Christoph Sydow

Nobelpreis für Aktivisten Gut gewählt

Mit Denis Mukwege und Nadia Murad haben endlich mal die Richtigen den Friedensnobelpreis bekommen. Er ehrt zwei Menschen, die ganz konkret das Leben Zehntausender Menschen gerettet oder verbessert haben.
Denis Mukwege und Nadia Murad

Denis Mukwege und Nadia Murad

Foto: NERIJUS ADOMAITIS/ REUTERS

Das Nobelpreiskomitee in Oslo hat eine sehr gute Wahl getroffen. Nadia Murad und Denis Mukwege haben den Friedensnobelpreis 2018 vollauf verdient. Denn beide haben mit gewaltigem persönlichen Einsatz Großes bewegt. Der kongolesische Arzt Mukwege hat in den vergangenen 20 Jahren mindestens 50.000 vergewaltigte Frauen operiert und vielen von ihnen das Leben gerettet. Die jesidische Aktivistin Murad ist erst den Terroristen des "Islamischen Staats" (IS) entkommen, nun kämpft sie dafür, dass ihre Peiniger zur Rechenschaft gezogen werden und das Schicksal ihres Volkes nicht in Vergessenheit gerät.

Endlich zeichnet das Osloer Komitee Aktivisten aus, die ganz konkret das Leben Zehntausender Menschen gerettet oder verbessert haben. Mukwege und Murad haben anders als der Nobelpreisträger von 2009, Barack Obama, nicht Großes versprochen, sondern Großes geleistet. Sie handeln, anders als die meisten anderen in diesem Jahr hochgehandelten Kandidaten, aus selbstlosen Motiven. Und sie haben, anders als die im Vorjahr ausgezeichnete Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (Ican) tatsächlich schon viel bewegt.

Mukwege und Murad kämpfen gegen den Einsatz sexueller Gewalt als Kriegswaffe. Seit jeher vergewaltigen Soldaten die Frauen von Kriegsgegnern. Doch nach Einschätzung der Vereinten Nationen und anderer Organisationen hat sich das Problem in den vergangenen Jahren dramatisch verschärft. In Ruanda, im ehemaligen Jugoslawien, im Kongo, im Irak, in Syrien und in vielen anderen Kriegsgebieten setzen die Konfliktparteien sexuelle Gewalt gegen Männer und Frauen gezielt als Kriegswaffe ein.

Es ist überfällig, dass das Nobelpreiskomitee mit seiner Ehrung für Mukwege und Murad auf diese dramatische Lage aufmerksam macht.

Noch wichtiger ist aber, dass endlich die Verantwortlichen für den Einsatz sexueller Gewalt zur Rechenschaft gezogen werden. Zwar hat der Uno-Sicherheitsrat schon 2008 mit Verabschiedung von Resolution 1820 sexuelle Gewalt in Konflikten als Straftatbestand definiert - nur musste sich bislang kaum jemand dafür vor Gericht verantworten. So gibt es zwar Hunderttausende Opfer sexuelle Gewalt - aber noch immer keine verurteilten Täter.

Der Friedensnobelpreis 2018 sollte Ansporn und Verpflichtung sein, daran etwas zu ändern.

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