Helfer kritisieren Untätigkeit der G7 in Flüchtlingskrise "Eine der größten Enttäuschungen des Gipfels"

Helfer sehen einen Skandal: Die G7-Regierungschefs träfen sich ausgerechnet in Sizilien, vor dessen Küste viele Flüchtlinge ertrunken seien - und täten nichts.

Flüchtlinge vor der Küste von Sizilien
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Flüchtlinge vor der Küste von Sizilien


Entwicklungsorganisationen haben die Staats- und Regierungschefs der sieben reichen Industrienationen in der Flüchtlingskrise scharf kritisiert. Sie werfen den Ländern Untätigkeit vor. "Der Skandal des Gipfels ist, dass die G7-Führer direkt hier nach Sizilien ans Meer kommen, wo 1400 Menschen allein seit Jahresanfang ertrunken sind, und nichts ernsthaft dagegen tun", sagte Edmund Cairns von Oxfam in Taormina auf Sizilien der dpa.

Es müsse mehr Hilfe für Flüchtlinge geben und mehr Unterstützung für Entwicklungsländer, die allein 90 Prozent von ihnen beherbergten. Auch müsse es sichere Wege für Zuwanderer geben. Es sei "eine der größten Enttäuschungen des Gipfels", dass Italien mit seinem Plan für einen geordneten Umgang mit den Flüchtlingen am Widerstand der USA gescheitert sei.

Der Gastgeber habe die Welt daran erinnern wollen, dass Zuwanderer auch Vorteile für die Länder brächten, die sie aufnehmen. "Das scheint völlig vergessen worden zu sein."

"Die Kinder sterben jetzt"

Hilfsorganisationen appellierten ebenfalls eindringlich an die G7, mehr Geld für den aktuellen Kampf gegen Hunger bereitzustellen."Die Kinder sterben jetzt", mahnte Silvia Holten von World Vision. Die großen Industrienationen könnten nicht länger warten. "Es ist ein Desaster."

Die Helfer fordern, dass der Uno-Appell für den Kampf gegen die Hungersnöte in Höhe von 6,9 Milliarden US-Dollar auch erfüllt wird. Bisher liegen nur Zusagen über 30 Prozent vor.

Am letzten Tag des Gipfels trafen sich die sieben großen Industrienationen mit Vertretern aus Äthiopien, Kenia, Niger, Nigeria, Tunesien und Guinea, um über die Flüchtlingskrise und Hungersnöte in Afrika zu sprechen.

Protestaktion in Taormina
AP

Protestaktion in Taormina

Der italienische Ministerpräsident Paolo Gentiloni forderte, auf dem anstehenden G20-Gipfel in Hamburg die Beziehungen mit Afrika ins Zentrum stellen. Es sei wichtig, daran zu erinnern, dass das Treffen der 20 großen Industrie- und Schwellenländer in Deutschland "eine Linie der Kontinuität" hinsichtlich der Zusammenarbeit mit afrikanischen Staaten darstelle, sagte Gentiloni. Man brauche Entwicklungen und Investitionen in Afrika.

Italien ist von der Migration aus Afrika besonders betroffen und hat bei der G7-Präsidentschaft auf die Bedeutung der Zusammenarbeit mit afrikanischen Staaten hingewiesen. Der G20-Gipfel in Hamburg findet am 7. und 8. Juli statt.

Trump hört nicht zu

US-Präsident Donald Trump hatte offenbar kein Interesse daran, Gentilonis Ausführungen zu folgen. Während der Ansprache des Gastgebers trug Trump keine Kopfhörer für eine Simultanübersetzung. Gentiloni sprach auf Italienisch.

Trump war schon mit einer satten Verspätung zu der Sitzung erschienen. Eigentlich wollte Gentiloni bei dem Spitzentreffen eine gemeinsame Erklärung zu den positiven Aspekten der Zuwanderung und einer besseren Bewältigung der Flüchtlingskrise verabschieden. Aber die US-Unterhändler blockierten das Vorhaben.

ler/dpa



insgesamt 93 Beiträge
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De facto 27.05.2017
1. Warum warten
Die EU könnte auch ohne USA handeln. Zwar ist USA mit die Einmischung in Irak teils verantwortlich für IS und damit die Flüchtlingskrise aber trotzdem gibt es kein Grund auf die Amerikaner zu warten. Es braucht ein Koalition der willigen mit Deutschland, Frankreich, Spanien und Italien - hier ist die Bereitschaft am größten mit Geld und Tat voranzugehen.
soratenia 27.05.2017
2. Es ist verständlich,
dass die italienische Regierung sich wenig sorgt, funktioniert der Fährdienst zwischen libyscher Küste und Sizilien, den NGOs und Frontex sei Dank, doch perfekt. Wie ein Mafia-Boss einem Journalisten verriet, verdient die Mafia an der Schlepperei mehr Geld, als mit Drogenhandel. https://gefira.org/en/2017/01/02/why-the-italian-government-cant-resolve-the-problems-of-mediterranean-smuggling-boats-because-it-doesnt-want-to/
brüggebrecht 27.05.2017
3. Cowboy Manieren
"US-Präsident Donald Trump hatte offenbar kein Interesse daran, Gentilonis Ausführungen zu folgen. Während der Ansprache des Gastgebers trug Trump keine Kopfhörer für eine Simultanübersetzung." Diese Arroganz nicht nicht zu übertreffen. Bei seinen Wählern wird Cowboy Trump damit wohl zum Helden, in Europa sollte man ihn dafür ausbuhen und ohne Gruß nach hause schicken. Der Mann ist so kalt und dumm, dass es einem die Sprache verschlägt.
ulrich_loose 27.05.2017
4. Wie kommen Sie auf Spanien?
Zitat von De factoDie EU könnte auch ohne USA handeln. Zwar ist USA mit die Einmischung in Irak teils verantwortlich für IS und damit die Flüchtlingskrise aber trotzdem gibt es kein Grund auf die Amerikaner zu warten. Es braucht ein Koalition der willigen mit Deutschland, Frankreich, Spanien und Italien - hier ist die Bereitschaft am größten mit Geld und Tat voranzugehen.
die haben sich bisher recht erfolgreich mit fast schon australischen Mitteln die Flüchtlingswelle vom Hals gehalten... Teilt man ihre vier genannten Staaten weite nach aufgenommener Menge auf, ist einer eher der Blöde denn der Willige.
ditor 27.05.2017
5. Sauer Bier
"Der Gastgeber habe die Welt daran erinnern wollen, dass Zuwanderer auch Vorteile für die Länder brächten, die sie aufnehmen. Das scheint völlig vergessen worden zu sein." Das ist nicht vergessen worden, man wollte sich wohl eher nicht lächerlich machen. An eine Verteilung an andere Staaten zu pochen und gleichzeitig Vorteile von Zuwanderung zu preisen hat was vom Anpreisen von sauer Bier. "Auch müsse es sichere Wege für Zuwanderer geben." Die gibt es. Es gibt sogar einen regulären Fährverkehr und Flugverbindungen zwischen Europa und Afrika,etc..
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