedensnobelpreis 2018 vollauf verdient. Denn beide haben mit gewaltigem persönlichen Einsatz Großes bewegt. Der kongolesische Arzt Mukwege hat in den vergangenen 20 Jahren mindestens 50.000 vergewaltigte Frauen operiert und vielen von ihnen das Leben gerettet. Die jesidische Aktivistin Murad ist erst den Terroristen des "Islamischen Staats" (IS) entkommen, nun kämpft sie dafür, dass ihre Peiniger zur Rechenschaft gezogen werden und das Schicksal ihres Volkes nicht in Vergessenheit gerät.

Endlich zeichnet das Osloer Komitee Aktivisten aus, die ganz konkret das Leben Zehntausender Menschen gerettet oder verbessert haben. Mukwege und Murad haben anders als der Nobelpreisträger von 2009, Barack Obama, nicht Großes versprochen, sondern Großes geleistet. Sie handeln, anders als die meisten anderen in diesem Jahr hochgehandelten Kandidaten, aus selbstlosen Motiven. Und sie haben, anders als die im Vorjahr ausgezeichnete Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (Ican) tatsächlich schon viel bewegt.

Mukwege und Murad kämpfen gegen den Einsatz sexueller Gewalt als Kriegswaffe. Seit jeher vergewaltigen Soldaten die Frauen von Kriegsgegnern. Doch nach Einschätzung der Vereinten Nationen und anderer Organisationen hat sich das Problem in den vergangenen Jahren dramatisch verschärft. In Ruanda, im ehemaligen Jugoslawien, im Kongo, im Irak, in Syrien und in vielen anderen Kriegsgebieten setzen die Konfliktparteien sexuelle Gewalt gegen Männer und Frauen gezielt als Kriegswaffe ein.

Es ist überfällig, dass das Nobelpreiskomitee mit seiner Ehrung für Mukwege und Murad auf diese dramatische Lage aufmerksam macht.

Noch wichtiger ist aber, dass endlich die Verantwortlichen für den Einsatz sexueller Gewalt zur Rechenschaft gezogen werden. Zwar hat der Uno-Sicherheitsrat schon 2008 mit Verabschiedung von Resolution 1820 sexuelle Gewalt in Konflikten als Straftatbestand definiert - nur musste sich bislang kaum jemand dafür vor Gericht verantworten. So gibt es zwar Hunderttausende Opfer sexuelle Gewalt - aber noch immer keine verurteilten Täter.

Der Friedensnobelpreis 2018 sollte Ansporn und Verpflichtung sein, daran etwas zu ändern.

insgesamt 9 Beiträge
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Watschn 05.10.2018
1. Auf jeden Fall eine gute Wahl....
Besser jedenfalls als verfehlte vergangene o. zukünftig verquaste Figuren wie: Kissinger, Jimmy Carter, Al Gore, Obama (Nobel-verpolitisierter Kardinalfehler), EU; ...oder eine Merkel, ein Junker, Helmut Kohl (dann wenn schon Hans Modrow) oder Kim-Jong-Un/Moon/Donnie Trump...
magic88wand 05.10.2018
2. Endlich mal die Richtigen
Das stimmt. Das Nobelpreiskomitee hat in jüngster Zeit höchst fragwürdige Entscheidungen getroffen, so z.B. Obama wenige Wochen nach Amtsantritt oder (noch furchtbarer) Aung San Suu Kyi, was dem Image des Preises geschadet hat - Politiker sollte man erst ehren wenn ihre Karrieren vorbei sind. Mit diesen Gewinnern könnte der Friedensnobelpreis wieder auf den Weg der Besserung kommen.
Knossos 05.10.2018
3. Einspruch wg. Honoratioren entgehende Tiefe zu Ursache und Wirkung
Es dürfte relativ sicher sein, daß Alfred Nobel in seiner humanen Zielsetzung mit der heutigen Vorgehensweise seines Komitees über weite Teile überhaupt nicht einverstanden wäre. Denn seine Absicht war offensichtlich, daß Menschen und deren Leistungen hervorgehoben würden, welche sich letztlich für die Gemeinschaft sozial oder kulturell verdient gemacht haben. Nicht aber, im Gegenteil, Verschwendung seiner Preise an soziale Drittrangigkeit etwa nachwievor Industriellen und Imperialismus verpflichteten Obamas, sowie Mandela, der die Möglichkeit echter Demokratie eitel verbaute usw.usf., oder erst gegen Nobels Verfügung und auf seinen Namen eingeführter Preis für Wirtschaftswissenschaftler, welche symptomatisch nach einer Konstruktivität suchen, während ihr Konstrukt auf althergebrachter Ausbeutung aufbaut. Bezeichnende Symptomatik auch in der Ehrung im Artikel benannter Kandidaten. Wieviele Menschen durchleiden Erlebnis und Folgen sexueller Gewalt und wieviele jene von Ausbeutung und deren zahlloser Folgephänomene (zu denen kulturell auch aus Asozialität hervorkommende Sexualgewalt zählt)? Was steht Frieden vordringlicher entgegen? Das Symptom sexuellen Mißbrauchs, oder die Causa sozialer Perversion durch wirtschaftliche Ausbeutung von Mitmenschen? Das zeitgenössische Nobelkomitee hat nicht erst mit seinem Literaturdesaster erwiesen, daß es ihm an Streben und Tiefsinn mangelt, um dem Anliegen seines Stifters zu entsprechen. Und das wiederum ist wenig verwunderlich, wo Postenkarussel in der Stiftung von eben den gesellschaftlichen Umtrieben bestimmt wird, gegen die A. Nobel etwas auszurichten suchte. So bleiben Persönlichkeiten außerhalb des Rampenlichts, deren Wirken und Werk an den Wurzeln sozialer Ungleichheit ansetzen und welche ursprünglich belohnt werden sollten.
io_gbg 05.10.2018
4.
Zitat von WatschnBesser jedenfalls als verfehlte vergangene o. zukünftig verquaste Figuren wie: Kissinger, Jimmy Carter, Al Gore, Obama (Nobel-verpolitisierter Kardinalfehler), EU; ...oder eine Merkel, ein Junker, Helmut Kohl (dann wenn schon Hans Modrow) oder Kim-Jong-Un/Moon/Donnie Trump...
Für alle die vorgenannten gab es zum jeweiligen Zeitpunkt gute Gründe. "Kohl (dann wenn schon Hans Modrow)" Weder noch (und ersterer ist eh gestorben) " oder Kim-Jong-Un/Moon/Donnie Trump..." Was sollen die albernen Witze
Mr T 05.10.2018
5.
Zitat von KnossosEs dürfte relativ sicher sein, daß Alfred Nobel in seiner humanen Zielsetzung mit der heutigen Vorgehensweise seines Komitees über weite Teile überhaupt nicht einverstanden wäre. Denn seine Absicht war offensichtlich, daß Menschen und deren Leistungen hervorgehoben würden, welche sich letztlich für die Gemeinschaft sozial oder kulturell verdient gemacht haben. Nicht aber, im Gegenteil, Verschwendung seiner Preise an soziale Drittrangigkeit etwa nachwievor Industriellen und Imperialismus verpflichteten Obamas, sowie Mandela, der die Möglichkeit echter Demokratie eitel verbaute usw.usf., oder erst gegen Nobels Verfügung und auf seinen Namen eingeführter Preis für Wirtschaftswissenschaftler, welche symptomatisch nach einer Konstruktivität suchen, während ihr Konstrukt auf althergebrachter Ausbeutung aufbaut. Bezeichnende Symptomatik auch in der Ehrung im Artikel benannter Kandidaten. Wieviele Menschen durchleiden Erlebnis und Folgen sexueller Gewalt und wieviele jene von Ausbeutung und deren zahlloser Folgephänomene (zu denen kulturell auch aus Asozialität hervorkommende Sexualgewalt zählt)? Was steht Frieden vordringlicher entgegen? Das Symptom sexuellen Mißbrauchs, oder die Causa sozialer Perversion durch wirtschaftliche Ausbeutung von Mitmenschen? Das zeitgenössische Nobelkomitee hat nicht erst mit seinem Literaturdesaster erwiesen, daß es ihm an Streben und Tiefsinn mangelt, um dem Anliegen seines Stifters zu entsprechen. Und das wiederum ist wenig verwunderlich, wo Postenkarussel in der Stiftung von eben den gesellschaftlichen Umtrieben bestimmt wird, gegen die A. Nobel etwas auszurichten suchte. So bleiben Persönlichkeiten außerhalb des Rampenlichts, deren Wirken und Werk an den Wurzeln sozialer Ungleichheit ansetzen und welche ursprünglich belohnt werden sollten.
Also ein Sozialist oder Kommunist war Nobel nicht, so dass er Ihren Vorschlaegen wohl auch widersprochen haette und die DKP gibt es sowieso nicht mehr...
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