Fujimori-Tochter Keiko Rächerin des gefallenen Präsidenten

Perus Ex-Präsident Alberto Fujimori ließ Gegner bespitzeln, hetzte Todesschwadronen auf Studenten - und muss deshalb jetzt für 25 Jahre ins Gefängnis. Doch das politische Erbe scheint gesichert: Seine ehrgeizige Tochter Keiko will die nächste Staatschefin werden - und die Familienehre retten.

Von , Rio de Janeiro


Rio de Janeiro - Als Keiko Fujimori, 33, vor drei Jahren in den peruanischen Kongress gewählt wurde, ließ sie als erstes eine Büste ihres Vaters in ihrem Abgeordnetenbüro aufstellen. Niemand steht Ex-Präsident Alberto Fujimori, der am Dienstag wegen Mordes zu 25 Jahren Haft verurteilt wurde, so nahe wie seine Tochter. Kaum war der Urteilsspruch ergangen, rief sie seine immer noch zahlreichen Anhänger zu Protesten auf die Straße. Seine Gegner hätten "eine Schlacht, aber nicht den Krieg gewonnen", tönte sie martialisch.

Ihr kämpferisches Temperament hat Keiko von ihrem Vater, den sie auch politisch beerben möchte. Schon vor zwei Jahren hatte sie dem SPIEGEL angekündigt, dass sie selbst bei den Präsidentschaftswahlen 2011 antreten werde, wenn ihr Vater verhindert sei. Dessen Comeback ist jetzt ausgeschlossen, aber ihre Chancen stehen gar nicht so schlecht: Keiko wurde 2006 mit 602.000 Stimmen in den Kongress gewählt, mehr als jeder andere Kandidat.

In Umfragen liegt sie in der Wählergunst an erster Stelle, dabei ist ihre Bewegung bislang nicht einmal offiziell eingetragen. Vor jeder Wahl erfindet sie eine neue Partei, ihr Programm lässt sich in einem Wort zusammenfassen: "Fujimori". Dieser Name genügt in Peru immer noch, um Hunderttausende zu mobilisieren.

Während seiner Regierungszeit von 1990 bis 2000 putschte Alberto Fujimori gegen das Parlament, er ließ Gegner bespitzeln und hetzte paramilitärische Todesschwadronen auf Studenten, die er der Sympathie mit den Terroristen der maoistischen Guerilla "Leuchtender Pfad" verdächtigte. Er baute den gefürchtetsten Geheimdienstapparat Lateinamerikas auf und ist in zahlreiche Korruptionsskandale verwickelt, auch die Ausbildung Keikos und ihrer drei Geschwister auf teuren Schulen und Universitäten in den USA soll aus der Staatskasse bezahlt worden sein. Dennoch verehren viele Peruaner in den Armenvierteln Fujimori als Retter des Vaterlands.

Mit 19 Jahren die jüngste First Lady aller Zeiten

"El Chino", wie sie ihn nennen, hat den "Leuchtenden Pfad" besiegt und die Wirtschaft stabilisiert, dafür sind ihm viele Peruaner dankbar. Auch seine Tochter ist bei den "Fujimoristas" gut angesehen. Sie weiß, wie man sich auf dem diplomatischen Parkett bewegt: Von 1994 bis 2004 fungierte Keiko als First Lady.

Das Familienleben des Ex-Präsidenten taugt für eine Telenovela. Seine erste Frau Susana Higuchi, die Mutter Keikos und ihrer drei Brüder Sachi, Hiro und Kenji, ließ sich 1994 scheiden. Sie warf Fujimori vor, dass er sie misshandelt, unter Drogen gesetzt und im Präsidentenpalast eingesperrt habe.

Keiko bezog Partei für ihren Vater, sie ist ihm von allen Kindern am ähnlichsten. Die Bindung zwischen den beiden ist so eng, dass Fujimori sie nach der Trennung von Higuchi auf Staatsbesuche im Ausland und bei offiziellen Anlässen mitnahm, mit 19 Jahren war sie die jüngste First Lady aller Zeiten.

Im November 2000 flog ein Korruptionsskandal um Fujimoris berüchtigten Geheimdienstchef Vladimiro Montesinos auf. Während einer Reise nach Asien im November 2000 erklärte Fujimori per Fax seinen Rücktritt und setzte sich nach Tokio ab, er besitzt auch die japanische Staatsbürgerschaft. Keiko ging im selben Monat in die USA, sie begann ein Wirtschaftsstudium an der Columbia University in New York. Dort lernte sie 2002 den Amerikaner Mark Vito Villanella kennen, zwei Jahre später heirateten die beiden in Lima.

Im Jahr 2005 kehrte sie endgültig nach Peru zurück, nachdem ihr Vater in Chile festgenommen worden war: Die peruanische Justiz hatte einen Auslieferungsantrag gestellt.

Als erste Amtshandlung will sie ihren Vater begnadigen

Fujimori wollte von Santiago aus seine Rückkehr nach Peru vorbereiten, er träumte von einem politischen Comeback bei den Präsidentschaftswahlen 2006. Keiko schrieb ihn als Kandidaten ein, obwohl ein Gericht die Kandidatur wegen juristischer Probleme untersagt hatte, und begann eine politische Kampagne für ihren Vater. Im Jahr 2007 gaben die Chilenen nach langem politischen und diplomatischen Gezerre schließlich grünes Licht für die Auslieferung, seither sitzt Fujimori in einer Militärbasis am Stadtrand von Lima ein.

Keiko organisierte Solidaritätskomitees und Demonstrationen für ihren Vater, sie beriet sich mit den besten Anwälten des Landes, aber die Beweislage war zu erdrückend. In den kommenden Wochen wird die Mutter eines zweijährigen Sohnes erst einmal kürzer treten müssen: Sie ist schwanger.

Nach der Niederkunft wird sie sich jedoch ganz ihrer politischen Karriere widmen. Denn wenn sie tatsächlich eines Tages in den Präsidentenpalast einzieht, gibt es auch Hoffnung für Alberto Fujimori: Als erste Amtshandlung will sie ihren Vater begnadigen.



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