Sicherheit bei Großveranstaltungen Frankreich verlängert Ausnahmezustand zur Fußball-EM

Das französische Parlament hat beschlossen, den Ausnahmezustand im Land um zwei Monate zu verlängern. So sollen die Fußball-Europameisterschaft und die Tour de France besser geschützt werden.

Polizisten vor dem Stade de France
DPA

Polizisten vor dem Stade de France


Der Ausnahmezustand in Frankreich wäre am 26. Mai ausgelaufen. Nun hat ihn die Nationalversammlung am Donnerstag erneut verlängert. So soll die Sicherheit während der Fußball-Europameisterschaft besser gewährleistet werden. Den Behörden werden somit bis Ende Juli Sonderrechte im Antiterrorkampf eingeräumt.

Die Sonderrechte waren nach den Pariser Anschlägen im November verhängt worden. Drei islamistische Terrorkommandos hatten 130 Menschen in einem Konzertsaal, Kneipen und Restaurants in Paris sowie am Fußballstadion Stade de France im Vorort Saint-Denis getötet.

Die Abgeordneten in Paris stimmten mit klarer Mehrheit für die Verlängerung der Maßnahme. Vergangene Woche hatte bereits der Senat zugestimmt. Es ist die dritte und vermutlich letzte Ausweitung. Die Fußball-EM findet vom 10. Juni bis zum 10. Juli in ganz Frankreich statt. Das Radrennen Tour de France startet am 2. Juli am Mont-Saint-Michel und endet am 24. Juli in Paris.

Im Ausnahmezustand können die Behörden ohne Richterbeschluss Hausarrest verhängen und die Bewegungsfreiheit einschränken. Hausdurchsuchungen ohne richterliche Anordnung sollen anders als bisher aber nicht mehr möglich sein. Bürgerrechtsorganisationen hatten der Regierung wiederholt Unverhältnismäßigkeit bei den eingesetzten Mitteln vorgeworfen.

Warnung vor Welle von Bombenanschlägen

Der französische Geheimdienst hat am Donnerstag erneut vor Anschlägen während der EM gewarnt. Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) rüste sich für eine Welle von Bombenanschlägen ab Juni, hieß es. Geplant sei eine "neue Form des Angriffs", sagte der Chef des Inlandsgeheimdienstes, Patrick Calvar. Die Strategie zeichne sich dadurch aus, dass Sprengmittel an Orten mit großen Menschenmassen platziert werden sollten.

Auch das deutsche Bundeskriminalamt hat offenbar eine Warnung ausgesprochen. Laut "Bild"-Zeitung werde darin das Eröffnungsspiel zwischen Frankreich und Rumänien am 10. Juni sowie das Finale im Stade de France als besonders gefährdet eingestuft.

Auch einzelne Fußballteams seien gefährdet, unter ihnen die deutsche Mannschaft. Neu sind die Bedenken der Sicherheitsbehörden nicht. Der SPIEGEL hatte bereits im Februar über eine "hohe abstrakte Gefahr" berichtet, die für Fußballer und Fans bestehe.

vek/dpa/AFP

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