Friedensplan Palästinenser übernehmen Kontrolle in Betlehem

Die israelische Armee hat am Mittwoch vereinbarungsgemäß ihre Truppen aus der Palästinenserstadt Betlehem abgezogen. Israelische Sicherheitskräfte übergaben der palästinensischen Polizei am Nachmittag die Kontrolle in der im Frühjahr vergangenen Jahres wiederbesetzten Stadt im südlichen Westjordanland.


Israelische Soldaten ziehen sich wieder aus Betlehem zurück
REUTERS

Israelische Soldaten ziehen sich wieder aus Betlehem zurück

Jerusalem - Die Polizisten erhielten Order, sich in Bethlehem selbst sowie in Bet Dschalla und Bet Sachur zu postieren.

Betlehem ist das zweite palästinensische Autonomiegebiet, aus dem Israel sich in Übereinstimmung mit dem internationalen Nahost-Friedensplans zurückzieht. Am Sonntagabend hatte die Armee die Truppen aus den wiederbesetzten Teilen des Gazastreifens abgezogen.

Scharon und Abbas äußern sich optimistisch über Friedensplan

Ariel Scharon und Mahmud Abbas haben bei einem Treffen Kompromissbereitschaft gezeigt und ihre Unterstützung für den internationalen Friedensplan bekräftigt. Der israelische Ministerpräsident und sein palästinensischer Kollege verständigten sich auf die Einrichtung von vier gemeinsamen Arbeitsgruppen zur Umsetzung des Plans.

Es war ihr viertes Treffen innerhalb von sechs Wochen. Die Politiker kamen in Jerusalem im Amtssitz des israelischen Regierungschefs zusammen. An dem Treffen nahmen auch der palästinensische Sicherheitschef Mohammed Dachlan und der israelische Verteidigungsminister Schaul Mofas teil. Die Gespräche seien in entspannter Atmosphäre verlaufen, hieß es im Anschluss an das Treffen am Dienstagabend.

Laut israelischen Medienberichten soll in den einzurichtenden Komitees Fragen der Sicherheit, palästinensischer Gefangener, Aufwiegelung zur Gewalt und Handelsbeziehungen thematisiert werden. Demnach will Scharon bei seinem nächsten Treffen mit Abbas auch die Freilassung einiger palästinensischer Gefangener bekannt geben.

Abbas soll Scharon bei dem Treffen aufgefordert haben, Palästinenserpräsident Jassir Arafat Bewegungsfreiheit zu gewähren. Scharon habe dies jedoch abgelehnt und darauf verwiesen, dass Arafat durchaus nach Gaza reisen könne, dann aber auch dort bleiben müsse.

Arafat sitzt seit mehr als einem Jahr in seinem Amtssitz in Ramallah im Westjordanland fest, nachdem Scharon ihn zum Feind Israels erklärt, der eine "Koalition des Terrors" aufgebaut habe.

Scharon hatte bereits vor dem Treffen geäußert, dass eine bessere Zukunft für beide Völker nun möglicherweise näher rücken könnte. Trotz hoffnungsvoller Anzeichen gebe es aber weiterhin Extremisten, die den Friedensprozesses torpedieren wollten. Israels erste Priorität sei weiterhin die Sicherheit, sagte Scharon.



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