G20-Gipfel in Osaka Mit Sicherheit nicht Hamburg

Für den G20-Gipfel wird Osaka zur Festung, 32.000 Einsatzkräfte sichern die Stadt. Straßenschlachten und Vandalismus wie vor zwei Jahren in Hamburg? Unwahrscheinlich.

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Aus Osaka berichtet


Schon am Morgen ist ungewöhnlich viel los in Osakas Schlosspark: Da laufen die üblichen Jogger, da radeln Eltern in Regencapes. Doch da gehen auch dunkel gekleidete Helfer zielstrebig auf das Innere der Festung zu und verschwinden durch ein kunstvolles Holztor. Eintritt nur für autorisiertes Personal. Dann wird geschraubt und aufgebaut.

Denn hinter dem Holztor wird Japan als Gastgeber des G20-Gipfels am Freitag Staats- und Regierungschefs aus aller Welt bewirten. Sie werden im Geihinkan dinieren, dem früheren Gästehaus der Stadt, gesäumt von 600 Kirschbäumen. Sollte es nicht regnen, werden die Gäste den Blick auf die goldenen Spitzen des Schlosses genießen können und den Duft von Blüten in der warmen Luft riechen. Und sie werden von einem mehrere Meter breiten Burggraben umgeben sein.

32.000 Sicherheitskräfte aus ganz Japan sind für den G20-Gipfel in Osaka im Einsatz. Schnellstraßen und Teile der Innenstadt sind bereits jetzt abgesperrt. Polizeibusse stehen über Kilometer an leeren Straßen. Mitten am Tag kein einziges Auto unterwegs auf achtspurigen Stadtautobahnen.

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G20-Gipfel in Osaka: Trump, tanzende Seniorinnen und Tausende Polizisten

Plakate informieren über den G20-Gipfel und die Sicherheitsmaßnahmen - dazu gehören zugeklebte Schließfächer und versiegelter Mülleimer. Osaka soll kein zweites Hamburg werden.

Vor zwei Jahren eskalierten die Proteste gegen den G20-Gipfel in der Hansestadt, als vermummte Autonome randalierten, Supermärkte plünderten, eine Bank anzündeten. Zeitweise verlor die Polizei die Kontrolle.

In Hamburg hatten auch friedliche Gruppen wie Greenpeace und Oxfam mit einer "Protestwelle" demonstriert, doch diese Organisationen werden dieses Mal nicht zu Protesten aufrufen. Greenpeace sagt, man habe sich entschieden, sich "auf andere Dinge bei G20 zu fokussieren". Auch Oxfam erklärt, man habe durch den Austausch mit Ministerien und Chefunterhändlern die Vorbereitung des Treffens begleitet.

"Es bedeutet viel, wenn jetzt Schüler kommen und Plakate hochhalten"

So wird es am Freitag wohl nur einige kleinere Kundgebungen in Osaka geben. Vergangene Woche stand Himeka Sato, 23, schon in der Innenstadt und protestierte mit anderen jungen Japanern. In ihrer Rede, erzählt sie später, habe sie die Staats- und Regierungschefs zum Handeln aufgerufen, endlich gegen Klimawandel und Artensterben zu kämpfen. "Wenn ich alt bin, werden mich meine Enkel fragen: Ihr hattet doch damals noch Zeit, warum habt ihr nichts dagegen getan?"

Sato hat Deutschland vor vier Jahren besucht: Ihre Gasteltern trennten selbstverständlich Müll und aßen Bio-Lebensmittel. "Auch Japaner sollten umweltbewusstes Handeln nicht als Bürde wahrnehmen, sondern merken, dass sie davon profitieren."

Himeka Sato, Aktivistin in Osaka: "Japan hat eigentlich keine Protestkultur"
Katharina Peters

Himeka Sato, Aktivistin in Osaka: "Japan hat eigentlich keine Protestkultur"

Sato studiert Umweltökonomik und gehört "Climate Youth Japan" an, einer kleinen Gruppe von Aktivisten, die den Wandel in Japan mitgestalten möchte - denn noch immer unternimmt die Regierung in Tokio ihrer Ansicht nach zu wenig. Die Gruppe sieht sich als Teil einer weltweiten Protestbewegung junger Menschen und nimmt an "Fridays for Future" teil.

Zum Protest in Osaka kamen nur 50 Bürger. Auch wenn das wenige seien, meint Sato, es würden immer mehr. "Japan hat eigentlich keine Protestkultur, und daher bedeutet es viel, wenn jetzt Schüler kommen und Plakate hochhalten."

Handel bleibt das bedeutendste Thema

Energie und Umwelt - wie etwa den Kampf gegen Plastikmüll - hat die japanische Regierung zu den zentralen Themen dieses Gipfels erklärt. Auch Digitalisierung und Innovation gehören zu wichtigen Feldern. Doch das wohl bedeutendste ist das Thema Handel, befeuert von dem Handelsstreit zwischen den USA und China: Die Präsidenten Donald Trump und Xi Jinping treffen persönlich aufeinander.

US-Präsident Trump: Große Aufmerksamkeit
Kevin Lamarque/ REUTERS

US-Präsident Trump: Große Aufmerksamkeit

Außerdem dürfte die atomare Abrüstung Nordkoreas zur Sprache kommen, wenn Südkoreas Präsident Moon Jae In ebenfalls Xi sowie Russlands Staatschef Wladimir Putin treffen wird. Die Spannungen um Iran und das Südchinesische Meer dürften ebenfalls Thema werden.

Bewohner sind bester Laune

Die Bewohner von Osaka bleiben recht locker. Einer jungen Angestellten wurde nahegelegt, an den Tagen des Gipfels Urlaub zu nehmen, und so geht sie mit ihrem Freund ins Kino. "Sonst nehme ich mir nicht viel frei, also ist das ganz gut", sagte sie und drückt sich an ihn.

Eine 60-jährige Hausfrau, die in einer Buchhandlung stöbert, sagt, sie finde es sehr gut, dass Osaka ausgewählt worden sei. Sie wohnt in der Nähe des Imperial Hotel, in dem Trump während seines Aufenthalts residiert. Die Polizisten hat sie gleich mal fotografiert.

Am Donnerstagmittag, noch vor Ankunft des US-Präsidenten, patrouilliert ein Polizeiboot im Fluss vor dem Hotel, während um Gebäude ganze Straßenblöcke abgesperrt sind. Der Spielplatz davor darf nicht mehr betreten werden. Die Tierklinik, Restaurants, Supermärkte haben geschlossen. Die Hausbewohner werden mit Schildern darüber informiert, dass der Plan der Müllabfuhr sich wegen G20 geändert habe, man möge das bitte beachten.

Nur einige Kioske und das Café "Hampton Court" sind noch offen. "Meine Kunden wollen das so", sagt der Besitzer. Dass nun viele nicht kommen würden, sei schon ärgerlich. Vermutlich schließe man früher an den kommenden Tagen. "Aber es sind ja nur vier Tage. Wir müssen geduldig sein."

Einige Bewohner sind sogar bester Laune. Der 55 Jahre alte Yoshinori Sato freut sich, dass Osaka endlich Aufmerksamkeit bekommt. "Die Leute sollen wissen, dass es toll hier ist - die Vielfalt der Küche, die leidenschaftlichen Menschen, das abwechslungsreiche Stadtbild."



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