Reaktionen auf Friedensnobelpreis "Überwältigt und sehr dankbar"   

Der Friedensnobelpreis 2016 geht an Kolumbiens Präsidenten Juan Manuel Santos. Die Auszeichnung soll helfen, die Versöhnung mit den Farc-Rebellen neu zu beleben. Die Reaktionen im Überblick.

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"Überwältigt und sehr dankbar": So soll der kolumbianische Präsident Juan Manuel Santos reagiert haben, als er erfuhr, dass er den Friedensnobelpreis erhält. "Es ist früh am Morgen, deshalb hatte er sich gerade erst den Schlaf aus den Augen gerieben", sagte der Sekretär des Nobelkomitees, Olav Njølstad, dem Fernsehsender NRK, nachdem er den Preisträger erreicht hatte. "Er sagte sofort, dass der Preis unschätzbar wichtig für den weiteren Friedensprozess in Kolumbien sei."

Die norwegische Nobeljury hatte Santos in Oslo für seine Bemühungen um Frieden mit dem diesjährigen Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Er bekomme die Auszeichnung "für seine entschlossenen Anstrengungen, den mehr als 50 Jahre andauernden Bürgerkrieg in dem Land zu beenden".

Selbst schrieb Santos bei Twitter, sein Land sei dem Frieden "sehr, sehr nahe". Er nehme den Nobelpreis im Namen des kolumbianischen Volkes an, das "so viel in diesem Krieg gelitten hat". Die Auszeichnung sei eine "große Ermutigung" auf dem Weg zum Frieden in Kolumbien.

Santos hatte nach jahrzehntelangem Konflikt ein Friedensabkommen mit den Farc-Rebellen geschlossen. "Die Tatsache, dass eine Mehrheit der Wähler 'Nein' zu dem Friedensabkommen gesagt hat, heißt nicht zwingend, dass der Friedensprozess gestorben ist", hieß es in der Preisbegründung. "Das Referendum war keine Abstimmung für oder gegen Frieden."

Rebellenführer Rodrigo Londoño alias Timochenko äußerte sich bei Twitter: "Der einzige Preis, den wir anstreben, ist Frieden und soziale Gerechtigkeit für Kolumbien."

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gratulierte Santos. Er habe der ganzen Region dringend benötigte neue Hoffnung auf ein Ende des Blutvergießens verliehen, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Der Nobelpreis sei "eine Ermutigung, diesen Weg weiter zu beschreiten".

Merkel kenne Santos als einen Mann, der für sein Land die Vision des Friedens und der Versöhnung nach Jahrzehnten eines grausamen Konflikts habe. Dieser Konflikt habe Kolumbien viel zu lange in seiner Entwicklung gelähmt.

Der Beauftragte der Bundesregierung für den Friedensprozess in Kolumbien, Tom Koenigs (Grüne), sieht den Friedensnobelpreis als Rückendeckung für Santos. Er verdiene die Auszeichnung, weil er "seine ganze Präsidentschaft, seine ganze Kraft und sein Herz für das Zustandekommen eines verhandelten Friedens mit den Guerilla-Organisationen in Kolumbien eingesetzt hat und weiter einsetzten wird".

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Kolumbien: Kolumbiens Konflikt mit den Farc-Rebellen

Der Nobelpreis gebe dem kolumbianischen Volk "Hoffnung und Ermutigung", sagte Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon. Auch wenn die Bevölkerung das Friedensabkommen zwischen Regierung und Farc-Rebellen abgelehnt habe, sei der Friedensprozess inzwischen unumkehrbar.

Auch Uno-Flüchtlingskommissar Filippo Grandi gratulierte Santos "von Herzen". Die Auszeichnung sei eine Anerkennung für das "politische Engagement bei dem Bestreben nach Frieden", schrieb Grandi auf dem Kurznachrichtendienst Twitter.

Er sei selbst vor nicht allzu langer Zeit in Kolumbien gewesen und habe das außerordentliche Engagement aller Beteiligten beobachten können, sagte Grandi. Mit dem Einsatz von Regierung, der Farc-Rebellen und der Zivilgesellschaft könnten die aktuellen Probleme überwunden werden.

Kaum ein anderer Konflikt hat laut UNHCR-Angaben so viele Menschen aus ihrer Heimat vertrieben wie die blutigen Kämpfe in Kolumbien. Rund 7,5 Millionen Menschen gelten als Flüchtlinge in und außerhalb des Landes.

Die bisherigen Gewinner des Friedensnobelpreises im Überblick.

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Friedensnobelpreis-Rückblick: Helden, Herrscher, Organisationen

cte/cht/dpa

insgesamt 26 Beiträge
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chiefseattle 07.10.2016
1. Glückwunsch
Santos ist der erste kolumbianische Präsident, der keinen utopischen Vernichtungsfeldzug gegen die Rebellen vom Zaun bricht, wie unzählige Präsidenten vor ihm. Allerdings sollten die kubanischen Vermittler auch mal erwähnt werden.
dingodog 07.10.2016
2. Ig-Nobelpreis
Schade, dass der Ig-Nobelpreis ( http://www.improbable.com/ig/winners/ ) schon im September verliehen wurde, den Friedens-Ig-Nobelpreis hätte das kolumbianische Volk verdient... wäre eine schöne Ergänzung zum Friedensnobelpreis für den Präsidenten gewesen.
widder58 07.10.2016
3. Meine Rede...
Bei der Spiegelauswahl habe ich auf die Kolumbinaer gesetzt. Das Wahlergebnis aber hat gezeigt, dass den meistendie Tragweite dieses Friedensprozesses gar nicht bewußt ist.
ksy 07.10.2016
4. Gratulation an Herrn Santos, der Frieden greifbar gemacht hat
und auch Gratulation an das Kommitee, diese Leistung zu würdigen. Und wir haben eine Erkenntnis zu akzeptieren: Die Initiative muß von den Teilnehmer des Konfliktes kommen. Versuche von außen, wie in Afganistan und Syrien Frieden zu ermöglichen, haben offenbar eine geringere Chance. Es bleibt die Hoffnung, dass der Friedensprozeß zu einem stabilen und langanhalteten Frieden in Kolumbien führt. Die Welt hat es anerkannt. Jetzt müssen die Beteiligten eine klare Lösung finden, die den Frieden für die Mehrheit akzeptabel macht.
reisender2013 07.10.2016
5. Die Friedensnobelpreisträger der letzten Jahre haben alle ein grosses Manko.
Kaum jemand kann sie sich als Vorbild nehmen. Diese Identifikationsfunktion ist aber wesentlich für das Ansehen dieser Ehrung.Die FRIEDENSLEISTUNG eines Stanislaw Petrow auch bekannt als " The man who saved the world" hat sich wohl noch nicht bis Stockholm herumgesprochen.
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