Jean-Marie Le Pen nach Ausschluss "Der Front National bin ich"

Der rechte Front National hat Gründer Jean-Marie Le Pen rausgeworfen - doch der will sich damit so gar nicht abfinden. Der 87-Jährige kündigte neue rechtliche Schritte an. Tochter Marine attackierte er scharf.

Gründer Le Pen: "Bin in der Partei zu Hause"
REUTERS

Gründer Le Pen: "Bin in der Partei zu Hause"


Vier Jahrzehnte lang führte Jean-Marie Le Pen den von ihm gegründeten rechtsextremen Front National (FN) - seinen Ausschluss aus der Partei will der 87-Jährige auf keinen Fall hinnehmen. "Der Front National bin ich, ich bin im Front National zu Hause", sagte der französische Europaabgeordnete am Freitag im Sender RTL. Gegen den Rauswurf wegen antisemitischer Parolen will er juristisch vorgehen.

Die Führung des Front National hatte Le Pen am Donnerstagabend aus der Partei ausgeschlossen. Sie zog damit die Konsequenzen aus wiederholten antisemitischen Äußerungen des Parteigründers. Le Pen hatte zuletzt Anfang April die NS-Gaskammern erneut als "Detail" der Geschichte des Zweiten Weltkriegs bezeichnet.

Damit brachte er seine Tochter Marine Le Pen gegen sich auf, die ihn 2011 an der Parteispitze beerbt hatte. Die Parteivorsitzende brach mit ihrem Vater und setzte alles daran, um ihn politisch kaltzustellen.

Vater und Tochter Le Pen hatten schon seit längerer Zeit Meinungsverschiedenheiten über den Kurs der Partei: Die 47-Jährige will der fremdenfeindlichen Partei ein respektableres Ansehen verschaffen und so neue Wähler gewinnen. Der Parteigründer hält das für den falschen Weg.

"Es ist schmutzig, seinen Papa zu töten"

An der Sitzung des FN-Exekutivbüros, bei der Le Pens Rauswurf beschlossen wurde, nahm die Parteichefin bewusst nicht teil, um den Ausschluss nicht juristisch anfechtbar zu machen. Sie habe "das Exekutionskommando aus der Ferne telefonisch befehligt", sagte Le Pen zu RTL. "Es ist schmutzig, seinen Papa zu töten, also hat sie Papa nicht direkt getötet, aber sie hat ihn von Schergen töten lassen."

Le Pen Senior beharrte darauf, dass er nach wie vor Ehrenvorsitzender der 1972 von ihm gegründeten rechtsextremen Partei sei: "Ich wurde als Mitglied ausgeschlossen, aber nicht als Ehrenvorsitzender."

Im Sender Europe 1 kündigte Le Pen an, den Front National "zurückerobern" zu wollen. Die Gründung einer neuen Partei als Konkurrenz zum Front National sei dagegen "ausgeschlossen".

Immer neue Attacken gegen Tochter Marine

In dem durch seine antisemitischen Äußerungen ausgelösten Familien- und Führungsstreit im FN fuhr Jean-Marie Le Pen immer wieder heftige Attacken gegen seine Tochter und deren engen Vertrauten Florian Philippot. Dieser bezeichnete den Ausschluss des Parteigründers in den Sendern RMC und BFMTV als "logisch".

Le Pen habe "Provokation auf Provokation" folgen lassen. Der Front National habe "nicht hinnehmen können, dass Jean-Marie Le Pen dieses Werk der Zerstörung fortsetzt", sagte der Partei-Vize.

Der Parteigründer hatte noch am Donnerstagabend angekündigt, gegen seinen Ausschluss vor Gericht ziehen zu wollen. In den vergangenen Wochen konnte der 87-Jährige mehrere juristische Erfolge gegen seine Tochter erzielen. Ein Gericht hob die im Mai vom Front National beschlossene Suspendierung seiner Parteimitgliedschaft auf und erklärte eine Mitgliederabstimmung für ungültig, mit der ihm der FN-Ehrenvorsitz entzogen werden sollte.

jok/AFP



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