G-20-Gipfel London im Obama-Fieber

Barack Obama ist auf seiner ersten Europareise als US-Präsident in London eingetroffen. Sein Terminkalender ist randvoll: Vier-Augen-Gespräche mit den Regierungschefs Russlands, Chinas und Indiens, eine Privataudienz bei der Queen - und ein Dinner von Fernsehkoch Jamie Oliver.

London - Der G-20-Gipfel beginnt erst am Mittwochabend, doch der Star ist schon da. Um 19.45 Uhr Ortszeit landete die "Air Force One" am Dienstag auf dem Flughafen Stansted bei London. US-Präsident Barack Obama und First Lady Michelle wurden auf dem Rollfeld vom britischen Schatzkanzler Alistair Darling und seiner Frau begrüßt. Mit dem Präsidentenhubschrauber "Marine One", der extra aus Washington gebracht worden war, flog das Paar dann weiter in die Residenz des US-Botschafters im Londoner Regent's Park.

Obamas Vorgänger George W. Bush war letztes Jahr noch in Heathrow gelandet. Die Sicherheitsvorkehrungen für seine zwei Jumbos und eine weitere Begleit-Boeing hatten aber ein dermaßen großes Chaos angerichtet, dass die Flughafenbetreiber und die kommerziellen Fluggesellschaften diesmal dafür gesorgt hatten, dass Obama auf den Billigflieger-Airport Stansted vor den Toren der Stadt umgeleitet wurde.

Der Besuch des mächtigsten Mannes der Welt versetzt selbst die coolen Briten in helle Aufregung. "In den nächsten Tagen ist London, nicht Washington, das schlagende Herz der amerikanischen Außenpolitik", schrieb der "Observer" nicht ohne Stolz. 500 Köpfe stark ist die Delegation des Weißen Hauses, damit der Präsident jederzeit alle Ressourcen zur Verfügung hat, um eine Weltkrise zu managen, eine Atomrakete zu zünden - oder ein Attentat zu überleben.

"Seit den Tagen der römischen Kaiser ist kaum ein ausländischer Führer mit einem so Furcht erregenden Tross auf britischem Boden angekommen", kommentierte die "Daily Mail". Insgesamt 35 Fahrzeuge hat das Weiße Haus aus den USA einfliegen lassen, darunter den drei Tonnen schweren Panzer-Cadillac des Präsidenten, dessen Spitzname alles sagt: "Das Biest".

Das Aufgebot umfasst allein 200 Sicherheitsbeamte, die man laut der britischen Presse "an ihren Ray-Ban-Sonnenbrillen" erkennen kann. Dazu kommen Dutzende Berater, Köche, Ärzte, Krankenschwestern und Obamas persönlicher Sekretär Reggie Love. Der 27-jährige schwarze Hüne, für Obama "der kleine Bruder, den ich nie hatte", versorgt den Präsidenten mit Nikotin-Kaugummis und wacht über seinen Blackberry.

Obama lernt Hu, Medwedew und Singh kennen

Das Programm lässt sich unter der Überschrift zusammenfassen: Obama trifft die Welt. Der US-Präsident nutzt die Gelegenheit, dass alle führenden Regierungschefs an einem Fleck sind, um die wichtigsten unter ihnen näher kennenzulernen. Nach einem Gespräch mit Gastgeber Gordon Brown trifft Obama am Mittwoch zum ersten Mal die Präsidenten Russlands und Chinas. In den Vier-Augen-Gesprächen mit Dmitri Medwedew und Hu Jintao gibt es einiges zu besprechen - die Beziehungen zu beiden Großmächten waren zuletzt eher frostig.

Mit seiner Frau Michelle fährt Obama dann zur halbstündigen Privataudienz bei Queen Elisabeth II., einem "formalen informellen Kennenlernen", wie es heißt, bevor die restlichen G-20-Regierungschefs am frühen Abend zum Gala-Empfang im Buckingham-Palast eintrudeln. Danach geht es zum Abendessen zu Gordon Brown in die Downing Street Nummer Zehn, wo Fernsehkoch Jamie Oliver für die G-20-Teilnehmer kocht.

Der Donnerstag, der eigentliche Gipfeltag, beginnt mit einem Arbeitsfrühstück im ExCel-Konferenzzentrum in den Docklands. Bis zum Nachmittag wird um die Abschlusserklärung gerungen, in der die G20 einen gemeinsamen Weg zur Bekämpfung der Weltwirtschaftskrise festhalten wollen. Nebenbei hält Obama weitere bilaterale Treffen ab, unter anderem mit dem indischen Premierminister Manmohan Singh.

Der Auftritt in London wird auf der Insel als erste große diplomatische Bewährungsprobe für den neuen US-Präsidenten beschrieben. Nachdem er sich seit seinem Amtsantritt vorwiegend um die heimische Wirtschaft gekümmert habe, tauche er nun in die Welt der Diplomatie ein, sagt BBC-Korrespondent Justin Webb.

Die amerikanische Residenz am Regent's Park ist während Obamas Aufenthalt in London weiträumig abgesperrt, schwere schwarze Stahlbarrieren sollen potenzielle Attentäter fernhalten. Auch von anderen ungebetenen Gästen dürfte Obama so verschont bleiben. Die "Times" erinnerte an einen Männerabend in einem Pub in Wokingham anno 1997, als er von einer Stripperin unangenehm überrascht wurde. Diesmal, so das Blatt, habe er hoffentlich einen angenehmeren Aufenthalt in England.

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