Gipfel in Elmau Steinmeier wirbt für Rückkehr Russlands zu den G7

"Wir brauchen Russland bei der Lösung von Konflikten": Außenminister Steinmeier macht sich für eine Rückkehr von Kreml-Chef Wladimir Putin in die Gesprächsrunde der führenden Industrieländer stark.
Außenminister Steinmeier: "Wir brauchen Russland bei der Lösung von Konflikten"

Außenminister Steinmeier: "Wir brauchen Russland bei der Lösung von Konflikten"

Foto: Majdi Mohammed/ AP/dpa

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hat eine baldige Rückkehr Russlands in die Runde der wichtigsten Industriestaaten gefordert. "Wir dürfen kein Interesse daran haben, dass G8 auf Dauer ein G7-Format bleibt", sagte der SPD-Politiker der "Neuen Osnabrücker Zeitung"  mit Blick auf den am Sonntag beginnenden G7-Gipfel im oberbayerischen Schloss Elmau. Kreml-Chef Wladimir Putin ist zu dem Treffen nicht eingeladen.

"Wir brauchen Russland dringend bei der Lösung von festgefahrenen Konflikten in unserer europäischen Nachbarschaft wie in Syrien, im Irak, in Libyen und beim iranischen Atomprogramm", sagte Steinmeier. Gleichwohl habe der Westen nicht ignorieren können, dass Russland in der Ukraine Völkerrecht gebrochen habe.

Zurückhaltender äußerte sich Entwicklungshilfeminister Gerd Müller: "Wladimir Putin hat es selbst in der Hand, wann Russland in den Kreis der G7-Staaten zurückkehrt", sagte der CSU-Politiker der "Passauer Neuen Presse". Der für die Ostukraine vereinbarte Waffenstillstandsvertrag müsse endlich umgesetzt werden. "Dann ist wieder Platz für ihn am Tisch." Man brauche Russland etwa für eine politische Lösung des Bürgerkrieges in Syrien, erklärte Müller: "Ich hoffe, dass Russland beim nächsten Gipfel wieder dabei sein wird."

Kritik von zwei Altkanzlern

Seit der russischen Krim-Annexion vor einem Jahr treffen sich die Staats- und Regierungschefs der wichtigsten Industrienationen ohne Kreml-Chef Putin - so auch an diesem Wochenende auf dem G7-Gipfel im bayerischen Elmau. Nicht nur Vertreter der deutschen Wirtschaft beklagen den Ausschluss Russlands, auch die Altkanzler Helmut Schmidt und Gerhard Schröder haben die Entscheidung als "wenig hilfreich" kritisiert.

"Russland hat eine Alternative zu Europa. Umgekehrt gilt das nicht", sagte etwa Schröder. In der Ukraine hätten beide Seiten große Fehler gemacht, man hätte die Russen bei den Verhandlungen über ein Assoziierungsabkommen einbinden müssen. "Gerade wenn es unterschiedliche Positionen gibt, muss man darüber diskutieren. Das hätte man auf dem Gipfel tun können."

Schmidt vermutet, Putin hätte eine Gipfel-Einladung des Westens angenommen, wenn sie "in gehöriger Form ausgesprochen worden wäre". Der 96-Jährige sagte: "Ich sehe deutlich, dass Putin beleidigt ist durch die Tatsache, dass der Westen ihn seiner Vorstellung nach nicht ernst genug nimmt."


Lesen Sie hier den SPIEGEL-ONLINE-Kommentar zum G7-Gipfel ohne Putin: Ein mächtiger Fehler

mxw/dpa
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