Umstrittene nordkoreanische Raketentests Trump nimmt Kim Jong Un in Schutz

Unmittelbar vor dem G7-Gipfel provozierte Nordkorea mit einem neuerlichen Raketentest. Er sei darüber zwar nicht glücklich, sagte US-Präsident Trump. Das Land verstoße damit aber nicht gegen Abkommen.

Donald Trump beim G7-Gipfel in Biarritz: "Eine Menge Leute testen Kurzstreckenraketen"
Andrew Harnik/ REUTERS

Donald Trump beim G7-Gipfel in Biarritz: "Eine Menge Leute testen Kurzstreckenraketen"


Bei seinem jüngsten Waffentest hat die selbst erklärte Atommacht Nordkorea laut eigenen Angaben ein "neu entwickeltes supergroßes" Mehrfach-Raketenwerfersystem erprobt. Machthaber Kim Jong Un selbst habe den Test am Samstag angeleitet, berichteten Staatsmedien.

Es war bereits der siebte Start ballistischer Kurzstreckenraketen durch Nordkorea seit dem Treffen von US-Präsident Trump und Kim Jong Un im Juni. Dennoch reagierte Trump betont gelassen. Er erklärte auf dem G7-Gipfel in Biarritz, er sei zwar nicht glücklich über die Raketentests Nordkoreas, das Land verstoße dabei aber nicht gegen Abkommen.

"Eine Menge Leute testen Kurzstreckenraketen, nicht nur Kim Jong Un", sagte Trump. Er vertraue darauf, dass Kim "das Richtige tun wird". Dann stellte der US-Präsident ein weiteres Treffen mit dem nordkoreanischen Machthaber in Aussicht.

Japans Ministerpräsident Shinzo Abe zeigte sich weniger lässig: Er kritisierte den Raketentest als klaren Verstoß gegen die Uno-Sanktionen, die gegen Nordkorea in Kraft sind.

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un und US-Präsident Donald Trump bei einem Treffen im Juni
Brendan Smialowski/ AFP

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un und US-Präsident Donald Trump bei einem Treffen im Juni

Tests mit ballistischen Raketen jeglicher Reichweite sind Nordkorea, das mehrfach Atombomben getestet hat, durch Uno-Resolutionen untersagt. Derartige Raketen sind in aller Regel Boden-Boden-Raketen, die einen konventionellen, chemischen, biologischen oder atomaren Sprengkopf befördern können.

Laut Angaben des südkoreanischen Militärs hat Nordkorea am Samstagmorgen an seiner Ostküste mutmaßlich zwei Kurzstreckenraketen gezündet, die in einer Höhe von 97 Kilometern eine Strecke von etwa 380 Kilometer geflogen seien.

Südkorea hat - wie schon bei den vorangegangenen Waffentests des Nachbarlands - den Nationalen Sicherheitsrat einberufen. Der Rat forderte die kommunistische Regierung in Pjöngjang auf, alles zu unterlassen, was die Spannungen in der Region erhöhen könnten.

In Südkorea wird spekuliert, Nordkorea könnte mit seinen Waffentests versuchen, die Oberhand bei neuen Verhandlungen mit den USA zu gewinnen. Bereits in den Wochen zuvor hatte Pjöngjang ein Militärmanöver der USA mit Südkorea zum Anlass für mehrere Raketentests genommen.

Seoul wertete die Tests des abgeschotteten Nachbarlands jeweils als Machtdemonstration, die den Unmut Pjöngjangs über die Manöver zeigen sollten. Die USA und Südkorea hatten die Übungen am vergangenen Dienstag beendet.

Drei Treffen zwischen Trump und Kim in Singapur, Hanoi und zuletzt Ende Juni in der demilitarisierten Zone an der Grenze zwischen Nord- und Südkorea haben bislang keine Fortschritte bei der angestrebten atomaren Abrüstung des isolierten Landes gebracht.

ala/dpa/AP

insgesamt 11 Beiträge
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georgishukow 25.08.2019
1. Hm?
Zitat: "Eine Menge Leute testen Kurzstreckenraketen, nicht nur Kim Jong Un", sagte Trump. Man kann über ihn Denken was man will! Aber hier hat er recht. Leider!
tinosaurus 25.08.2019
2. Trump
hat sicherlich seine Wiederwahl im Auge und da passt auch nicht, dass seine Treffen mit Kim keine Erfolge erzielen konnten. Bislang hat er nur unsinnige Handelskriege angefangen und glänzt lediglich durch Unfähigkeit. Seine verblendeten Anhänger werden das nicht wahrhaben wollen. Hätte nicht gedacht, dass er in so kurzer Zeit soviel zerstören könnte. Amerika wird lange brauchen, um sich von diesem Präsidenten zu erholen.
don_spon 25.08.2019
3. Gerade nicht erstaunlich
Schließlich ist Kim ja sein Freund. Genau wie Putin und der Killerprinz von Saudiarabien. Wenn man den Status erstmal hat, kann man sich eben einiges rausnehmen.Im Ernst hat Trump immer noch nicht realisiert, das Kim ihn ausnutzt. Kim wird im Leben keine Zugeständnisse an Trump machen, solange sie seine Macht gefährden könnten. Trump will die Freundschaft mit einem Mann, der seinen eigenen Onkel hinrichten lies, damit er als Friedensfürst in die Geschichte einzugehen.
kerlemann 25.08.2019
4. Trumps zu erwartende Reaktion ...
... und die einzige, die ihm möglich ist. Wenn der briliante Kopf, der nie einen Fehler macht anerkennen würde, dass Kim Jong Un gegen Auflagen verstoßen hätte, und seien es auch "nur" Uno-Sanktionen, könnte ja der Eindruck entstehen, der "great negotiatior" sei unwissend und planlos, oder hätte wohl möglich sogar einen Fehler gemacht.
architekt09 25.08.2019
5. Stachel im Fleisch Chinas
Der einzige Sinn könnte sein, China an seiner Grenze einen weiteren Verbündeten Amerikas zu positionieren. Alles andere wäre der helle Wahnsinn.
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