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19. Juni 2010, 19:11 Uhr

Friedensnobelpreisträgerin Suu Kyi

Einsamer Geburtstag einer Freiheitskämpferin

Glückwünsche für eine Inhaftierte: Aung San Suu Kyi kämpft seit 20 Jahren gegen die Militärdiktatur in Burma - meist unter Arrest. Zu ihrem 65. Geburtstag preisen sie Staatsoberhäupter aus aller Welt, doch Suu Kyi kann nicht antworten.

Rangun - Zum 65. Geburtstag der burmesischen Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi haben Regimegegner und Politiker weltweit ihre Freilassung gefordert. Darunter waren UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sowie der Präsident der USA, Barack Obama, und der britische Premier David Cameron.

In Rangun demonstrierten am Samstag etwa 400 Anhänger der Friedensnobelpreisträgerin gegen das Militärregime in ihrem Land. Auch in Bangkok, Tokio und anderen Städten kam es zu Protesten. Die Friedensnobelpreisträgerin Suu Kyi war fast 15 der vergangenen 20 Jahre inhaftiert. Auch ihren Geburtstag verbrachte sie in Hausarrest in Rangun. Sie lebt dort mit zwei Angestellten abgeschirmt von der Öffentlichkeit, ohne Telefon und Internet. Im vergangenen Jahr war Suu Kyi zu weiteren 18 Monaten Hausarrest verurteilt worden, weil ein US-Bürger zu ihrem Haus vorgedrungen war.

Sechs Friedensnobelpreisträgerinnen, unter ihnen Schirin Ebadi aus dem Iran und Betty Williams aus Nordirland, appellierten an die Weltgemeinschaft, den Druck auf das in dem südostasiatischen Land herrschende Regime zu verstärken.

"Lang lebe die Führerin des Volkes" und "Lasst Aung San Suu Kyi frei", riefen Mitglieder ihrer Oppositionspartei Nationalen Liga für Demokratie (NLD) in Rangun. Rund 400 Unterstützer der NLD feierten den Geburtstag Suu Kyis in einem Haus in Rangun, umstellt, fotografiert und gefilmt von Polizei in Kampfmontur. Die Oppositionsanhänger beteten vor einem Bild Suu Kyis für die Politikerin, ließen Vögel aus Käfigen frei und schnitten einen Geburtstagskuchen an. NLD-Unterstützer pflanzten landesweit zudem 20.000 Bäume zum Geburtstag Suu Kyis.

"Symbol der Stärke des menschlichen Geistes"

Obama erklärte, die Junta müsse die Oppositionsführerin und alle anderen politischen Gefangenen sofort und ohne Bedingungen freilassen. "Ihre Entschlossenheit, ihr Mut und persönliches Opfer bei ihrer Arbeit für Menschenrechte und demokratischen Wandel in Burma sind eine Inspiration für alle von uns, die sich für Freiheit und Gerechtigkeit einsetzen", sagte er. Er ermutige alle Beteiligten zu einem "echten Dialog für eine nationale Aussöhnung" und appellierte an die Generäle, den Aufbau eines "stabileren, blühenden Burmas zuzulassen, in dem die Rechte all seiner Bürger respektiert werden".

Uno-Generalsekretär Ban forderte in New York, alle, die in Burma noch in Haft oder unter Arrest seien, müssten die Möglichkeit erhalten, an der für dieses Jahr geplanten Wahl teilzunehmen. Großbritanniens Premierminister Cameron ehrte Suu Kyi als "Symbol der Stärke des menschlichen Geistes". Die Ungerechtigkeit ihres anhaltenden Hausarrests spiegele die Ungerechtigkeit des Militärregimes wieder, schrieb Cameron in einem offenen Brief. "Ich habe nie ihren eigenen Wunsch vergessen, dass wir unsere Freiheit nutzen sollen, damit das burmesische Volk seine erhält."

Der Hausarrest werfe "einen langen Schatten auf die bevorstehenden Wahlen", sagte der britische Außenminister William Hague. Sein Staatssekretär Jeremy Browne sagte, Suu Kyi sei eine von gegenwärtig rund 2100 politischen Gefangenen in Burma. "Dies ist mehr als nur eine menschliche Tragödie", sagte er nach Angaben des Senders CNN. "Dies ist eine tragische Verschwendung von Talent, Vision und Führungskraft in einem Land, das alle drei Dinge dringend benötigt."

Die NLD war vor 20 Jahren aus der letzten Parlamentswahl als Siegerin hervorgegangen. Allerdings wurde dies von der Militärjunta nie anerkannt. Die Junta hatte versucht, die NLD zu zwingen, Suu Kyi als Generalsekretärin zu entlassen. Die Partei zog es stattdessen vor, nicht an der Wahl teilzunehmen, und wurde deshalb im Mai zwangsweise aufgelöst.

Zuvor hatte die NLD Ende März angekündigt, dass sie die für dieses Jahr geplanten Parlamentswahlen boykottieren werde, weil sie das von der Militärjunta erlassene Wahlgesetz für ungerecht hält. Die Wahl soll dieses Jahr stattfinden. Ein Termin steht noch nicht fest.

boj/dpa/AFP/Reuters/AP

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