Gipfel in Japan Entwicklungshelfer werfen G7 "erbärmliches Versagen" vor

"Das ist schwach": Entwicklungshilfeorganisationen kritisieren die Ergebnisse des G7-Gipfels massiv. Vor allem eine Sache empört die Helfer.

Hungernde Kinder in Somalia
AFP

Hungernde Kinder in Somalia


In ihrer Abschlusserklärung blieben die Staats- und Regierungschefs der G7 nach ihrem Gipfel in Japan überwiegend bei vagen Forderungen, wenn es um die großen Probleme der Welt ging. Entsprechend deutlich ist die Kritik von Entwicklungsorganisationen: Ihnen gehen die Resultate des Treffens nicht weit genug.

Als Fortschritt wurde zumindest gewertet, dass die G7 in ihrem Kommuniqué erstmals ausdrücklich die Forderung nach einem allgemeinem Zugang zur Gesundheitsversorgung (UHC) erwähnt haben. Nach der langsamen und unkoordinierten Reaktion auf den Ausbruch des Ebola-Virus in Afrika will die G7 auch die Vorkehrungen für künftige grenzüberschreitende Epidemien verbessern und dafür geplante Fonds und Reformen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) unterstützen.

Doch Geldzusagen, die zunächst im Entwurf des Kommuniqués enthalten waren, tauchen dann in der Abschlusserklärung nicht mehr auf. Die G7-Mitglieder wurden nur allgemein aufgefordert, technische und finanzielle Hilfe zu leisten. "Das ist schwach", kritisiert der Gesundheitsexperte Marwin Meier vom Kinderhilfswerk World Vision. "Die Bekundungen sind vollmundig, aber es fehlen konkrete, zeitgebundene Pläne und finanzielle Zusagen." Eine Beendigung aller vermeidbarer Mütter- und Kindertode bis 2030 sei so nicht möglich.

Es fehle auch ein Plan zur Umsetzung des vor einem Jahr im bayerischen Elmau verkündeten Ziels, 500 Millionen Menschen bis zum Jahr 2030 von Hunger und Nahrungsmangel zu befreien, sagte Meier. "Angesichts der traurigen Tatsache, dass Mangelernährung immer noch Grundursache für etwa 40 Prozent aller Kindertode unter fünf Jahren darstellt, ist dies ein besonders trauriges Versagen der sieben reichsten Länder der Erde."

Vor allem ein Punkt empört die Hilfsorganisationen. So habe das Treffen in Ise-Shima trotz vollmundiger Bekundungen keine konkreten Finanzzusagen zur Bewältigung von Hunger und Armut gebracht. Solche Hilfe verhindere aber auch Krisen und mögliche künftige Flüchtlingsströme. "Die G7-Staaten haben erbärmlich versagt, die Entwicklungshilfe zu erhöhen, um auf den dringenden und langfristigen Bedarf durch humanitäre Krisen und für Entwicklung zu antworten", kritisierte Ian Koski von der Organisation One.

Fotostrecke

5  Bilder
G7: Meeting in Ise-Shima

Mehr zum Thema:

als/dpa



insgesamt 32 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
dieter 4711 27.05.2016
1. Sieben verschiedene Länder
Es sind sieben verschiedene Länder, da kann man keine Einigung erwarten
jufo 27.05.2016
2. Die Politik entmachtet sich selbst
Der Hinweis, dass die Globalisierung die Steuerungsmöglichkeiten der Nationalstaaten beschränkt kann auch als Ausrede betrachtet werden. Da treffen sich schon sieben Wirtschaftsmächte und haben nicht viel mehr zu bieten, als den gemeinsamen Besuch des Shinto Schreins. Soviel Ergebnislosigkeit lässt mich den Kopf schütteln und damit darf man die Dame und die Herren auch nicht durchkommen lassen, schlecht vorbereitet der Gipfel wenn es nichts Konkretes zu beschließen gab. Immerhin hatte Herr Sauer seinen Spaß ??.
werder11 27.05.2016
3. wiederholung
ich sagte es schon mal, ohne daß es gezeigt wurde, daß diese ewigen gipfel, ob g7, g8 oder g10 und g20 weiter nichts als anlässe für politiker und ihr hofgefolge sind als teure und vergnügungsträchtige ausflüge, weltreisen, teuerste suiten, einige 100 dienst pkw, einige tausend polizisten, sicherlich diverse 100 mio kosten und spesen pro jahr mit dem ergebnis: = 0 = und die steuerzahler dürfen es nicht nur bezahlen, sondern diese "touristen" erwarten sogar, wieder gewählt zu werden und der dank der armen, hungernden und kranken: terrorrismus und flüchtlinge und es wird immer mehr statt weniger!
deka88 27.05.2016
4. Sieben reiche Länder
Man sollte wirklich keine Einigung erwarten, aber verlangen! Es sind schließlich die 7 reichsten Länder der Welt (zumindest Reich an hohlen Phrasen) und haben damit eine große Verantwortung! Wozu treffen die sich dann eigentlich? Oder ist es wie beim Geburtstag der Schwiegermutter? Keiner will hin, aber aus "Anstand" geht man trotzdem...
wschomb 27.05.2016
5. Entwicklungshilfe erhoehen?? Wofuer??
Warum? Damit sich die Depoten der verschiedenen Entwicklungslaender noch mehr die Taschen vollstopfen koennen? Die sogenannte Entwicklungshilfe gibt es nun schon seit Jahrzehnten. Doch was hat sich da (vor allem in Afrika) entwickelt? Vornehmlich Kleptokratien. Geld sollte nur in Laender gehen, die weitgehend frei von Korruption sind, damit es auch wirklich was bewirken kann.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.