EU-Außengrenzen Frontex registriert weniger illegale Grenzübertritte

Im vergangenen Jahr ist die Zahl der unerlaubten Grenzüberquerungen in die EU erneut gesunken. In zwei Regionen stieg die Zahl der Verstöße jedoch.
Frontex-Beamte (Archivbild)

Frontex-Beamte (Archivbild)

Foto: FLORION GOGA/ REUTERS

Die Zahl der irregulären Grenzübertritte an den EU-Außengrenzen ist nach Angaben der europäischen Grenzschutzagentur Frontex 2019 stark gesunken. Bis Jahresende dürften rund 120.000 illegale Einreisen in die Europäische Union gezählt werden, sagte Frontex-Direktor Fabrice Leggeri der Zeitung "Welt" .

Demnach sind die Zahlen im Vergleich zum Vorjahr um rund zehn Prozent zurückgegangen und liegen deutlich niedriger als im Jahr 2015, als Frontex 1,2 Millionen unerlaubter Grenzübertritte registriert habe.

"Die Zahlen sind aktuell zwar geringer, der Migrationsdruck nach Europa bleibt aber gewaltig", sagte Leggeri. Relativ viele Menschen reisen laut Leggeri innerhalb des eigentlich grenzkontrollfreien Schengenraums weiter. "Sie stellen in mehreren Mitgliedstaaten Asylanträge - das verstößt gegen die EU-Regeln." Frontex wolle in Zukunft zudem bei Rückführungen unterstützen. Hier gebe es immer noch Probleme.

Außerdem würden weiterhin nicht alle Asylbewerber bei der Einreise registriert. "Viele nutzen dann die Chance und ziehen weiter in ihr Wunschland", sagte Leggeri. Nach dem Dublin-Abkommen ist normalerweise das Land für einen Asylbewerber zuständig, in dem dieser zuerst den Boden der EU betreten hat.

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Frontex stellte im Vergleich zum Vorjahr allerdings steigende Zahlen nach Griechenland und auf die Kanarischen Inseln fest. "Wir haben hier zuletzt einen Anstieg bemerkt", sagte Leggeri. "In diesem Jahr sind es 50 Prozent mehr als 2018." Laut dem Uno-Flüchtlingshilfswerk UNHCR gelangten in diesem Jahr rund 2200 Person illegal von Afrika auf die Kanaren.

Für die steigenden Zahlen Schutzsuchender, die aus der Türkei in die EU kommen, sieht Leggeri mehrere Gründe. "Die Türkei setzt mittlerweile ihre Wohnortzuweisung konsequent durch - viele Migranten wollen sich das aber nicht vorschreiben lassen und machen sich jetzt auf nach Westen", sagte er.

Laut Leggeri beobachtet Frontex vermehrt Grenzübertritte durch Afghanen. "Dabei handelt es sich nicht nur um Personen, die aus ihrer Heimat fliehen. Wir bemerken auch viele, die in Iran gearbeitet haben, jetzt in der Wirtschaftskrise ihren Arbeitsplatz verloren haben und nun über die Türkei nach Europa wollen", sagte der Frontex-Direktor.

In Iran leben laut UNHCR derzeit etwa eine Million registrierte afghanische Flüchtlinge. Nach Schätzungen sollen sich weitere zwei Millionen Afghanen im Land aufhalten.

Die Europäische Agentur für die Grenz- und Küstenwache Frontex soll in den kommenden Jahren mehr Personal bekommen. Derzeit ist der Aufbau einer Reserve von 10.000 Einsatzkräften bis 2027 geplant.

fek/dpa/AFP