G-8-Gipfel China und Indien kommen Westen in Klimastreit entgegen

Umweltminister Gabriel spricht von "großen Erfolgen": Die Schwellenländer haben wichtige Zugeständnisse beim Klimaschutz gemacht. Erstmals erkannten sie an, dass die globale Durchschnittstemperatur nicht mehr als zwei Grad Celsius steigen darf - sie wollen den Ausstoß von Treibhausgasen reduzieren.


Berlin - Bei den Verhandlungen für den weltweiten Klimaschutz zeichnet sich ein Durchbruch ab. Wie Bundesumweltminister Sigmar Gabriel dem ARD-Hörfunkstudio Rom sagte, erkannten Staaten wie China, Indien und Brasilien bei Gesprächen in der italienischen Hauptstadt erstmals an, dass die globale Durchschnittstemperatur nicht mehr als zwei Grad Celsius steigen dürfe. Die Schwellenländer hätten außerdem akzeptiert, dass nicht nur die Industrieländer den Ausstoß von Treibhausgasen reduzieren müssten, sondern auch sie selbst.

Gabriel nannte dies den Angaben zufolge die "beiden großen Erfolge" der Beratungen, die der Vorbereitung der Klimaverhandlungen am Rande des G-8-Gipfels im italienischen L'Aquila dienten. Der Bundesumweltminister räumte allerdings ein, dass es trotz intensiver Bemühungen der Industrienationen nicht gelungen sei, konkrete Maßnahmen zur Treibhausgasreduktion festzuschreiben.

Beim diesjährigen Gipfel der sieben führenden Industriestaaten und Russlands, der an diesem Mittwoch im mittelitalienischen L'Aquila beginnt, nimmt der Kampf gegen den Klimawandel erneut einen wichtigen Platz auf der Tagesordnung ein. Am Rande des Gipfels treffen sich am Donnerstag die Staaten des Major Economies Forum (MEF), das die G8 und acht Schwellenländer mit großem Treibhausgasausstoß umfasst. Gemeinsam sind die 16 Staaten für 80 Prozent der klimaschädlichen Gase weltweit verantwortlich.

Beim G-8-Gipfel sind neben dem Klimaschutz die Bewältigung der Wirtschaftskrise und die Entwicklungshilfe zentrale Themen. Außerdem geht es um die Lage in Iran, Nordkorea, Afghanistan und Pakistan sowie den Nahost-Konflikt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel will beim G-8-Gipfel auf möglichst ehrgeizige Ziele zur Verringerung des Kohlendioxidausstoßes dringen und über Strategien zum Ausstieg aus den milliardenschweren Konjunkturprogrammen reden. Zu der dreitägigen Konferenz werden insgesamt 28 Staaten sowie neun internationale Organisationen erwartet.

Der chinesische Präsident Hu Jintao nimmt wegen der Unruhen in der Region Xinjiang aber nicht an dem Treffen teil. Hu brach einen Staatsbesuch in Italien ab und reiste nach China zurück. Auch sein Besuch in Portugal wurde gestrichen. Hu wird vom stellvertretenden Außenminister Dai Bingguo vertreten.

Das G-8-Treffen ist das größte seit Gründung des Verbundes 1975. Ursprünglich sollte es auf der Mittelmeerinsel La Maddalena bei Sardinien stattfinden. Nach dem verheerenden Erdbeben vom 6. April in den Abruzzen verlegte Ministerpräsident Silvio Berlusconi das Treffen in die Katastrophenregion.

Merkel will sich am Mittwoch vor Beginn des Gipfels ein Bild von den Zerstörungen machen. Zusammen mit Berlusconi besucht sie den Ort Onna, von dessen rund 300 Einwohnern 41 bei dem Erdbeben umkamen. Deutschland hat bis zu drei Millionen Euro Aufbauhilfe versprochen. Der Ort war 1944 Schauplatz eines Massakers der Wehrmacht. Sie trieb 17 unschuldige Zivilisten, darunter Frauen und Kinder, in einer Vergeltungsaktion in ein Gebäude, ermordete sie und sprengte das Haus anschließend.

hen/AFP/AP/Reuters



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