Fünf Jahre Besatzung Millionen Iraker würden am liebsten auswandern

Auswanderungswünsche: Trotz verbesserter Sicherheitslage denken fünf Jahre nach dem Einmarsch der US-Truppen vier Millionen Iraker daran, ihr Land zu verlassen. Laut einer Umfrage lehnen 95 Prozent der Sunniten im Land die Präsenz ausländischer Truppen im Irak ab.


Bagdad - 18 Prozent der Iraker sollen sogar schon konkrete Pläne für ein neues Leben im Ausland haben. Dies ergab eine Umfrage, die von der ARD zusammen mit vier britischen und amerikanischen TV-Sendern in Auftrag gegeben worden war. Mehr als zwei Millionen Iraker sind seit dem Krieg vor fünf Jahren bereits geflohen. Die meisten von ihnen leben heute in den Nachbarländern Jordanien und Syrien.

Der Wunsch von vier Millionen Irakern, das Land zu verlassen, sei auch darin begründet, dass viele von ihnen die Vertreibung von Sunniten, Schiiten und Kurden aus religiös-ethnisch gemischten Vierteln ablehnen, obwohl dies ein Grund für den Rückgang der Gewalt ist.

Die Sicherheit in ihrem Wohnbezirk beurteilen die meisten Iraker heute laut der Studie wesentlich positiver als noch vor einem Jahr. Dies wertet allerdings die überwiegende Mehrheit als Verdienst der irakischen Sicherheitskräfte und der neuen lokalen Bürgerwehren, nicht als Erfolg der US-Truppen.

Die Umfrage zeigt auch, dass die arabischen Sunniten, die es einst unter dem sunnitischen Präsidenten Saddam Hussein leichter hatten, in führende Positionen zu gelangen als Angehörige anderer ethnischen und religiösen Gruppen, immer noch extrem unzufrieden mit der Nachkriegsordnung sind.

Während sich inzwischen 70 Prozent der Schiiten in ihren Vierteln jetzt sicher fühlen, so gilt das nur für halb so viele Sunniten. Auch lehnen 95 Prozent der Sunniten die Präsenz der ausländischen Truppen im Irak ab. Von den befragten Schiiten sagten dies nur 77 Prozent. Unter den Kurden lag die Ablehnung lediglich bei 21 Prozent.

asc/dpa



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