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11. November 2004, 08:46 Uhr

Friedensprozess

Scharon spricht von historischer Wende

Nach dem Tod von Palästinenserpräsident Arafat gibt es neue Hoffnung für einen Friedensprozess in Nahost. Israels Ministerpräsident Scharon sprach von einer möglichen "historischen Wende". Auch US-Präsident Bush hofft auf Fortschritte im Friedensprozess. Frankreichs Präsident Chirac rief zur Umsetzung der "Road Map" auf.

Scharon: "Historische Wende"
REUTERS

Scharon: "Historische Wende"

Washington - Scharon sagte nach Angaben der israelischen Zeitung "Jediot Achronot", der Tod Jassir Arafats sei als mögliche "historische Wende in Nahost" zu werten. Dabei vermied Scharon, Arafat und dessen Ableben zu erwähnen. Er sprach lediglich von "den jüngsten Entwicklungen". Israel sei "ein nach Frieden strebendes Land". Man werde sich bemühen, mit der neuen palästinensischen Führung rasch eine friedliche Lösung auszuhandeln. "Ich hoffe, dass die neue Führung verstehen wird, dass Fortschritte in den Beziehungen und eine Lösung der Probleme vor allem von einem Kampf gegen den Terror abhängen", sagte Scharon.

Bei einem Treffen mit Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer sagte US-Präsident George W. Bush in Washington, einige der designierten Nachfolger des todkranken palästinensischen Präsidenten hätten bereits die amerikanische Unterstützung.

US-Präsident George W. Bush: Unterstützung für Nachfolger Arafats
AFP

US-Präsident George W. Bush: Unterstützung für Nachfolger Arafats

"Es wird einen Anfang für den Frieden geben, wenn die Führung des palästinensischen Volkes hervortritt und sagt: 'Helft uns, eine demokratische Gesellschaft aufzubauen'", sagte Bush. "Wenn das passiert - und ich glaube, dass das geschehen wird, weil ich glaube, dass alle Menschen in Freiheit leben wollen - werden die Vereinigten Staaten mehr als bereit sein, beim Aufbau der für eine freie Gesellschaft notwendigen Institutionen zu helfen, damit die Palästinenser ihren eigenen Staat haben können."

Bush bekräftigte seine Vision "von zwei Staaten, einem palästinensischen Staat und Israel, die Seite an Seite leben. Ich denke, wir können das schaffen, und ich freue mich darauf, an diesem Prozess beteiligt zu sein."

Frankreichs Präsident Jacques Chirac erklärte in Paris: "Frankreich wird wie seine Partner in der Europäischen Union mit Entschlossenheit und Überzeugung sein Engagement für zwei Staaten - einen lebensfähigen, friedlichen und demokratischen palästinensischen Staat und den Staat Israel - fortsetzen, die Seite an Seite in Frieden und Sicherheit Leben." Die von Arafat gebilligte "Road Map" öffne diese Perspektive. "Die internationale Gemeinschaft muss ihr ganzes Gewicht einsetzen, um sie ins Werk zu setzen."

Chirac versicherte dem palästinensischen Volk die Solidarität der Franzosen und der Europäer. Mit Arafat "verschwindet ein Mann des Mutes und der Überzeugung, der 40 Jahre lang den Kampf der Palästinenser um die Anerkennung ihrer nationalen Rechte verkörpert hat", erklärte er. "Möge der jetzt erlittene Schmerz alle Palästinenser vereinen. Indem sie einig bleiben, halten sie der Erinnerung an Jassir Arafat die Treue und bringen das Ideal zur Geltung, dem er sein Leben gewidmet hat."

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