Treffen zwischen Trump und Putin Vertragt euch

Die Vorzeichen sind schlecht: Donald Trump attackiert Russland - einen Tag vor dem ersten Treffen mit Wladimir Putin. Dabei wäre ein entspanntes Verhältnis beider Länder entscheidend für die weltpolitische Stabilität.
Präsidenten Trump, Putin

Präsidenten Trump, Putin

Foto: AP; Reuters

Auf seinem Weg ins Weiße Haus war Donald Trump voller Bewunderung für den russischen Präsidenten. Er nannte Wladimir Putin einen "starken Führer" und versprach: "Wir werden eine großartige Beziehung mit Putin und Russland haben."

Das ist nicht lange her - und scheint doch sehr weit weg. Kaum etwas hat Trump zu Hause so geschadet wie seine tatsächliche oder vermeintliche Russland-Connection, die seit einigen Wochen durch einen Sonderermittler aufgeklärt wird. Und just einen Tag vor dem mit Spannung erwarteten ersten Treffen der beiden Präsidenten, teilt Trump noch einmal aus: Bei einem Besuch in Polen warf er Russland "destabilisierendes" Verhalten vor. Der Kreml wies dies umgehend zurück.

Von einer "großartigen Beziehung" zwischen den USA und Russland kann gerade wirklich keine Rede sein. Für den Rest der Welt ist das eine schlechte Nachricht.

Nun also die persönliche Begegnung, beim G20-Gipfel in Hamburg (verfolgen Sie die aktuelle Entwicklung im Newsblog). Könnte das ein Wendepunkt werden? Wenn der US-Präsident den russischen Autokraten mal wieder ein bisschen umschmeicheln würde, wäre das ein Akt kluger Diplomatie. Dass Trumps Vorgänger Barack Obama sich dazu hinreißen ließ, Russland als "Regionalmacht" zu verspotten, ist in Moskau unvergessen. Die alte Sehnsucht nach internationaler Anerkennung ist dort sehr lebendig.

Ein kleiner historischer Rückblick zeigt: Die politische Weltlage wurde meistens stabiler, wenn sich die führenden Männer aus Washington und Moskau von gleich zu gleich begegnet sind.

  • Das erste persönliche Treffen zwischen einem US-Präsidenten und einem Kreml-Herrscher fand 1943 statt, während des Zweiten Weltkriegs. In Teheran trafen sich Franklin D. Roosevelt, Josef Stalin und der Brite Winston Churchill, um den Kampf gegen Hitler-Deutschland zu koordinieren. Die beiden demokratischen Politiker hatten große Schwierigkeiten im Umgang mit dem Diktator befürchtet. Doch dann zeigte sich Stalin in Teheran als Freundlichkeit in Person und erläuterte lang und breit die sowjetische Strategie. Die westliche Zusammenarbeit mit dem Sowjetführer (und Massenmörder) Stalin erwies sich als vollkommen richtig, denn sonst hätten die Nazis wohl den Krieg gewonnen.
  • Im anschließenden Kalten Krieg kam es zu einer äußerst bedrohlichen Situation, als die Sowjets 1962 auf Kuba Atomraketen stationieren wollten. Dass es den Staatsführern John F. Kennedy und Nikita Chruschtschow gelang, einen Atomkrieg gerade noch abzuwenden, lag wahrscheinlich auch daran, dass die beiden im Jahr zuvor in Wien ausführlich miteinander gesprochen hatten.
  • Zu ersten Abrüstungsverträgen kam es in den Siebzigerjahren nach Begegnungen zwischen Richard Nixon und Leonid Breschnew.
  • Noch besser lief es dann zwischen Ronald Reagan und Michail Gorbatschow, die 1986 in der isländischen Hauptstadt Reykjavik hart miteinander verhandelten. Obwohl das Gipfeltreffen ohne konkretes Ergebnis blieb, war der Boden für eines der wichtigsten amerikanisch-sowjetischen Abkommen bereitet: 1987 schlossen die beiden Länder den INF-Vertrag, der unter anderem zur Verschrottung der landgestützten Mittelstrecken-Atomraketen führte, die im Einsatzfall Deutschland und Mitteleuropa verwüstet hätten.
  • Nach dem Untergang der Sowjetunion war es Bill Clinton, der seinen Charme in Gesprächen mit Boris Jelzin spielen ließ und die Demokratisierung Russlands unterstützte. Die Einführung kapitalistischer Spielregeln für die Wirtschaft gehörte mit zum Paket. Auf Betreiben von Clinton und dem britischen Premierminister Tony Blair wurde Russland 1997 sogar in den Kreis der führenden Industriestaaten aufgenommen, der sich dadurch von G7 auf G8 erweiterte. Moskau schien auf dem westlichen Weg voranzuschreiten.
Politiker Reagan, Gorbatschow (1985)

Politiker Reagan, Gorbatschow (1985)

Foto: DEUGHERTY/ AP

Dass und warum es vor einigen Jahren zum Bruch kam, ist eine andere Geschichte; sie handelt von geopolitischen Interessen, russischer Nostalgie, westlicher Überheblichkeit und verletztem Stolz. Dass die Welt dadurch sicherer geworden ist, wird kaum jemand behaupten.

Es gibt deshalb gute Gründe, den russischen Präsidenten mit großer Aufmerksamkeit zu behandeln. Das bedeutet nicht, ihm nach dem Mund zu reden oder Probleme auszublenden. Reagan und Gorbatschow haben es vorgemacht. Eine gute Figur hat Ende Mai auch der neue französische Präsident Emmanuel Macron abgegeben. Als ersten Staatsgast lud er Wladimir Putin nach Paris ein und empfing ihn mit großem Pomp in Versailles.

Aber Macron hat seinen Gast nicht bloß charmiert, sondern ihm auf offener Bühne die russischen Fehler vorgehalten. Mit diesem Rezept könnte auch der US-Präsident arbeiten, es ist eigentlich ganz einfach: Respekt und klare Worte.