G7-Treffen im Schloss Elmau Schöner gipfeln unter Gipfeln

Großaufgebot für den G7-Gipfel im Schloss Elmau: Rund 15.000 Polizisten sind im Juni im Einsatz, um die Mächtigen der Welt zu bewachen. Schnell werden rund um den Schauplatz noch Schönheitsreparaturen durchgeführt.

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Noch sind die Handwerker beschäftigt mit dem Neubau am Luxus-Hideaway Schloss Elmau, dem "Elmau-Retreat". 47 Zimmer können ab Samstag im 40-Millionen-Euro-Gebäude bezogen werden, davon 13 Suiten mit mindestens 120 Quadratmetern. Ein handwarmer Pool liegt vor den Balkonen der ersten Etage, ein zweiter darunter vor der Terrasse des Erdgeschosses.

Kanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Barack Obama könnten hier am 7. und 8. Juni beim Treffen der sieben größten Industrienationen ruhen, zusammen mit fünf weiteren Staatschefs und zwei hohen EU-Vertretern. Vor ihnen dehnt sich die Kulisse hinauf zum massiven Wettersteingebirge. Wunderbar für die prominenten Gäste, aber schwierig für die Polizei.

Seit mehr als einem Jahr bastelt Bayern zusammen mit der Bundespolizei an einem Sicherheitskonzept zur Bewachung der Tagungsteilnehmer. Mindestens 15.000 Polizisten werden schon Wochen vor dem G7-Gipfel im Einsatz sein, 7500 aus Bayern und noch einmal so viele aus anderen Ländern und vom Bund. Sie sollen nicht nur den Münchner Flughafen sichern, wo die Politiker landen, oder die Münchner City, wo Berater und Mitarbeiter der Staatschef logieren - sondern vor allem die Straßen, Gleise und Hänge rund um Elmau. Ein Mammutprojekt. Schwer vorstellbar, wie in den weiten Wäldern und Wiesen der Gebirgslandschaft verhindert werden soll, dass sich Gegner des Gipfels dem Tagungsort nähern.

Zwar sind auch Polizeibeamte auf entlegenen Almen stationiert, doch eine endgültige Garantie zu geben, ist unmöglich. So stellt man sich im bayerischen Innenministerium etwa die Frage, wie zu verfahren wäre, wenn sich ein Gleitschirmflieger dem Hotel nähert. Womöglich handelt es sich ja dann nur um einen Sportler, der von der Route abkam. "Dann müssen wir warten, bis er am Boden ist", sagt Innenminister Joachim Herrmann.

Der CSU-Politiker reiste am Freitag mit Journalisten nach Elmau, um die Vorbereitungen auf den Gipfel zu präsentieren. Dass es unkompliziertere Tagungsorte gibt, ist keine Frage. "In Heiligendamm sah man lange vorher, wenn sich am Strand ein Spaziergänger nähert. Hier ist das etwas anders", sagt Herrmann.

Also setzt die Polizei auf Vorbeugung: Die Bundesregierung wird bei der EU beantragen, kurze Zeit vor dem Gipfel die Grenzkontrollen an deutschen Außengrenzen wieder aufzunehmen. Für Urlauber vor allem aus Bayern, die dann aus den Pfingstferien zurückkehren, bedeutet das lange Staus vor den Grenzen, Ausweise vorzeigen und möglicherweise Fahrzeugkontrollen. Auch die österreichische Polizei ist in das Sicherheitskonzept eingebunden. Er könne sich gut vorstellen, dass es bereits am Brenner Grenzkontrollen geben werde, sagte Herrmann - vor allem nach den Blockupy-Krawallen in Frankfurt, wo viele gewaltbereite Demonstranten aus Italien angereist waren. Zugleich werden verdächtige Personen in Europa überprüft, die bei den vorangegangenen Gipfeltreffen festgenommen wurden.

"Internet in jedem Kuhstall"

Profitiert haben bislang vom Treffen der Mächtigen vor allem die Bürger der Ortschaften Krün und Klais: Die lange Zufahrtstraße nach Elmau wurde neu geteert, unter der Straßendecke liegt nun ein High-Speed-Kabel für schnellen Internetanschluss. "In Krün hat nun jeder Kuhstall WLAN", spotten die Anwohner. Die Bahnsteige und Gleise an den Bahnhöfen in Klais und Mittenwald wurden auf Staatskosten erneuert, der Bahn fehlte das Geld.

Es ist ein bisschen wie zu DDR-Zeiten, als die Häuser an der Schönhauser Allee in Berlin immer frisch gestrichen waren - aber nur in Sichthöhe - und die Straße eine der wenigen ohne Schlaglöcher war, weil Politbüro-Mitglieder sie mit ihren Volvos auf dem Weg nach Wandlitz passierten.

Neben dem Schloss wurde ein Hubschrauberlandeplatz neu geteert, nach dem Treffen muss das Gelände renaturiert werden. Nahezu alle Hotels und Pensionen im Umkreis sind Anfang Juni von Polizeibeamten blockiert, deren Verpflegung sich mittlerweile als besondere Herausforderung herausstellt: Heimische Metzger boten sich kürzlich an, Leberkässemmeln für gut elf Euro pro Stück an die Hundertschaften zu liefern. Das habe man inzwischen auf ein erträgliches Niveau heruntergehandelt, berichtet der Innenminister.

Nicht mehr zu ändern ist eine kleine Störung am Eröffnungsabend im Medienzentrums Garmisch, wo die Kanzlerin und Ministerpräsident Horst Seehofer rund 4500 Journalisten begrüßen werden: Zeitgleich findet das Endspiel der Fußball-Champions League statt. Das Interesse an politischen Gesprächen dürfte sich dann vermutlich etwas in Grenzen halten.



insgesamt 28 Beiträge
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musca 20.03.2015
1. Schönes Alpenpanorama.
Wirkt irgendwie nach Alpenfestungsgipfel der nächste G7- Gipfel. Das traurige ist, das nun schon 15.000 Polizeibeamte gebraucht werden um da für Sicherheit zu garantieren. Was in Frankfurt jüngst an Gewalt eskaliert und passiert ist , ist in keinster Weise zu entschuldigen. Es darf trotzdem auch nicht vergessen werden, dass die Politik sich leider immer mehr und weiter von den Belangen, Sorgen, Ängste der ganz normalen Bürger immer weiter entfernt. Es bräuchte sonst gar keine abgeschottene Gipfeltreffen und auch keine 15.000 Polizeibeamte welche dieses politische Narrentreffen bewachen. Die Fehler liegen in Jahre, vielleicht jahrzehntelanger stets schlechter werdenen Politik - nicht unbedingt daran, das der Bürger nun allgemein "agressiver" gegenüber seinen ( eigentlich gewählten Volksvertretern) geworden sein könnte.
dunnhaupt 20.03.2015
2. Absurder Tagungsort
Ohne jeden Zweifel steckt Seehofer hinter dieser idiotischen Idee. Falls aber wirklich etwas passieren sollte, dann werden die Medien natürlich meckern: "Also wirklich, wie konnte man nur, warum denn ausgerechnet dort, das hätte man doch" usw usw usw. Der Petersberg wäre bestimmt einfacher gewesen. Aber wir zahlen es ja gern, wenn zur Bewachung der sechs hohen Gäste 15.000 Polizisten auf Kosten der Steuerzahler in den umliegenden Hotels untergebracht werden müssen.
mistergarak 20.03.2015
3. Traurig aber wahr...
Zitat von muscaWirkt irgendwie nach Alpenfestungsgipfel der nächste G7- Gipfel. Das traurige ist, das nun schon 15.000 Polizeibeamte gebraucht werden um da für Sicherheit zu garantieren. Was in Frankfurt jüngst an Gewalt eskaliert und passiert ist , ist in keinster Weise zu entschuldigen. Es darf trotzdem auch nicht vergessen werden, dass die Politik sich leider immer mehr und weiter von den Belangen, Sorgen, Ängste der ganz normalen Bürger immer weiter entfernt. Es bräuchte sonst gar keine abgeschottene Gipfeltreffen und auch keine 15.000 Polizeibeamte welche dieses politische Narrentreffen bewachen. Die Fehler liegen in Jahre, vielleicht jahrzehntelanger stets schlechter werdenen Politik - nicht unbedingt daran, das der Bürger nun allgemein "agressiver" gegenüber seinen ( eigentlich gewählten Volksvertretern) geworden sein könnte.
sie haben leider vollkommen Recht. Wenn man aber die Damen und Herren da oben auf ihre Fehlleistungen anspricht erntet man nur herablassende Argumente ala: der Bürger versteht uns nicht, wir tun doch alles für den Bürger, vielleicht gibt es Probleme aber die machen die anderen (Parteien), geben sie uns nur noch ein bisschen Zeit dann wird es besser! Kein Wunder das sich immer mehr Menschen von diesem Kasperletheater das sich Politik nennt abwenden!
ilidza 20.03.2015
4. Warum?
Warum machen die das nicht an Orten, wo es keine 15000 Polizisten braucht? Und geschweige denn die ganzen Bauarbeiten vorher. Laut dem Innenministerium Bayerns kostet der G7-Gipfel das Land ca. 130 Millionen €! Wie wärs denn mit einem Schiff mitten im Atlantik/Pazifik, jedes Land bringt ein paar Kriegsschiffe mit und bewacht das Boot. Da kommen sicher keine Spinner und machen Krawalle. Oder auf einer ausgedienten Bohrinsel - die kann man doch schön ausbauen und sich dann dort regelmäßig treffen, ohne JEDES Jahr aufs neue hunderte Millionen € zu verschwenden.
oldhenry49 20.03.2015
5. Es gibt auf dieser Welt
unzählige nette Inseln,mit guten Hotelanlagen,die man ganz einfach abschirmen könnte. Statt dessen müssen jedesmal viele Millionen dafür ausgegeben werden,damit diese Herrschaften tagen können. Liebe Politiker,nehmt endlich einmal Rücksicht auf die Bürger,die für diesen Wahnsinn bezahlen müssen.Ob durhch Steuern oder Unannehmlichkeiten beim freien Zugang zu ihren Wohnungen.
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