Fußball-WM EU-Abgeordnete wollen Einreiseverbot für Ahmadinedschad

EU-Abgeordnete aus mehreren Ländern wollen einen Besuch des iranischen Präsidenten Ahmadinedschad bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland verhindern. Ahmadinedschad solle rechtzeitig vor Beginn der WM zur "persona non grata" erklärt werden.

Brüssel - Die 75 Politiker riefen die Mitgliedstaaten der Europäischen Union heute dazu auf, ein europaweites Einreiseverbot für Mahmud Ahmadinedschad zu erlassen. Es solle so lange bestehen bleiben, bis dieser von seiner israel-feindlichen Haltung abrückt.

Der iranische Staatschef hatte unter anderem gefordert, Israel von der Landkarte zu tilgen. Es sei zwar unklar, ob der bekennende Fußball-Fan Ahmadinedschad überhaupt zur WM kommen werde, räumten die Parlamentarier ein. Dennoch forderten sie, dass die EU-Länder präventiv handeln. "Es gibt nichts, was die EU-Mitgliedsstaaten daran hindert, einzeln oder kollektiv eine Erklärung zu verabschieden, damit Ahmadinedschad kein Visum erhält und somit in keines der Länder reisen darf", betonte der konservative britische Abgeordnete Charles Tannock.

Mit den Einreiseverboten für den Präsidenten Weißrusslands, Alexander Lukaschenko, sowie Simbabwes Regierungschef Robert Mugabe lägen schließlich bereits Präzedenzfälle vor. "Und es gibt keinen Grund, warum das nicht auf Präsident Ahmadinedschad ausgeweitet werden dürfte."

In Frankfurt wurde heute eine Petition mit demselben Anliegen veröffentlicht. Zu den Unterzeichnern des Aufrufs gehören mehr als 4000 jüdische und nicht-jüdische Persönlichkeiten. Ahmadinedschad habe wiederholt den Holocaust geleugnet und zur Judenvernichtung aufgerufen. Für ihn dürfe es in Deutschland keine Gastfreundschaft und keine Eintrittskarte geben. Die Unterzeichner verlangten zudem ein Strafverfahren gegen Ahmadinedschad wegen Volksverhetzung und der Leugnung nationalsozialistischer Verbrechen.

Die Bundesregierung hat es bislang abgelehnt, Ahmadinedschad einen WM-Besuch zu untersagen oder die iranische Auswahl von dem Turnier auszuschließen. Ahmadinedschad selbst hatte es in einem SPIEGEL-Interview offen gelassen, ob er tatsächlich zu den Spielen anreisen wird.

Die 75 Abgeordneten, die die Initiative unterstützen, fordern, dass Ahmadinedschad Aussagen zurückzieht, in denen er den Holocaust anzweifelt und zur Zerstörung Israels aufruft. Zudem verlangen sie, dass die Regierung in Teheran endlich im Atomstreit einlenkt und wie von internationaler Seite gefordert ihre Nuklear-Aktivitäten einschränkt. Die USA und die EU verdächtigen das Land, unter dem Deckmantel eines Atomprogramms zur Energiegewinnung heimlich an der Entwicklung von Nuklearwaffen zu arbeiten. Iran hat dies zurückgewiesen.

Die WM beginnt am 9. Juni. Iran bestreitet seine drei Gruppenspiele in Nürnberg (11.6.), Frankfurt (17.6.) und Leipzig (21.6.).

ler/Reuters/dpa

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