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G7 in Japan: Politik vor dem Schrein der Sonnengöttin

Foto: Eugene Hoshiko/ AP

Fakten zum Gipfel in Japan Die G7-Bosse und die Sonnengöttin

Zehntausende Polizisten sind im Einsatz, wenn sich die Staats- und Regierungschefs der G7 in Japan treffen. Worum geht es? Was sind die Knackpunkte? Die wichtigsten Fakten.

Vor einem Jahr, beim G7-Gipfel im bayerischen Elmau, beschäftigten Schlossgespenster die teilnehmenden Staats- und Regierungschefs. Damit waren aber scherzhaft Kremlchef Putin und Griechenlands Premier Tsipras gemeint - weil sie zwar nicht anwesend waren, aber eine wichtige Rolle bei dem Treffen spielten.

Jetzt bekommen es Angela Merkel, Barack Obama und die anderen Spitzenpolitiker mit einer Sonnengöttin namens Amaterasu Omikami zu tun. Denn diese wird in Ise-Shima, wo Japans Premier Shinzo Abe seine Gäste empfängt, verehrt. Der Shinto-Schrein ist eine der heiligsten Stätten des Landes. Abe will seine Gäste hier zum Auftakt begrüßen, um der Welt Japans Kultur und seine religiösen Traditionen zu zeigen.

Aber jenseits des Begleitprogramms: Was sind die wichtigsten Fakten zum G7-Gipfel? Der Überblick:

Der Tagungsort:

Der Gipfel wird im fast ganz von Wasser umgebenen Resorthotel "Kanko" auf der Insel Kashikojima in der Präfektur Mie stattfinden. Das Hotel ist für seine atemberaubende Aussicht aufs Meer bekannt.

Kashikojima ist eine von mehr als 50 Inseln in der Ago-Bucht, wo nach Angaben der japanischen Regierung 1893 die weltweit erste Perlenzucht entstand.

Die Insel ist nur über zwei Brücken zu erreichen, während des Gipfels also gut zu überwachen.

Sicherheitsvorkehrungen:

Japan betreibt für den Schutz der Gipfelteilnehmer einen so großen Aufwand wie kaum zuvor in den vergangenen Jahrzehnten:

  • 23.000 Polizisten sind im Einsatz.
  • Der Zerstörer "Izumo" liegt in den Gewässern um das Tagungshotel vor Anker. Hinzu kommen rund hundert kleinere Schiffe der Küstenwache.
  • 5000 Polizisten sind dabei, wenn US-Präsident Obama nach dem Gipfel Hiroshima besucht.
  • Sogar in der 300 Kilometer entfernten Hauptstadt Tokio wurden rund 19.000 Polizisten mobilisiert.
  • Die Bahngesellschaft East Japan Railway will am Donnerstag und Freitag Müllbehälter in Hochgeschwindigkeitszügen sowie auf größeren Bahnhöfen versiegeln.
  • Wegen des eingeschränkten Straßenverkehrs haben einige Schulen in der Präfektur Mie ihren Kindern schulfrei gegeben.
  • Besucher des Flughafens Chubu International Airport werden bereits vor Betreten des Terminals überprüft, die Aussichtsplattform ist geschlossen.

Die wichtigsten Themen:

Rechtlich bindende Beschlüsse sind vom Gipfel nicht zu erwarten. Die - einstimmig - vereinbarten Ergebnisse des Meetings werden in einer Erklärung veröffentlicht, die dann wegen der politischen und wirtschaftlichen Bedeutung der Gruppe auch Wirkung über die sieben beteiligten Länder hinaus entfalten soll. Der "Hauptwert" der Treffen liege darin, dass die Staatenlenker "in relativ vertraulicher Atmosphäre mal länger als einen Tag miteinander reden können", heißt es aus deutschen Regierungskreisen. In Japan dürfte es vor allem um diese Themen gehen:

  • die Lage der Weltwirtschaft
  • den Syrien-Krieg
  • die Flüchtlingskrise
  • die weltweite Terrorgefahr
  • den Klimawandel

Die Wirtschaftsmacht der G7:

Die G7 wird oft als Gruppe der größten Industriestaaten bezeichnet. Als die Gruppe 1975 von Deutschland, Frankreich, den USA, Großbritannien, Italien und Japan als G6 gegründet wurde, war das noch korrekt (ein Jahr später kam Kanada hinzu). Inzwischen haben sich die weltwirtschaftlichen Kräfteverhältnisse aber deutlich verschoben. Nur noch fünf Mitglieder sind unter den sieben Staaten mit dem größten Bruttoinlandsprodukt: Die USA (Nummer eins), Japan (drei), Deutschland (vier), Großbritannien (fünf) und Frankreich (sechs).

China als das Land mit der zweitgrößten Wirtschaftsleistung und Indien - die Nummer sieben - sind nicht dabei.

Dahinter folgt Italien auf Platz acht. Kanada steht als wirtschaftlich schwächstes G7-Land auf Platz zehn - hinter Brasilien auf Rang neun. Die G7-Staaten stehen für etwa ein Drittel der weltweiten Wirtschaftsleistung. In ihnen leben rund zehn Prozent der Weltbevölkerung.

Die Rolle Moskaus:

Russland erhielt zwar 2002 die Vollmitgliedschaft, die G8 existierte aber nur bis 2013. Wegen der Annexion der Krim platzte 2014 der Gipfel im russischen Sotschi am Schwarzen Meer. Die G7 tagte stattdessen ohne Russland in Brüssel. Eine Rückkehr zur G8 ist derzeit kein Thema.

Die Gipfelteilnehmer und ihre Probleme:

Jedes Land bringt seine eigenen Topthemen mit nach Japan. Was die Staats- und Regierungschefs bewegt, zeigt diese Fotostrecke:

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G7: Krisengipfel in Ise-Shima

Foto: HANNIBAL HANSCHKE/ AFP

Kanzlerin Merkel wird übrigens in Japan zum ersten Mal von ihrem Mann Joachim Sauer zu einem G7-Gipfel ins Ausland begleitet. Der 67-jährige Chemieprofessor wird am Donnerstag und Freitag am traditionellen Partnerprogramm teilnehmen. Im vergangenen Jahr war er selbst Gastgeber der Partner beim Gipfel auf Schloss Elmau in Bayern. Seine G7-Premiere hatte Sauer 2007 als Gastgeber des Partnerprogramms in Heiligendamm.

Zwei Politiker dürften besonders im Fokus stehen:

Kanadas neuer Premier Justin Trudeau ist zum ersten Mal dabei. Es ist auch der erste Überseeaufenthalt des 44-Jährigen, seit er im Amt ist.

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Kanadas Premier Trudeau: G7-Premiere in Japan

Foto: Sean Kilpatrick/ AP

Und natürlich wird sich wieder viel um Barack Obama drehen. In Japan nimmt der US-Präsident zum letzten Mal in seiner Amtszeit an einem Gipfel teil. Nach dem Meeting steht ein historischer Besuch auf dem Programm: Obama tritt in Hiroshima auf, jener japanischen Stadt, die die US-Luftwaffe 1945 mit einer Atombombe zerstörte.

Hier noch einmal die besten Szenen bei den G7-Auftritten von Obama:

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Obama bei G7 und G8-Treffen: Handshakes, Bier und Blicke

Foto: CHRISTOPHE ARCHAMBAULT/ AFP
als/amz/dpa/AFP
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