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08. November 2014, 10:54 Uhr

Zwangsarbeit in Katar

Nordkoreaner schuften als Staats-Sklaven auf Baustellen

Exportschlager Mensch: Nordkorea schickt im großen Stil Arbeiter nach Katar. Von ihrem Gehalt sehen die Beschäftigten kaum etwas - das meiste kassiert die Regierung in Pjöngjang. Menschenrechtsorganisationen sprechen von "moderner Sklaverei".

Tausende von Wanderarbeitern aus Nordkorea schuften seit Jahren auf Baustellen in Katar - praktisch ohne Bezahlung. Sie werden in den neuen Vierteln eingesetzt, die 2022 das Herzstück der umstrittenen Fußball-WM bilden sollen. Nach einem Bericht des "Guardian" sind die Männer so etwas wie "staatlich geförderte" Sklaven. "Wir sind hier, um Devisen für unsere Nation zu verdienen", sagte ein nordkoreanischer Arbeiter der Zeitung.

Die Gastarbeiter verbringen in der Regel drei Jahre in dem Golf Emirat. Bei ihrer Rückkehr nach Nordkorea erwarten sie, das volle Gehalt ausbezahlt zu bekommen. Doch nach einer Reihe von Zeugenaussagen erhalten die Arbeitnehmer meist weniger als zehn Prozent ihres mühsam erarbeiteten Verdienstes. Ihr Aufenthalt in Katar dient lediglich dem Regime. Dieses beschafft sich durch die Zwangsarbeiter neue Devisen.

Nordkoreas Wirtschaft ist isoliert und gehört zu den schwächsten der Welt. Das nordkoreanische Regime unter der Führung von Kim Jong Un sieht sich derzeit internationalen Sanktionen ausgesetzt. Diese haben zum Ziel, die Regierung in Pjöngjang zur Aufgabe des Atomprogramms zu zwingen.

Die Gastarbeiter kämpfen mit dem beißenden Wüstensand

In der weitläufigen Baustelle von Lusail City, wo die Nordkoreaner eingesetzt werden, nördlich der Hauptstadt Doha, seien vier Großbaustellen, sagte ein nordkoreanischer Arbeiter. In der Planstadt soll 2022 auch das WM-Finale stattfinden.

Die Nordkoreaner kämpfen schwer mit dem beißenden Wüstensand und arbeiten von früh morgens bis spät in der Nacht. Sie sind auch dann noch auf der Baustelle, wenn die Kollegen anderer Nationen sie längst verlassen haben, heißt es.

"Sie haben keinen einzigen Riyal für sich" und "leihen sich von uns Geld falls sie Kleinigkeiten wie Zigaretten benötigen", berichtete ein Projektmanager. Aidan McQuade, Direktor von Anti-Slavery International, der ältesten Menschenrechtsorganisation der Welt, sprach von "moderner Sklaverei".

Bis zu 65.000 Nordkoreaner arbeiten im Ausland

Schätzungen zufolge arbeiten in Katar mehr als 3000 Nordkoreaner. Sie sind Teil einer weltweiten Armee von Arbeitern des nordkoreanischen Regimes, um dringend benötige Devisen heranzuschaffen. Bis zu 65.000 Nordkoreaner arbeiten im Ausland, überwiegend in Russland, China, der Mongolei und im Nahen Osten.

Kim Joo-Il, ein im Jahr 2005 geflüchteter Armeeoffizier aus Nordkorea, schätzt, dass die Regierung etwa 70 Prozent des Gehalts der Arbeiter im Ausland kassiert. Nach Abzug der fiktiven Kosten für Essen und Unterkunft sollen den Arbeitern lediglich noch zehn Prozent bleiben.

Zwei Mitarbeiter der vom nordkoreanischen Staat geführten Rekrutierungszentren in Katar bestätigten, dass die Arbeiter ihre Gehälter nicht persönlich erhalten. Ein Teil des Geldes würde den Familien in Nordkorea geschickt, hieß es dort.

Die Situation von Gastarbeitern hatte sich zuletzt verbessert

Das Vorgehen der Regierung um Kim Jong Un zur Devisenbeschaffung ist kein großes Geheimnis. Vor wenigen Monaten hatte das US-Außenministerium die Behandlung ausländischer Arbeiter kritisiert, die für das Regime Fremdwährungen verdienten. In der Stellungnahme war auch von "Zwangsarbeit, Überwachung, Drohungen und Repressalien", seitens Nordkoreas die Rede.

Die Situation von Gastarbeitern in Katar hatte sich zuletzt verbessert, nachdem im vergangenen Jahr der "Guardian" über zahlreiche Todesfälle und Missbrauch der Menschen auf den Baustellen berichtet hatte. Im Mai dieses Jahres hatte das Emirat eine Reihe von Reformen angekündigt, um die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Arbeiter zu verbessern.

Ein Sprecher des Ministeriums für Arbeit und Soziales sagte: "Wir nehmen alle Fragen rund um die Bezahlung der Arbeiter sehr ernst. Derzeit seien 2800 nordkoreanische Gastarbeiter in Katar registriert, Beschwerden über ihre Bezahlung oder Behandlung liegen uns nicht vor. Katar ist entschlossen, die Arbeitsbedingungen für alle, die im Land arbeiten, zu verbessern."

Korrektur: In einer früheren Version dieses Textes hieß es, ..."nördlich der Hauptstadt Katar...". Richtig muss es natürlich heißen, "...nördlich der Hauptstadt Doha...". Der Fehler ist korrigiert, wir bitten ihn zu entschuldigen.

mhu

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