Friedensnobelpreis für Juan Manuel Santos Jetzt erst recht

Kolumbiens Präsident Santos versucht, sein Land von einem jahrzehntealten Krieg zu heilen, dafür bekommt er nun den Nobelpreis. Eine gute Wahl. Denn wer Frieden schaffen will, muss stur sein.

Juan Manuel Santos, kolumbianischer Präsident und Friedensnobelpreisträger
REUTERS

Juan Manuel Santos, kolumbianischer Präsident und Friedensnobelpreisträger

Ein Kommentar von


Wer Frieden will, braucht Mut. Wer Frieden in ein vom jahrzehntelangen Bürgerkrieg zerrüttetes Land bringen will, braucht sehr viel Mut. Für seinen Mut wird Juan Manuel Santos zu Recht mit dem Friedensnobelpreis gewürdigt.

Die Auszeichnung ist ein klares Signal an Kolumbien und seinen Präsidenten, den eingeschlagenen Weg nicht zu verlassen, obwohl sein Friedensplan gerade bei einem Referendum knapp abgelehnt wurde. Denn die Gefahr eines neuen Gewaltausbruchs ist real, das schreibt auch das Komitee in seiner Begründung.

Wer kann nach einem Bürgerkrieg, in dem 220.000 Menschen gestorben sind und sechs Millionen vertrieben, noch mehr Opfer wollen? Santos hat den Preis am Freitag im Namen aller Kolumbianer entgegengenommen, "denn sie haben in diesem Krieg so viel gelitten".

Tatsächlich haben in Kolumbien viele Gegenden und Dörfer, die einmal heftig umkämpft waren, bei dem Referendum für Frieden gestimmt. Jene Menschen, die teilweise täglich Gewalt erlebt haben, sehnen sich nach einem Ende des Konflikts.

Das Wissen um ihr Leid sollte Antrieb sein, die (teilweise auch berechtigten) Bedenken in anderen Teilen des Volks zu überwinden.

Auch in diesem Jahr ist die Ehrung als Ansporn zu verstehen. Schon in der Vergangenheit hat das Nobelkomitee politische Signale gesetzt, etwa indem es den US-Präsidenten Barack Obama nach seiner Rede in Kairo ausgezeichnet hat. Es war eine Ehrung weniger für Taten als für Ankündigungen. Sollten nicht besser unbekannte Aktivisten geehrt werden, die aber bereits Konkretes geleistet haben und mit der Auszeichnung in ihrer Arbeit ermutigt würden? Das ist eine berechtigte Frage.

In diesem Jahr aber war die Entscheidung richtig, einem Präsidenten den Preis zu verleihen, dessen Werk noch nicht vollendet ist. Es ist ein politischer Friedensnobelpreis im besten Sinne. Gebt nicht auf, lautet das Signal. Frieden ist der richtige Weg. Er ist es immer.

Der Nobelpreis ist somit auch ein Appell an die Kolumbianer, jetzt zusammenzustehen - und an Santos' politische Gegner, den Friedensprozess konstruktiv zu begleiten und nicht mit scharfen Worten zu bekämpfen.

Der Nobelpreis setzt ein Ausrufezeichen hinter Tage voller Fragezeichen. Denn bis zu diesem Freitag waren viele Kolumbianer nach dem Referendum ratlos, und auch angsterfüllt, vor dem, was kommen möge. Santos hatte zwar angekündigt, nicht aufgeben zu wollen und sich bis zum Ende seiner Amtszeit für ein Ende des Kriegs zu engagieren, aber unklar war für viele dennoch, wie es weitergehen solle.

Nun können sie neuen Mut schöpfen. Der Friedensprozess wird neuen Schwung bekommen.

Lesen Sie auch:

Reaktionen auf Friedensnobelpreis: "Überwältigt und sehr dankbar"

Friedensnobelpreis für Santos: Erklärung des Nobelkomitees im Wortlaut

Protokoll eines Farc-Guerillero: Mein Leben im Untergrund

Junge Kolumbianer über die Farc: "Die Gewalt trifft uns alle" (bento)

insgesamt 5 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Putin-Troll 07.10.2016
1. Dieser Nobelpreis ist ein Witz
---Zitat--- In diesem Jahr aber war die Entscheidung richtig, einem Präsidenten den Preis zu verleihen, dessen Werk noch nicht vollendet ist ---Zitatende--- Ganz im Gegenteil, die Entscheidung war ausgesprochen dumm, sogar noch dümmer als Obama, bei dem ja zumindest die Möglichkeit bestand, dass er eine friedliche Präsidentschaft führen könnte. In Kolumbien wird es aber auf jeden fall Krieg geben: wenn der Präsident dem Referendum folgt gibt es ihn und wenn er sich darüber hinwegsetzt erst recht. Santos Friedensprojekt ist auf kläglichste Weise gescheitert, das sollte man nicht nur mit einem Preis würdigen. Stattdessen sollte er die Konsequenzen ziehen und seinen Schreibtisch räumen.
voipdeals 07.10.2016
2. So hat der schlechteste Kandidat den Friedensnobelpreis erhalten.
Die Kolumbianer wollen Frieden, aber auch Gerechtigkeit. Dieser Friedensvertrag ist nicht gerecht und die Kolumbianer lehnen ihn ab. Bei einer höheren Wahlbeteiligung wäre dies sicher deutlicher geworden. Santos wollte es der FARC gestatten, ihren Reichtum von etwa 10 Milliarden Euro, laut Forbes, zu behalten. Zudem sollten sie fast das gesamte Land behalten, wo sie Bauern vertrieben oder ermordet haben. Sie sollten lediglich 220.000 Hektar von weit über 1 Million Hektar zurückgeben. Dazu sollten sie jeweils 5 Sitze im Parlament und Senat erhalten, ohne gewählt zu werden. Als maximales Strafmaß waren 8 Jahre Hausarrest für Massenmörder vereinbart. Dies bedeutet in Kolumbien das sie maximal 4 Jahre in ihrer Luxusimmobilie verbracht hätten und dies mit allem erdenklichem Komfort. Wie kann man so etwas dem eigenem Volk anbieten? Wer die Zeitungsberichte in Kolumbien ließt, wird feststellen das fast alle Kommentatoren Santos als Verräter oder schlimmer beschreiben. In Kolumbien geniesst er nur eine sehr geringe Zustimmung. Nun erhält einer der schlechtesten Präsidenten Kolumbiens des Friedensnobelpreis, dies ist ein Schlag ins Gesicht für alle Opfer dieses Krieges.
jstawl 07.10.2016
3.
Zitat von voipdealsDie Kolumbianer wollen Frieden, aber auch Gerechtigkeit. Dieser Friedensvertrag ist nicht gerecht und die Kolumbianer lehnen ihn ab. Bei einer höheren Wahlbeteiligung wäre dies sicher deutlicher geworden. Santos wollte es der FARC gestatten, ihren Reichtum von etwa 10 Milliarden Euro, laut Forbes, zu behalten. Zudem sollten sie fast das gesamte Land behalten, wo sie Bauern vertrieben oder ermordet haben. Sie sollten lediglich 220.000 Hektar von weit über 1 Million Hektar zurückgeben. Dazu sollten sie jeweils 5 Sitze im Parlament und Senat erhalten, ohne gewählt zu werden. Als maximales Strafmaß waren 8 Jahre Hausarrest für Massenmörder vereinbart. Dies bedeutet in Kolumbien das sie maximal 4 Jahre in ihrer Luxusimmobilie verbracht hätten und dies mit allem erdenklichem Komfort. Wie kann man so etwas dem eigenem Volk anbieten? Wer die Zeitungsberichte in Kolumbien ließt, wird feststellen das fast alle Kommentatoren Santos als Verräter oder schlimmer beschreiben. In Kolumbien geniesst er nur eine sehr geringe Zustimmung. Nun erhält einer der schlechtesten Präsidenten Kolumbiens des Friedensnobelpreis, dies ist ein Schlag ins Gesicht für alle Opfer dieses Krieges.
Wenn ich Sie richtig verstehe, meinen Sie, dass die Ablehnung bei höherer Wahlbeteiligung auch deutlicher gewesen wäre. Komisch, dass selbst die Abkommens-Gegner um Uribe & Co. da nachweislich anderer Meinung sind. In allen Umfragen gab es eine deutliche Mehrheit für das Abkommen und selbst im Umfeld der Abkommens-Gegner hieß es, dass nur eine geringe Wahlbeteiligung bei vor allem den jungen Kolumbianern überhaupt eine Chance für die Ablehnung erzeugt, weil die "Ablehner" mobilisierter sind.
sonntag500 07.10.2016
4. Ein würdiger Friedensnobelpreisträger, ...
... nicht so wie die Peinlichkeit des letzten Jahres.
schnorchelentsafter 07.10.2016
5. Ein friedliches aufrichtiges denken,
darf niemals von Eigennütziger Macht, dem Gedanken andere unterdrücken zu wollen geprägt sein. Sann könnte Herr Santos auch irgendeinen dubios langweiligen Kanzler Job in der Bundesregierung Deutschlands annehmen. Ein jeder Diktator egal ob westlich, östlich gesinnt, sollte stets die Menschenrechte wahren. Russland tut dies nicht, Kim Jong Un tut dies nicht und ebenso wenig Herr Erdorgan+..... Sich zu schämen für Deutschland ist manchmal nicht genug.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.