Frühwarnung US-Radarsystem soll Israel vor Angriff aus Iran schützen

In Israels Negev-Wüste wollen die USA ein leistungsstarkes Radarsystem installieren, um mögliche Angriffe aus Iran früher zu erkennen. Teheran behauptet, seine Kampfflugzeuge könnten Israel jetzt auch ohne Nachtanken erreichen.


Tel Aviv - Mit dem geplanten neuen Frühwarnsystem der USA sollen Raketenangriffe aus Iran deutlich früher erfasst werden als bisher möglich. Beide Seiten hätten eine entsprechende Vereinbarung getroffen, wonach erstmals auch US-Soldaten ständig in Israel stationiert werden sollen, berichtete die israelische Tageszeitung "Haaretz" am Sonntag unter Berufung auf hochrangige israelische und US-Militärs. Bislang war Personal des US-Militärs nur vorübergehend während des ersten Golfkriegs 1991 und des anschließenden Konflikts dort stationiert.

US-Radarstation (in Tschechien): Neues System in Israel soll früh warnen
AP

US-Radarstation (in Tschechien): Neues System in Israel soll früh warnen

Das Radarsystem solle spätestens im Frühjahr kommenden Jahres einsatzbereit sein. Eine israelische Armeesprecherin sagte auf Anfrage, der Zeitungsbericht sei bekannt, werde aber nicht kommentiert. Mit dem neuen System zur Frühwarnung bei Raketenangriffen kann Israel den Angaben zufolge heranfliegende Raketen bereits in einer Entfernung von 2000 statt bislang 900 Kilometer erkennen. Dies sei vor allem im Fall von Raketenangriffen aus Iran nützlich, weil es "kostbare Minuten" verschaffe. Iran, von Israel als größte strategische Bedrohung angesehen, ist rund 1500 Kilometer von Israel entfernt.

Das Internet-Portal www.defensenews.com, das zur Verlagsgruppe der US-Armeezeitung "Army Times" gehört, hatte bereits am 7. August über entsprechende Pläne berichtet und sich auf General Henry Obering berufen, den Direktor der US-Raketenabwehrbehörde (MDA). "Wir bewegen uns voran, so schnell wir können", sagte Obering.

Gewarnt werden könne mit dem Radarsystem bei Beschuss mit Kassam-Raketen aus dem Gaza-Streifen, Katjuscha-Raketen aus dem Libanon, ballistischen Kurzstreckenraketen, Langstreckenraketen, Marschflugkörpern sowie anderen Gefahren aus der Luft. Das Programm werde von den USA und Israel gemeinsam finanziert und betrieben. Die Radaraufklärung komme nicht nur der israelischen Verteidigung zugute, sondern werde auch von den USA genutzt.

Die US-Regierung hatte nach einem "Haaretz"-Bericht vom Mittwoch Israel vor einem Militärschlag gegen Iran gewarnt. Zugleich hätten die USA die Bitte Israels nach der Lieferung von militärischer Ausrüstung abgelehnt, die für einen Angriff auf iranische Atomanlagen genutzt werden könnte.

Iranischer General: Kampfflieger erreichen nun Israel

Die USA wollen den Angaben zufolge Israel auch wegen des Widerstandes der Führung in Bagdad nicht den Überflug über irakisches Territorium erlauben. Sollte sich Israel trotz aller Warnungen zu einem Alleingang entscheiden, habe die US-Regierung verlangt, informiert zu werden, hieß es.

Iran behauptet, es habe die Reichweite seiner Kampfflugzeuge erhöht, so dass sie inzwischen unter Verzicht auf Zwischenstopps nach Israel und zurück fliegen könnten. Ohne Israel eigens zu erwähnen, zitierte das staatliche iranische Fernsehen den Luftwaffengeneral Ahmad Mighani mit der Äußerung, die Flugzeuge könnten nun 3000 Kilometer zurücklegen, ohne nachzutanken.

Der General sagte allerdings nicht, um welchen Flugzeugtyp es sich handeln und um wie viel die Reichweite gestiegen sein soll. Nach Einschätzung von Experten könnte die längere Distanz durch Zusatztanks ermöglicht werden, die an den Tragflächen oder dem Rumpf befestigt und abgeworfen werden, sobald sie leer sind.

Dem staatlichen Fernsehen zufolge hat Iran auch erfolgreich eine zweistufige Rakete mit dem Namen Safir (Botschafter) getestet, die einen Forschungssatelliten ins All bringen soll, damit der Satellit atmosphärische Daten sammelr. Über Satelliten-Pläne hatte Iran erstmals im Februar berichtet. Im Westen wird dies mit Argwohn betrachtet, da die gleiche Technik, mit der Satelliten ins All geschossen werden, auch genutzt werden kann, um Sprengköpfe über weite Entfernungen zu transportieren. Die USA hatten nach dem Test im Februar von einer besorgniserregenden Entwicklung gesprochen.

jol/dpa/AP



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